Leserinnenbrief: STERN goes Rassenlehre

Zusendung von Esther G.

stern@stern.de

Sehr geehrte Stern Redaktion.

Als mehr oder weniger regelmäßige Leserin des Stern las ich auch den Artikel über Barack Obama mit Interesse. Auf Seite 3 jedoch klappte mir jedoch nach wenigen Sätzen die Kinnlade herunter, als von Barack Obama und dessen ehemaligem Freund Keith Kakugawa die Rede ist und die beiden beschrieben werden als ” Zwei Farbige”. “Farbige” ? Nun benutzt also auch der Stern dieses unselige Wort ?! Enttäuscht las ich weiter. Aber es kam noch schlimmer: auf der gleichen Seite das Wort “mischrassig” ! Das schiesst ja nun wirklich den Vogel ab !

Ich frage mich, ob es sein kann, dass ein/e JournalistIn des Stern tatsächlich nicht um den rassistischen Gehalt dieser Wörter Bescheid weiß. Wenn ja, so wäre das ein regelrechtes Armutszeugnis.(…)

Wahrscheinlicher jedoch, und noch schlimmer, ist die andere Möglichkeit. Nämlich die, dass den Journalisten und Redakteuren des Stern glasklar ist, dass diese Wörte rassistisch sind- es ihnen aber schlichtweg egal ist.
Dafür gibt es leider keinen Download im Internet, der dieses Problem geschwind lösen kann. Ich kann dem Stern nur ganz dringend empfehlen an einem Anti-Rassismus-Training teilzunehmen und zwar so schnell wie möglich.(…)

Mit entsetzten Grüßen,
Esther G.

3 replies
  1. Sista
    Sista says:

    Bilde ich mir das ein, oder ist der Stern irgendwie aggressiv, sind mehrere Medien irgendwie aggressiv, seit man Obama nicht mehr so richtig vom Tisch kriegt und als Person wahrnehmen muss, kommen vermehrt komische Headlines wie der Stern-Titel “Obama – Erlöser oder Verführer” – Verführer?? zu was denn verführen? (Krieg ist doch schon.) Heißt das, dass der Mann evtl hinter der netten Fassade dann doch sein wahres böses Gesicht zeigt? Oder ist das “Verführen” eine plump sexualisierte spontan-Assoziation der Stern-Red.?

  2. Samuel G.
    Samuel G. says:

    ———- Weitergeleitete Nachricht ———-
    Von: Samuel G.
    Datum: 27. Juli 2008 20:19
    Betreff: Berichtserstattung des stern über Barack Obama
    An: mut@amadeu-antonio-stiftung.de

    Guten Tag,

    einer der Initiatoren des Projektes “MUT GEGEN RECHTE GEWALT” ist Ihnen in den Rücken gefallen.
    Ich rede vom stern, dieses Magazin veröffentlichte am 24. Juli 2008 ihr Magazin mit dem Aufmacher “Das Prinzip Hoffnung” über den amerikanischen Präsidentschaftskanditens Barack Obama.

    Der stern verwendet in diesem Bericht rassistische Begriffe die in folgenden Zitaten (fett markiert) vorkommen:

    “Zwei Farbige in einer weißen Welt”

    “Obama, das neue Gesicht Amerikas, ist auch das Gesicht einer neuen Welt, in der nicht nur Fußballprofis und Models mischrassig sein dürfen, sondern auch Staatspräsidenten.”

    Hier wird es deutlich, dass in der stern-Redaktion davon ausgegangen wird, dass es Rassen geben muss, denn sonst könnte man den Sohn einer Weißen und eines Schwarzen nicht als “mischrassig” bezeichnen.
    Der Begriff “Farbige” für die schwarze Bevölkerung zu verwenden ist ebenso rassistisch.

    Der stern erweckt den Eindruck es gebe menschliche Rassen und “Farbige” wäre die korrekte Bezeichnung für Schwarze. Die Autorinnen und Autoren des Artikels “Das Prinzip Hoffnung”, die KorrekturleserInnen und die Chefredakteure können Worte wie “mischrassig” und “Farbiger” nicht überlesen haben, denn diese Worte sind ausreichend als rassistisch bekannt. Diese Worte mussten gebilligt oder gar aus Überzeugung abgedruckt worden sein.

    Der stern fördert damit die Rassentheorien, banalisiert den rassistischen Gehalt des Wortes “Farbige”, macht selbiges Wort salonfähig (“Es wurde ja von der großen Zeitung “der stern” benutzt, es dürfte doch somit okay sein, oder?!”), er zeigt seine Ignoranz, Kaltblütigkeit und das Egoistische gegenüber der Menschen, die durch diese Ausdrucksweise verletzt werden könnten.

    Ich finde es ziemlich scheinheilig vom stern eine Initiative gegen rechts ins Leben zu rufen, aber dennoch rassistische Worte und Thesen in ihren Berichten aufzustellen.

    Da “Sie” die gegründete Initiative sind und (ich unterstelle) bestimmt engagiert gegen rechts ankämpfen, ist Ihnen der stern in den Rücken gefallen und macht die gegründete Initative MUT GEGEN RECHTS unglaubwürdig – Ihre Mitarbeit im selben Moment ebenso.

    Darüber wollte ich Sie informieren.

    Mit freundlichen Grüßen Samuel G.

  3. Andreas
    Andreas says:

    ..es gab aehnliche Konnotationen in der SZ und in der taz, eigentlich in allen deutschen Medien, die Obama als eine Art Janus-koepfigen Verfuehrer der Massen beschreiben. Interessant ist, dass die BILD-Zeitung mittels jener Fitnessstudio-Geschichte (‘er schwitzt nicht einmal’), die sicherlich die Headline fuer jeden Bericht ueber Obama dort war, das ganze toppte und Obama das sicherlich auch aus u.a. diesem Grund gegeneueber der NY Times thematisierte. Die BILD hat sicherlich lange ueberlegt, wo sie am besten das Phantasma vom seiner Koerperlichkeit unterworfenen Schwarzen produzieren kann: natuerlich im Fitnessstudio und die SZ titelte dann: ‘die blonde Stalkerin’, unterirdisch.

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *