Radio Fantasy Augsburg: öffentlicher Protest nach öffentlichen Rassismen

Neu vom 9.9.2009:

Antwortschreiben der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien: “rassistische und diskriminierende Tendenzen” erkennbar. (echt? Anm der Red.). Rassismus für Erwachsene wird aber als unbedenklich eingestuft. Schreiben hier zum Download.

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29. März 2009:

Der Augsburger Radiosender “Radio Fantasy” hat mehrere Schüsse des 20. und 21. Jahrhunderts offensichtlich nicht gehört. Rap wird dort schon mal als “Buschmusik” betitelt und Berichte über Michelle Obama mit Sprüchen wie ‘Black Mamba schlängelt sich ins Weiße Haus’ und ‘N…kuss mit Folgen’ versehen, so das Institut für interkulturelle Unternehmensberatung und Bildungsmanagement.
(Das N-Wort wurde in der Sendung natürlich ausgesprochen; der Mitschnitt liegt uns vor.)

Hier ein Protestschreiben oben genannten Instituts an den Sender als pdf zum Download.

Kontakt zur freien Meinungsäußerung gegenüber dem originellen Radiosender:

Radio Fantasy GmbH, Ludwigstr. 1, 86150 Augsburg
Geschäftsleitung: Peter Valentino
Programmleitung: Alexander Wohlrab
Redaktion Tel.: 0821 – 50 77 600
Redaktion Fax: 0821 – 50 77 666
redaktion@fantasy.de

(Falls Sie Ihr kritisches feedback an die Unternehmen richten, würden wir uns über eine Kopie Ihres Anschreibens und des Vorgangs an info_at_derbraunemob.de freuen. Es empfiehlt sich für solche Korrespondenz unbedingt der Zusatz:
“Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.”)

Auszug aus “Deutschland Schwarz weiß” (Sow, Noah, C. Bertelsmann, 2008):

Neuerdings ist eine Tendenz festzustellen, wonach die politische Korrektheit der deutschen Sprache als “vollzogen” betrachtet wird. Viele “Satiriker” und “Comedians” nehmen eine solche Einschätzung zum Anlass, diese Entwicklung wieder zu relativieren, denn mit der Verwendung des N-Wortes kann man heute Aufmerksamkeit bekommen. (…)
Die Rolle des Comedians als jemand, der die unausgesprochenen Gedanken der weißen Gesellschaft zugespitzt äußern darf, wird neuerdings dazu genutzt, um unter dem Deckmantel der “Satire” die Verteidigung des Herrenrechts auf rassistische Ausdrücke neu zu formulieren. Dahinter versteckt sich offener Rassismus, der sich aber auf eine neue, vermeintlich gesellschaftsfähige Plattform flüchtet. Im Ergebnis reißt Stromberg dann ungeniert entsprechende Witze. Die Binsenweisheit, Satire dürfe alles, wird aggressiv dafür strapaziert, dass Weiße Deutsche alle anderen Menschen weiterhin rassistisch beleidigen können.
Es bleibt die Frage, weshalb Satiriker und Comedians ihren Entscheidungsspielraum ausgerechnet dafür nutzen möchten, Rassismen wieder gesellschaftsfähig zu machen. Oft wird argumentiert, man wolle mit [rassistischen] Wörtern aufrütteln und der Gesellschaft zeigen, wie rassistisch sie sei. Dem widerspricht zumindest die häufige Verwendung (…) vollständig außerhalb jedes gesellschaftskritischen Kontextes. Wenn der Radiomoderator etwa von sich gibt: “Dann tanzen hier gleich zehn Negerinnen” (wie bei Radio Fritz geschehen), um einen möglichst spektakulären Abendverlauf zu beschreiben, so dient dies keinesfalls einer “Aufrüttelung der Gesellschaft gegen Rassismus”, sondern lediglich der Aufmerksamkeitsheischerei, und ist eine weiße Dominanzpräsentation.

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