SPIEGEL: nichts dazu gelernt

Zusendung von I.:

anbei mein Beschwerdebrief an den Spiegel wegen eines Artikels über
Timbuktu (31, 2008) (…)

/Im Namen von Gleichgesinnten aus den Bereichen der
Entwicklungszusammenarbeit, der Schulbildung, der Kunst, der
universitären Lehre, der Gastronomie, dem Gesundheitsbereich etc. möchte
ich die Redaktion fragen, wie verantwortungsvoll bzw. -los sie die
Artikel des Spiegels betreut. Wir sind höchst aufgebracht über den
Bericht ,Sesam im Sandmeer’, der über den wertvollen Fund
mittelalterlicher Schriften in Tombouctou und Umgebung informiert.
Er strotzt nur so von rassistischen Begriffen und Ansichten.

Hier einige ausgewählte Beispiele: /

Die *Schwarten* (gemeint sind antike Handschriften, anm. der Red.) stammen … aus dem Mittelalter…
bilden *Einheimische* zu Konservatoren aus
Moscheen mit *wulstigen *Minaretten…
Geformt ist alles aus Lehm — *wie Adam und der Golem*.
….und *Urwaldkönigen *aus Südmali abstammt…
Eine katalanische Weltkarte zeigt ihn mit *Wulstlippen *und Zepter.
Größer noch ist die Moschee im nahe gelegenen Djenné — *eine Mischung
aus Zauberschloss und Termitenhügel*.
Nur zu gerne würden die Forscher mehr darüber wissen, wie das
*Geschacher *ablief….
… die in den *Eingeborenen-Sprachen* Songhai und Fulfulbe verfasst sind.
/
Ich vermute, die Autoren haben sich noch nie über die deutsche Kultur
hinaus bewegt und finden alles andere komisch, kurios, skurril,
bedrohlich und albern. Man hält es nicht für möglich, dass sich
koloniale Klischees in vollem Umfang und fast wortwörtlich bis ins Jahr
2008 erhalten haben und nun in den Redaktionsräumen eines aufgeklärten,
kritischen Blatts wie dem “Spiegel” thronen.

Ich werde auch die Botschafterin Malis in Kenntnis setzen, damit sie
sich zu diesem Jargon und dem rassistischen Gedankengut äußert.

Mit freundlichem Gruß

I.

anm der Red.: Es wurden längst nicht alle Verfehlungen Aufgezählt. Gleich im ersten Absatz des Artikels heißt es beispielsweise: “Bei 41 Grad Hitze blättert ein Farbiger in blauer Muslimtracht in einem abgewetzten Folianten(…)”

Schade, dass sich beim Spiegel mit der neuen Leitung die Attitude im Umgang mit Kulturen, die nicht weiß und europäisch sind, anscheinend nicht geändert hat.

Sw

3 replies
  1. sarah
    sarah says:

    Als ich den Artikel las hab ich den spiegel angeschrieben und abbestellt .
    Dieser Artikel hat nicht mehr Niveau als ein beliebiger BILD artikel mit dem unterschied das BILD wenigstens “offensichtlich ” dumm ist. aber SPIEGEL hat einen sehr geschätezten Ruf.Man glaubt das was darin steht.Wenn so ein Schwachsinn darin steht glaubt man es womöglich auch,wenn man es nicht besser weiß oder sich darüber im klaren ist das wir im 21.Jahrhundert leben und das sich das 21.Jahrhundert durchaus auch auf andere Kontinente und Länder erschließt.

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  1. […] (Hier geht’s zu “SPIEGEL: nichts dazugelernt 1.0“) […]

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