12 replies
  1. Trina Roach
    Trina Roach says:

    Hoffentlich freut sich Frau Franken-Rowold über diese kleine Hilfestellung:

    Sehr geehrte Frau Franken-Rowold,

    ohne den Umfang oder Ausmaß der Arbeit Ihrer Einrichtung aus dem fernen NRW wirklich einschätzen zu können, bin ich sicher, daß sie als sehr wichtig und richtig zu betrachten ist. Gerade aus diesem Grunde möchte ich mir erlauben Ihnen zu Ihrem kürzlich erschienenen Stellenangebot einen Hinweis zu geben.

    Stellen Sie sich einfach vor, sie würden in den USA, Asien oder Afrika – egal ob als potentielle/r Bewerber/in oder Patient/in – eine ähnliche Anzeige mit folgendem Überschrift entdecken:

    Diplom-Sozialpädagoge/in Sozialarbeiter/in Erzieher/in mit Kenntnissen der europäischen Sprache

    Was wäre Ihr Eindruck über die Kompetenz der betroffene Einrichtung sowie der Menschen, die dort andere betreuen sollen? Wie groß wäre Ihr Vertrauen?

    Ihre Einrichtung hat gewiss – auch unter ihren afrikanischen Patient(inn)en – eine sehr diverse Zielgruppe. Deshalb ist eine der wichtigsten Primär-Schritten, um diese Zielgruppe effektiv und effizient betreuen zu können, das Erlangen eines grundlegenden Verständnisses für – sowie eines greifbaren Respekts vor – der Diversität ihrer kulturellen Hintergründen und individuellen Historien. Erst dann lassen sich die wichtigen Gemeinsamkeiten als Basis einer wertschätzenden Betreuung feststellen.

    Ich hoffe Ihnen und Ihrer Einrichtung – stellvertretend für die Menschen, die Sie betreuen – mit diesem Hinweis behilflich gewesen zu sein.

    Mit freundlichem Gruß

    Trina Roach

    ~~~

    360° of Diversity
    On Equal Footing in a Changing World

  2. King
    King says:

    Meine Fresse: Die sprechen von einer angeblichen “afrikanischen Sprache”?!

    Völlige Ignoranz zeigt sich hier! Hier zeigt sich die völlige Missachtung und die unglaublich schlimmen Auswirkungen eines von den Medien völlig falsch vermittelten Bild Afrikas! Afrika IST KEIN LAND, sondern ein facettenreicher, riesiger Kontinent mit 53 Staaten, etwa 2000 Sprachen und vielfältigsten Kulturen!

    Die sollten mal lieber jemanden suchen, der “die europäische Sprache” sprechen kann!

    Wenn Dummheit wehtun würde…

    NO JUSTICE NO PEACE

    King

  3. Bee
    Bee says:

    Normalerweise bleiben mir, wenn ich die Meldungen unter der Rubrik “der Mob (re-)agiert”, die Worte im Halse stecken. Heute – Gott sei Dank- konnte ich endlich mal laut lachen.
    Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen, wie klänge denn dann europäisch oder gar asiatisch?

    Afrikanisch ist vielleicht, das was dabei herauskommt, wenn man alle 2000 afrikanischen Sprachen übereinanderlegt und zeitgleich artikuliert?! Diesen sprachlichen Wunderpädagogen würde ich gerne kennenlernen. Was für eine neurologische Leistung, die dieses Pädagogenhirn meistern müßte !!!
    Oder meinen die mit “Afrikanischer Sprache” dass sie einfach jemanden suchen, der trommeln kann.
    Wie dem auch sei.
    Danke, lieber Margaretenhort, für die Bescherung dieser fröhlichen Minuten.
    Bee

  4. daniel
    daniel says:

    lol, die spinnen die römer! wär was für den spiegel auf der letzten seite, wo immer die auszüge der besten versprecher/verschreiber aus den zeitungen gezeigt werden.

  5. Psycho
    Psycho says:

    “Kenntnis der afrikanischen Sprache” ist schon der Hammer an Naivität. Das erinnert mich ein wenig an Paris Hilton, die mal gesagt haben soll, sie war neulich in Europa, konnte aber nichts verstehen, weil da drüben ja alle französisch sprechen würden.

    Was mir allerdings an Eurer Reaktion etwas übel aufgestoßen ist, ist die Empfehlung, der Verein solle selbst mal “sozialpsychiatrische Betreuung” in Anspruch nehmen.

    Es ist leider gängige Praxis, Menschen mit psychischen Erkrankungen (zu denen sich ja selbst niemand zählen will, obwohl nach offiziellen Schätzungen mehr als jeder zweite Bundesbürger davon betroffen ist) zum Zweck von diversen Beleidigungen zu missbrauchen – insbesondere, um damit auszudrücken, dass jemand ja wohl “nicht mehr ganz dicht” sei.

    In Anbetracht der Tatsache, dass psychisch kranke (oder als krank klassifizierte) Menschen in Deutschland nicht weniger von Ausgrenzung, Diskriminierung und Stereotypisierungen betroffen sind als Schwarze, Schwule und andere Minderheiten, finde ich eine solche Äußerung in einem Forum, das sich gegen Diskriminierung stark machen möchte, ziemlich fehl am Platze. Natürlich hat jeder Mensch Vorurteile, und wer selbst von Diskriminierung betroffen ist, ist nicht automatisch frei davon, andere Gruppen unbewusst und ohne böse Absicht zu diskriminieren. Das erwartet auch niemand. Aber wenn man sich selbst aktiv gegen die Diskriminierung einer Gruppe einsetzt, der man selbst angehört, und dabei, um seinen Argumenten Nachdruck und “Pepp” zu verleihen (und um flotter und schlagfertiger zu erscheinen), darauf zurückgreift, andere Minderheiten zum Zweck der Beleidigung zu missbrauchen, dann hat das schon einen etwas üblen Beigeschmack und klingt nach der unterschwelligen Einstellung: “Diskriminierung ist schon OK, solange ich selbst nicht davon betroffen bin”. Das ist ein Phänomen, das man leider immer wieder in allen möglichen spezifischen Antidiskriminierungsorganisationen (seien sie nun antisexistisch, antirassistisch, antiheterosexistisch, oder was auch immer) beobachten kann: Einige Leute schrecken nicht davor zurück, sich diskriminierender Äußerungen zu bedienen, solange diese sich nicht gegen die eigene Gruppe richten – womöglich auch, weil sie (bewusst oder unbewusst) glauben, mit Hilfe der Diskriminierung anderer Minderheiten (insbesondere solcher, die eine weitaus weniger einflussreiche Lobby haben) Sympathien gewinnen zu können. Auf diese Weise kann man “Lockerheit” demonstrieren und damit evtl. auch den allgegenwärtigen Vorwurf entkräften, Antidiskriminierungsarbeit sei “verkrampft und verbissen”. Nur leider geschieht diese Image-Pflege dann auf Kosten anderer.

    Natürlich unterstelle ich niemandem eine böse Absicht, und auch keine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen – aber die unbewusste Einstellung, die hinter einer solchen Äußerung steht, zeugt zumindest von einer fehlenden Auseinandersetzung mit der Problematik. Und sie zeugt davon, dass die oder derjenige unbewusst genau die Stereotype über psychisch kranke Menschen in sich aufgenommen hat und weiterverbreitet, die tagtäglich über die Medien in unsere Wohnzimmer transportiert werden. Natürlich ist die Diskriminierung psychisch kranker Menschen allgegenwärtig – und leider stellt sie in den Köpfen der Mehrheit der Gesellschaft in überhaupt keiner Weise auch nur irgendein Tabu dar. Und natürlich würde ich in irgendeinem x-beliebigen Forum, in dem sich haufenweise unreflektierte Idioten tummeln, gar nicht erst den Versuch starten, eine solche Diskussion loszutreten. Von intelligenten und gebildeten Menschen, die politisch aktiv sind und für Gleichheit und Gerechtigkeit einstehen, erwarte ich aber eigentlich einen reflektierteren Umgang mit den diversesten gesellschaftlichen Stereotypen – auch wenn sie sich gegen eine Gruppe richten, die man (noch) ungestraft verspotten und ridikülisieren darf, ohne sich damit selbst ins gesellschaftliche Abseits zu befördern. Es stellt sich ja auch die Frage, was Diskriminierung moralisch falsch macht: In meinen Augen ist es die Tatsache, dass man andere Menschen damit verletzt, demütigt und unterdrückt, und nicht etwa, dass man dafür angeprangert wird und somit seine eigene gesellschaftliche Reputation gefährdet.

