7.1.2009, Dessau: Demo in Gedenken an OURY JALLOH, LAYE KONDE und alle anderen Opfer rassistischer Polizeibrutalität
DEMONSTRATION IN MEMORY OF OURY JALLOH, LAYE KONDE and all other victims of racist police-brutality

Aufruf von caravan, voiceforum, Initiative Oury Jalloh uva.
(whole case & call in english below; klick “Mehr” (below))

Jetzt kommt alle nach Dessau!!!
Everybody to Dessau now!!!

Mittwoch, 07. Januar 2009

Bus von Hamburg
Abfahrt: 6.30 Uhr ZOB (Zentrale Omnibus Bahnhof)
Bus from Hamburg
departuretime 6.30 a.m. from ZOB (Central Bus Station near Hauptbahnhof)

Quelle: umbruch-bildarchiv.de; klick auf das Bild für mehr Fotos

Fahrkarten im Kopierladen Schanzenblitz, Bartelsstr. 21 Hamburg/Schanze
oder über
You can get tickets in the copy shop “Schanzenblitz”, Bartelsstr. 21 Hamburg/Schanze
or from
Karawane-Hamburg
Brigittenstrasse 5, 20359 Hamburg
Tel: +49-(0)40-43 18 90 37
Fax: +49-(0)40-43 18 90 38
mail: free2move[ät)nadir.org

oder mobil: 0174 150 84 57

(whole case & call in english below; klick here or “Mehr” below)

Demo in Gedenken an OURY JALLOH, LAYE KONDE

und alle anderen Opfer rassistischer Polizeibrutalität

BREAK THE SILENCE!
7. JANUAR 2009, 13:00 UHR
DESSAU HAUPTBAHNHOF
DEMONSTRATION IN GEDENKEN AN OURY JALLOH, LAYE KONDE
und alle anderen Opfer rassistischer Polizeibrutalität

AUFRUF UND ANKLAGESCHRIFT

Drei Jahre, 11 Monate und 1 Tag nach dem Tod Oury Jallohs in der Zelle Nr. 5 der Dessauer Polizei wurden zwei Polizeibeamte von der Schuld freigesprochen, aufgrund von Versäumnissen zum unerklärten Tod von Oury Jalloh beigetragen und somit fahrlässig gehandelt zu haben. Das Gerichtsverfahren kam erst aufgrund zahlreicher Aktionen und bundesweiten Informationsveranstaltungen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh und zahlreicher anderer Flüchtlings- und MigrantInnen-Selbsorganisationen zustande (Endlich: Prozess im Fall Oury Jalloh ). Das Gericht konnte die Wahrheit nicht ans Licht bringen, weil der gesamte Polizeiapparat und die Staatsanwaltschaft in Dessau von Anfang an alles daran gesetzt haben, die Wahrheit zu begraben.

Lange haben wir uns dafür eingesetzt, dass ein Verfahren gegen die verantwortlichen Polizisten eröffnet wird. Überall wo wir hinkamen, sagten wir, was offensichtlich war: “Oury Jalloh, das war Mord!” Wir sahen zu, wie Beweise konstruiert wurden, wie durch Experten die Position der Täter untermauert wurde. Wir hörten und lasen die rassistischen Bemerkungen der Polizeibeamten, des Amtsarztes, der oberen Polizeiherren und mussten uns gegen die Angriffe der NPD und rechter Gruppen wehren, die uns jedes Mal in Dessau sagten: “Eine Kugel für jeden Ausländer!” Doch nie wurde in diesem langwierigen Prozess auch von Rassismus gesprochen.

Wir wussten, dass durch das Gerichtsverfahren die Wahrheit nicht zu finden sei. Doch einige von uns hofften trotzdem: “Vielleicht wird doch einer der Polizisten verurteilt.” Durch das Verfahren tauchten noch mehr Widersprüche auf und uns wurde klarer, wie der Polizeiapparat, die Justiz und die Regierungskreise zusammen verschweißt sind. Einige aus unserer Mitte, die alles dafür gaben, damit das Verbrechen nicht vergessen und nicht wiederholt wird, wurden nicht nur von Staatsbeamten sondern auch von der rechten Szene kriminalisiert, bedroht und attackiert. Doch wir stehen immer noch da und benennen die Mörder.

