öffentlich-rechtliche Sender sparen bei interkultureller Kompetenz und Integration

Während in Nachbarländern wie der Schweiz und Österreich das Bewusstsein für mehr Interkulturelle Redaktionen steigt, ist in Deutschland eine rückläufige Entwicklung zu beobachten.
Anfang des Jahres schloss der RBB den Sender “Radio Multikulti”. Für 2010 plant der HR ebenfalls die Schließung der muttersprachlichen Redaktionen.

Appell des zuständigen HR-Redakteurs:


Der hr braucht auch in Zukunft eine Interkulturelle Fachredaktion

Der Hessische Rundfunk plant für 2010 einen großen Einschnitt. Der Betrieb der Mittelwelle soll eingestellt werden. Davon massiv betroffen sind die muttersprachlichen Sendungen, die an sechs Tagen in der Woche auf der Mittelwelle ausgestrahlt werden. Damit ist auch die Existenz der interkulturellen Fachredaktion bedroht, die derzeit noch Ausländerprogramm heißt.

Diese Entscheidungskette – Ende der Mittelwelle gleich Ende der muttersprachlichen Sendungen gleich Ende der interkulturellen Fachredaktion – ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar. Denn der hr braucht die Menschen mit Migrationshintergrund – zum einen als Hörerinnen und Hörer, zum anderen aber auch die Journalistinnen und Journalisten, die aus eigener Erfahrung und durch viele Jahre intensiver Beschäftigung eine konkurrenzlose Fachkompetenz in Sachen Migration und Integration haben.

Nach der Einstellung der Mittelwelle hat der hr weiterhin sechs UKW-Programme. Bisher ist die interkulturelle Fachredaktion lediglich in hr Info mit den Magzinen Kulturen vertreten. Für ein zukunftsfähiges Konzept ist es wichtig, dass sie ihre Kompetenz auch in den anderen Programmen einbringen kann. Die Redaktion hat vielfältige Erfahrungen mit Sendungen, die Deutsche und Zugewanderte gleichermaßen ansprechen. Die Chance, mit neuen Angeboten beide Gruppen an den hr zu binden, darf nicht vertan werden.

Der Hessische Rundfunk ist ebenso wie die anderen ARD-Anstalten für den Nationalen Integrationsplan eine Selbstverpflichtung eingegangen, die einen neuen Zugang zu dem Themenbereich Migration und Integration öffnen soll. Diese Zusage wird unglaubwürdig, wenn mit der Auflösung der interkulturellen Fachredaktion ein großer Kompetenzverlust hingenommen wird. Das Wissen und die Erfahrung der mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auch in Zukunft gebraucht. Sie sind in einem ständigen Dialog mit den Initiativen und Organisationen der Migrantinnen und Migranten, sie reden mit Wissenschaftlern und Praktikern, die sich in dem Bereich engagieren, und sie verfolgen die vielfältige künstlerische Auseinandersetzung mit der Migration. Deshalb hat hr-Intendant Dr. Helmut Reitze die Redaktion öffentlich als Kompetenzzentrum bezeichnet.

Diese interkulturelle Fachredaktion muss erhalten werden.

Für diese Forderung bitten wir um Unterstützung.

Gunther Schneider
hr ” Ausländerprogramm
60320 Frankfurt am Main
Telefon 069/ 155-3128
Fax 069/ 155-4333
auslaenderprogramm@hr-online.de

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