Leserbrief: anhaltende Rassistische Diskriminierungen bei ZDF “Neues aus der Anstalt”

Zusendung von M.B.
Date: Do 08 Mai 2008 13:47:03 CEST
From: m(…)@freenet.de

Sehr geehrte Damen und Herren des ZDF!
Sehr geehrter Herr Priol !
Sehr geehrter Herr Schramm !

weiterlesen incl Kommentar von dbm:

Vor einiger Zeit mailte ich bereits dem sehr geehrten Herrn Priol, daß die
Benutzung des Wortes “Neger” etc. eine Beleidigung ist, bzw. der
Immer-Weiter-Transport eines Wortes, das endlich aus unserer Sprache
verschwinden muß. Freundlicherweise mailte er mir auch zurück.
Etwa 2 Sendungen später sprach Herr Priol die Passage “Die Neg… äh
Nigerianer”. Er hat nochmal damit “gespielt” (mußte das sein?), aber ich
war’s froh, daß er die Kurve gekriegt hat.

Dann wieder eine (?) Sendung später nutzte auch leider der ebenso geehrte
Herr Schramm die Formulierung “Da freut sich der N….” oder so ähnlich. (…)
Dann vor 2 – 3 Sendungen war Monika Gruber zu Gast, die von “kleinen,
schwarzen N…..kindern” sprach. Warum dann nicht von “kleinen männlichen
Wichserkindern”, “kleinen weiblichen Fotzenkindern”, “kleinen türkischen
Kanakenkindern” oder vielleicht “kleinen behinderten Krüppelkindern”…?
Da würden doch die öffentlichen Empörungswellen hoch schlagen!!!
In der letzten Sendung nun mußte doch Sie, Herr Priol selbst wieder seinen
tief sitzenden (auf welcher Höhe denn etwa, Herr Priol??) Rassismus
ausdrücken mit den Worten “Da freut sich der Bimbo”. Ich dachte, ich höre nicht richtig.
Liebe hochgeschätzte Polit-Kabarettisten: Könnt Ihr’s nicht endlich lassen?
Ihr geht ansonsten so pointiert und so brilliant mit Sprache um.
Ihr prangert mit Recht das fehlende Lernvermögen etc. von Politikern usw. an. Wie steht’s in diesem Punkt mit der Selbstkritik??

Würden Sie diese Ausdrücke auch noch benutzen, wenn offensichtlich
dunkelhäutigere Menschen direkt im Publikum sitzen würden? (Vor den Schirmen sitzen sie !!!)
Würden Sie diese Ausdrücke auch benutzen, wenn Menschen wie Kofi Annan,
Nelson Mandela, etc. im Publikum sitzen würden? Ja oder Nein? Und wenn Nein, warum nicht? Wenn Sie diese Ausdrücke doch offensichtlich immer wieder Ihrem sonstigen Publikum zumuten???

Ich nehme Ihre hochgeschätzte Sendung immer auf Video auf und gucke sie
gerne mit meiner afro-deutschen Familie. Das lasse ich immer dann, wenn wieder mal diese SCHEISS-AUSDRÜCKE gesprochen werden!! Die fröhliche Stimmung ist dann nämlich sofort dahin und allen bleibt das Lachen im Halse stecken. Das tue ich meiner Familie nicht an. Es ist im Alltag oft schon schwer genug. Und diese – von Ihnen immer noch gern so unreflektiert benutzen Ausdrücke – sind immer wieder Teil der Angriffe von anderen Ignoranten. (…)

ICH BITTE SIE NOCHMALS !!! DRINGENST UM RESPEKT!!!

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Polit-Aktivistin und überzeugte
Gebührenzahlerin
M.B. (Name anonymisiert, die Red.)

Anm. der Red:
Es ist seit einiger Zeit zu beobachten, dass auf jede Errungenschaft hin zu diskriminierungsfreierer Sprache unmittelbar reaktionäre Gegenströmungen auftauchen, die aus öffentlichen Angriffen, getarnt als “Satire” oder “Comedy” bestehen. So gab es wohl noch nie so viele N…-“Witze” in sogenannter TV-Comedy wie heute. Diese sind der Sache nach eigentlich der Rückgriff auf öffentliche Rassismen, die sich gegen politische Korrektheit wenden, die viele weiße Deutsche offensichtlich als Zumutung statt als demokratischen Akt wahrnehmen.

Zitat aus dem Buch “Deutschland Schwarz weiß”:

(…) mit der Verwendung des N-Wortes kann man heute Aufmerksamkeit bekommen. (…)

Die Rolle des Comedians als jemand, der die unausgesprochenen Gedanken der weißen Gesellschaft zugespitzt äußern darf, wird neuerdings dazu genutzt, um unter dem Deckmantel der “Satire” die Verteidigung des Herrenrechts auf rassistische Ausdrücke neu zu formulieren. Dahinter versteckt sich offener Rassismus, der sich aber auf eine neue, vermeintlich gesellschaftsfähige Plattform flüchtet.Im Ergebnis reißt Stromberg dann ungeniert entsprechende Witze.

Die Binsenweisheit, Satire dürfe alles, wird aggressiv dafür strapaziert, dass Weiße Deutsche alle anderen Menschen weiterhin rassistisch beleidigen können.
Es bleibt die Frage, weshalb Satiriker und Comedians ihren Entscheidungsspielraum ausgerechnet dafür nutzen möchten, Rassismen wieder gesellschaftsfähig zu machen. Oft wird argumentiert, man wolle mit Wörtern wie “N…” aufrütteln und der Gesellschaft zeigen, wie rassistisch sie sei. Dem widerspricht zumindest die häufige Verwendung des N-Wortes vollständig außerhalb jedes gesellschaftskritischen Kontextes. (…) [oft] dient dies keinesfalls einer “Aufrüttelung der Gesellschaft gegen Rassismus”, sondern lediglich der Aufmerksamkeitsheischerei, und ist eine weiße Dominanzpräsentation.

Sw

1 reply
  1. letat
    letat says:

    Ey dieser Priol & Co lassen nicht locker, die freun sich wie die Rassisten damals auf dem Schulhof, wir Schwarzen Leute, sind ja so unlocker, ja richtiggehend “un-schwarz”.
    Gleich danach kommt gleich” Minstrel Boy” Hohegger, das ist dann die richtige Schwärze.
    Ich drohe nicht, aber in meinem Geist hat solch fortgesetzte Demütigung katastrophale Folgen. Wenn der “Nigger” dann mal auskreist, der unlockere ist da Geheule groß und “man hat´s dann ja auch gewusst!”. Diese N…. sind nämlich gefählich.
    Allerdings.

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