Für uns ist der Polizist ein Mittäter, der Oury Jalloh in Gewahrsam genommen hat,

” weil bisher – auch nicht in dem Gerichtsverfahren ” ein Grund genannt wurde, warum er in Gewahrsam genommen wurde. Weil wir aus unseren eigenen Erfahrung erlebt haben, wie willkürlich die Polizisten uns tagtäglich kontrollieren, misshandeln und kriminalisieren, weil ihnen unsere Hautfarbe, unsere Haarfarbe oder Herkunft nicht passt. Mitschuld ist auch die deutsche Rechtssprechung und der Staat, der jedem Diener, sprich seinen Polizisten, die Macht durch die Residenzpflicht und durch das Ausländerrecht gibt, jeden Tag Gewalt auszuüben und sie nachher beschützt. Viele Namen tragen wir in unsere Herzen. Durch Gewalt sind unserer Brüder und Schwester N’deye Mareame Sarr , Halim Dener , Michael Paul Nwabuisi genannt John Achidi , Laye Konde , Zdravko Nikolov Dimitrov , Aamir Ageeb , Arumugasamy Subramaniam , Dominique Koumadio und viele mehr getötet worden. Viele von uns tragen die Narben der Gewalt, die wir selbst bei rassistischen Polizeikontrollen, in Flüchtlingslagern und Abschiebehaft erfahren mussten.

Für uns sind alle am 7. Januar 2005 im Polizeirevier Dessau anwesenden Polizisten Täter,

“. weil sie entweder, geschwiegen haben zu den Geschehnissen, deren genauen Ablauf wir wahrscheinlich nie erfahren werden, oder selbst den Tod von Oury Jalloh herbeigeführt haben, indem sie ihn gefesselt, erniedrigt und beleidigt haben, in dem sie ihm die Nase gebrochen haben und wahrscheinlich auch angezündet haben. Sie sind alle Mittäter, weil sie die vom Polizeichef und einen der Angeklagten konstruierten Tathergang stumm angenommen haben und diese als Wahrheit im Gericht dargestellt haben, ohne ihre eigenen Gewissen und alle Werte, die uns als Menschen wichtig sind, heranzuziehen.

Für uns sind alle an den Ermittlungen beteiligten Polizisten, Kriminalbeamte und der Staatsanwalt Komplizen der Mörder,

” weil sie die Ermittlungen bewusst fahrlässig durchgeführt, Beweise vernichtet und Lügen konstruiert haben. Weil sie die Öffentlichkeit hintergangen und belogen haben. Weil sie, um die Wahrheit zu vertuschen, Druck auf Menschen ausgeübt haben, die für diese Wahrheit standen und weiterhin kämpfen werden. In jedem anderen Beruf oder Feld, hätte man diese Menschen wegen ihrer Unfähigkeit ausgeschlossen.

Für uns ist letztendlich die deutsche Regierung verantwortlich für den Tod von Oury Jalloh und alle anderen Opfer rassistischer Staatsgewalt,

” weil sie jeden Tag Rassismus schürt, Rassismus in Gesetzen wie die Residenzpflicht, das Ausländergesetz, in Asylbewerberleistungsgesetz gießt und bewusst den Tod von Flüchtlingen jeden Tag bei Abschiebungen in Kauf nimmt und an den Grenzen von Europa forciert. Sie ist schuldig, weil sie durch Einsatz von Polizisten bei rassistischen Polizeikontrollen, bei Erstürmung von Flüchtlingslagern und bei Abschiebungen unser Leben und Würde verletzt. Sie ist schuldig, weil sie durch Kollaboration mit unseren Regierungen Menschenleben aufs Spiel setzt im Wettbewerb um Rohstoffe, Märkte und letztendlich zur Verteidigung der Profite der großen Unternehmen, die sie hier vertritt. Sie ist schuldig, weil sie im Namen der Menschenrechte und des Friedens Waffen und bis an die Zähne bewaffneten Soldaten in unseren Ländern schickt.

Um die schuldigen anzuklagen und die Toten zu gedenken, mobilisieren wir zum vierten Todestag von Oury Jalloh und Laye Konde nach Dessau. Wir wollen dort all das verteidigen, was uns zu Menschen macht und wir wollen das Schweigen brechen, das die Morde in dieser Gesellschaft und in unserer Welt akzeptiert und duldet.

Mehr Infos zu dem, was wir sagen, zu den Prozessen von Oury Jalloh und Laye Konde unter:
http://thecaravan.org
http://thevoiceforum.org
http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

DEMONSTRATION IN MEMORY OF OURY JALLOH, LAYE KONDE

and all other victims of racist police-brutality

BREAK THE SILENCE!
JANUARY 7, 2009, 1 P.M.
CENTRAL TRAIN STATION DESSAU
CALL AND CHARGE

Three years, 11 months and 1 day after the death of Oury Jalloh in Cell No. 5 of the police station in Dessau, the two policemen accused of his death have been acquitted of negligence. Numerous actions and nationwide informational events carried out by the Initiative in Memory of Oury Jalloh and various other refugee and migrant self organisations were the principal reason that a trial was even opened in the first place. Because the entire police and the State Prosecutor of Dessau did everything in their power to bury it, the court proved incapable of uncovering the truth.

