österreichischer Landeschef Gerhard Dörfler: Rücktrittsforderung! – – offener Brief von ISD u.a. an Politik und Öffentlichkeit

via ISD

Wir fordern: Ein klares NEIN zu rassistischer und sexistischer Politik!

Die KärntnerInnen sind lustig, so heißt es. LH Gerhard Dörfler (BZÖ) möchte anscheinend beweisen, dass er ein besonders würdiger Vertreter der KärntnerInnen ist: “Warum sonst erzählt er in seiner Funktion als Landeshauptmann Witze über Schwarze Menschen, oder lässt sich umarmt von zwei als nackte, Schwarze Frauen verkleideten weißen Männern beim Faschingsumzug ablichten?

Die Antwort liegt auf der Hand: LH Dörfler ” und das gilt auch für die von ihm repräsentierte Partei ” vertritt ein rassistisches Weltbild, in welchem Schwarze Menschen höchstens als Witzfiguren, sexualisierte Halbnackte oder Wilde vorkommen. Die gegebene Tatsache, dass diese Handlung von so wenigen anderen PolitikerInnen dieses Landes Widerspruch bekommt, belegt wiederum, wie salonfähig rassistisches und diskriminierendes Agieren auf politischer und gesamtgesellschaftlicher Ebene in Österreich ist. Wie rassistische Ressentiments immer wieder zum Stimmenfang genutzt werden und wurden, verdeutlichen uns eindrucksvoll die Ergebnisse der Kärntner Landtagswahlen vom 1. März 2009.

Wir fordern den sofortigen Rücktritt von LH Dörfler, da es in Österreich nicht möglich sein darf, dass Rassismus und Sexismus – hier als geschmackloser Faschingsscherz verpackt -, Fixbestandteile der österreichischen Politik sind. In Anbetracht kommender Wahlen erscheint es uns wichtig und dringend notwendig, bundesweite Maßnahmen zu setzen, die derartiges Verhalten in Zukunft sofort sanktionieren.

Die Faschingstruppe rund um LH Dörfler wusste sehr wohl, auf welche Darstellungen sie zurück griff, als sie sich für ihre Kostümierung entschied: Es sind dies Bilder von AfrikanerInnen, die in Europa seit der Aufklärung verbreitet wurden, in diesem Fall das Bild der sexuell freizügigen wilden Schwarzen Frau ” nicht umsonst nuckelt LH Dörfler ganz faschingshaft an der Brust eines Kostümierten.

Diskriminierende Bilder von AfrikanerInnen dienten und dienen der Legitimierung von Kolonialismus, Versklavung und Ausbeutung. Sie dienen der Bestätigung eines weißen Höherwertigkeitsgefühls, Überlegenheitsgefühls, welches wiederum die Diskriminierung von Schwarzen Frauen, Männern und MigrantInnen legitimiert. Die zugrunde liegende gewaltvolle Geschichte wird zugunsten eines “lustigen Faschingsscherzes” ausgeblendet.

Genauso ausgeblendet, wie die Tatsache, dass Schwarze Menschen Mitglieder der österreichischen Gesellschaft sind.

LH Dörflers “Rechtfertigung”, seine Aussage habe Roberto Blanco, in dessen Richtung der “Witz” adressiert war, nicht gestört, ist ungenügend, wenn durch eine derartige Aussage ein viel größerer Personenkreis betroffen ist. In Österreich lebende Schwarze Menschen müssen und wollen sich solche Aussagen nicht gefallen lassen, gerade von Volksvertretern muss man erwarten können, dass sie sich eines sachlichen Tons bedienen – alles andere ist in ihrer Position nicht akzeptabel.

Es ist an der Zeit, dass sich die österreichische Politik mit dem vorherrschenden Rassismus auseinandersetzt und wirkungsvolle Maßnahmen ergreift. Wir fordern gesetzliche Grundlagen welche es für die Betroffenen möglich macht, gegen derartiges Verhalten rechtlich vorzugehen. Da die von LH Dörfler getätigten Äußerungen nicht unter den Anwendungsbereich des Gleichbehandlungsgesetzes fällt, muss es Einrichtungen geben, vor denen diskriminierendes Verhalten dieser Art, in einer für die Betroffenen leicht zugänglichen Weise – ähnlich der Maßnahmen die das Gleichbehandlungsgesetz vorsieht- geahndet werden kann.

Es ist nicht einzusehen, dass Menschen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Religion diskriminiert werden. Dies sollte auch im Österreich des 21. Jahrhunderts klar sein, alles andere ist eines Rechtsstaats nicht würdig!

Mit freundlichen Grüßen

Gertrud Aquea Lamptey
Pamoja. Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich

Folgende Organisationen schliessen sich der Rücktrittsaufforderung an:

Verein SCHWARZE FRAUEN COMMUNITY (SFC)
PANAFA. Pan African Forum in Austria
Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland -Bund e.V.
BDFA – Bunte Demokratie für Alle

Hintergrund: Artikel 1, Artikel 2 (“Der Standard”, Österreich)

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