“Mein Inneres interessiert mich nicht!”: überhebliche Interviewerinnen nerven die britische Schriftstellerin Zadie Smith

Aufreger-Zusendung von Andreas:

(…) also ich wollte (…) nur auf dieses Tsp.-Interview von Zadie Smith, die britische Schriftstellerin ist, aufmerksam machen, es ist grotesk zu sehen, wie ahnungslos und dabei noch selbstbewusst-nachhakend der Interviewer in die typischen Stereotypie-Fettnaepfe weisser Europaer stapft, es geht (fuer ihn) um die Frage, warum die Figuren ihres neuen Romans eingentlich schwarz seien, warum die Konfliktlinien nicht zwischen schwarz und weiss sondern zwischen schwarzen Unterschichts- und Mittelschichtsfamilien verlaufen, sie versteht natuerlich die Frage nicht: warum schwarz, das schwarze als Abweichung, Deviation der Norm, Schwarz als Symbol fuer Abweichung unter denen die Subjekte zu verschwinden scheinen:

“Mein Inneres interessiert mich nicht!”

Anmerkung der Red.: recht unverschämt ist auch schon die Wahl des Titels, der eine Aussage aus dem Zusammenhang reisst, und dadurch die Autorin ignorant erscheinen lässt. Den Behauptungen, dass es in Norwegen und Deutschland keine Schwarzen gebe, wird auch nicht widersprochen, was in diesem Kontext auffällig ist und auch so gewertet werden kann als sei dies eine Feststellung, auf die man Wert lege, und keine Wissenslücke (die man ganz einfach hätten schließen können).
Sw

2 replies
  1. Andreas
    Andreas says:

    ..tatsaechlich strotzen die Fragen der Interviewer, vor allem im ersten Drittel, vor Hybris, die mir zunaechst gar nicht auffiel, etwa dieser Satz:’Identitaet und Hautfarbe-das ist Ihr grosses Thema’, das klingt als wuerden sie eine Schuelerin belobigen und verweist halb ironisch-herablassend darauf, dass sie sich nicht weit von ihrer ‘Bestimmung’, ueber ihr schwarz-sein oder ‘anders-sein’ zu schreiben, entfernen wuerde. Dann noch dieser Satz darueber, dass die ‘Klassenunterschiede’ in England fuer ‘Deutsche befremdlich’ seien, als wenn es das hier nicht gaebe, diese Behauptung, es gaebe in Deutschland keine Soziolekte, alles Unsinn, man gibt sich ihr gegenueber ueberlegen. Dieses Nachhaken:’Warum sind sie dann schwarz?’, erwaehnte ich ja schon, wiu du sagst, war ihre Behauptung, es gaebe in Norwegen und Deutschland keien Schwarzen, eigentlich eine Provokation, eine Einladung das zu widerlegen, dass das nicht kommt, zeigt das tiefe Desinteresse der Interviewer an diesen Fragen, an der interviewten Person selbst, oder an einer Gesellschaft die Schwarze eben tatsaechlich, wie es ja ist, aufweist, wie du sagst, fuehlt man sich offenbar ganz wohl mit dem Bild dass es ‘sowas’ in Deutschland ja nicht gaebe, Schwarze, Klassenunterschiede, Soziolekte, die Interviewer geben sich unterschwellig als die rechtschaffenen ‘Sozial-Hygieniker’ denen ihr ‘regionaler Dialekt’ am naechsten ist, scheusslich.

  2. mei
    mei says:

    Danke Andreas für den Gedanken, die Aussagen Smiths bezüglich Norwegen und Deutschland als Provokation zu verstehen. Der war mich nicht gekommen, ist aber plausibel, und ich habe mich wirklich darüber gewundert.

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