We fought for a long time until finally obliging the court to open proceedings against the two police officers. Everywhere we went we stated the obvious: “Oury Jalloh” It was murder!” We were witnesses as to how pieces of evidences were falsified and how supposed experts were used in support of the accused. We heard and read the racist statements of the police officers, of the doctor who took Oury Jalloh’s blood, of the police bosses. And we had to defend ourselves against the attacks of the NPD and right-wing extremist groups, who told us in Dessau: “A bullet for every foreigner!” Yet never did anyone speak of racism during the entire 22 months of the trial.
We knew that the truth would not come out of the trial. Nevertheless, as the two police were only on trial for negligence”the most obvious yet most minor of all offences committed that day against the life of Oury Jalloh”some of us thought, “At least one of the policemen will be charged.” And indeed, the court proceedings served to uncover even more contradictions in the case. Over the course of the trial, however, it became clear just how tightly the police, the judiciary system and the government circles all step to the beat of the same drum. Some of our people did everything they could possibly do to see that the crime is neither forgotten nor repeated. In doing so, they were not only crimminalised and threatened by the German state but also from within the fold of the right-wing extremists. In spite of it all, we nevertheless remain steadfast. And we continue to name the murderers.

For us, the police officers who took Oury Jalloh in custody are accomplices


… because until now, not even during the 22 months of court proceedings, not one reason was ever presented as to why Oury Jalloh was taken into custody. We know this reality all to well from our own experiences; how the police control us everyday; how they abuse and criminalise us due to the colour of our skin, the colour of our hair or due to our country of origin. We also hold the German state and its laws responsible. Measures such as the Residence Obligation Law (Residenzpflicht) and the Foreigners’ Acts (Ausländergesetze) provide the police with a carte blanche to execute arbitrary brutality by the very same state who then provides the impunity necessary so that the offenders must never fear any consequences. As a result, many are the names which we bear in our hearts: our brothers and sisters N’deye Mareame Sarr, Halim Dener, John Achidi, Laye Konde, Zdravko Nikolov Dimitrov, Aamir Ageeb, Arumugasamy Subramaniam, Dominique Koumadio and many more have lost their lives to the unpunished violence of the state and its organs. Indeed, many of us still bear the scars which we had forced on us during racist police controls, at refugee camps or while held prisoner in deportation prisons.

For us, all the police officers are offenders who were present at the police station of Dessau on January 7, 2005

… because they have either kept silent as to the incidents of 7 January, 2005, or”by enchaining, humiliating, and insulting him, by breaking his nose and most probably having setting him on fire”they in one way or the other had a hand in the death of Oury Jalloh. Because they have willingly accepted a version of the truth that was presented to them via an in-house memorandum by the police’s commanding judicial officer and one of the accused police officers. This is the version they also presented to the court. Never have they questioned their own conscience or included any values in their actions which are important to us as human beings. We accuse them all of murder.

For us, all officers from the police, the criminal police, and the state prosecutor that were involved in the investigations about the death of Oury Jalloh are accomplices of the murderers

… because they have consciously neglected their investigations, they have destroyed evidences and have constructed lies. Because they have betrayed and lied to the public. In order to ensure the cover up of the truth, they have put pressure on those very people who have always stood for truth and who will continue to do so. In any other profession or area, these people would have been suspended due to their ineptitude.

Finally, for us, the German government is responsible for the death of Oury Jalloh and all other victims of racist state violence

… because the government foments racism every day. It sets a legal foundation for racism in laws such as the Residence Obligation Law (Residenzpflicht), the Foreigners’ Law, and the Benefits Act for Asylum-Seekers. Be it through deportations or the participation in the murderous outer borders of Europe, the German state and its institutions consciously accept the death of refugees everyday. The government is guilty as charged because it threatens our lives and violates our dignity every day through the enforcement of racist police controls, the raiding of refugee camps, and through the numerous acts of deportation. The government is guilty as charged, because it collaborates with our governments and disregards respect for human life in its competition for natural resources, markets and for the profits of the big companies that it represents. The German government is guilty as charged, because it sends weapons and fully-armed soldiers to our countries”in the name of human rights and peace.

To charge the guilty ones and in commemoration of our many victims, we are mobilising for a demonstration in Dessau to mark the fourth anniversary of the deaths of Oury Jalloh and Laye Konde. There, we intend to defend all that which makes us human beings. Furthermore, our intention is to break the silence which accepts and tolerate murder both here and everywhere else.

For more information about our position or the cases of Oury Jalloh and Laye Konde please see:
http://thecaravan.org
http://thevoiceforum.org
http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

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