    Ich schreibe diesen Kommentar mit einem gewissen Unbehagen, da ich Eure Arbeit moralisch stark unterstütze und sie sehr wichtig finde. Ich besuche Eure Seite regelmäßig und bin ziemlich schockiert darüber, wie weit verbreitet (und für die breite Öffentlichkeit scheinbar unproblematisch) subtiler und offener Rassismus in unserer Gesellschaft ist. Ich möchte durch meine Kritik in keiner Weise Eure Glaubwürdigkeit in Frage stellen, bin mir aber sehr wohl darüber bewusst, dass das nach außen hin (und vor allem auf Dritte) so wirken könnte – nach dem Motto: “Setzen sich lautstark gegen Diskriminierung ein und sind selber nicht besser”. Darum geht es mir nicht.

    Die Diskriminierung psychisch kranker Menschen ist allgegenwärtig, und diese Seite sticht unter den vielen anderen dabei sicherlich nicht außergewöhnlich negativ hervor. Ich war lange Zeit in der Schwulenbewegung aktiv und habe dort zahlreiche Diskriminierungen gegenüber anderen Minderheiten erlebt – und gerade dort ist auch das Bedürfnis, sich von psychisch kranken Menschen zu distanzieren, sich über sie zu erheben und sich demonstrativ von ihnen abzugrenzen, bei Vielen auffällig stark – womöglich, weil bis vor wenigen Jahrzehnten Homosexualität selbst noch als psychische Störung galt, was natürlich Spuren hinterlassen hat – auch im Hinblick auf das unhinterfragte Selbstverständnis, mit dem das Etikett “psychisch krank” als Schande betrachtet wird. (Was – zumindest in vielen Fällen psychischer Erkrankungen – der sich ausbreitenden gesellschaftlichen Tendenz entspricht, Hilfsbedürftigkeit und eingeschränkte Leistungsfähigkeit als die größte denkbare Schmach zu betrachten, und Opfer von verschiedensten Arten von Gewalt – die psychisch Kranke oftmals, wenn auch nicht immer sind – zu verspotten, statt die Täter zu verurteilen. Opfer kann nämlich jeder werden – und genau das macht Angst und löst entsprechende Abwehr aus).

    Es besteht aber kaum ein gesellschaftliches Problembewusstsein für die Diskriminierung psychisch kranker Menschen. Natürlich gibt es psychische Erkrankungen, die das Denk- und Urteilsvermögen zeitweise stark beeinträchtigen (z.B. verschiedene Psychosen) – ebenso gibt es aber andere Erkrankungen (z.B. Depressionen oder Angsterkrankungen), die zwar mit der Unfähigkeit einhergehen können, seinen Alltag völlig eigenständig und ohne fremde Hilfe zu bewältigen, die aber (im “Normalfall”) das Urteilsvermögen und den “gesunden Menschenverstand” in keiner Weise beeinträchtigen. In sozialpsychiatrischer Betreuung befinden sich zu einem großen Teil Menschen, die unsägliche Gewalterfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, infolgedessen massiv leiden, auf fremde Unterstützung angewiesen sind (was nicht ihre Schuld, sondern in der Regel sogar letztlich die Schuld anderer Menschen ist) und zu allem Überfluss auch noch lebenslag damit leben müssen, stigmatisiert, ausgegrenzt und nicht mehr für voll genommen zu werden. Oftmals wird sogar unbetrachtet alles, was diese Menschen an Meinungen oder Eindrücken äußern, nur noch im Kontext ihrer Erkrankung betrachtet – wenn sie denn einmal den Stempel bekommen haben, den sie ihr Leben lang nicht mehr loswerden. Daraus resultiert eine enorme Machtlosigkeit – denn egal, was diesen Menschen an Unrecht widerfährt – es ist niemals wirklich so geschehen, sondern nur von ihnen selbst verzerrt wahrgenommen oder fehlinterpretiert worden.

    Gerade daher finde ich es wichtig, dass Menschen, die sich gegen die Diskriminierung, Demütigung und Unterdrückung der unterschiedlichsten Minderheiten stark machen, miteinander zusammenarbeiten und sich nicht auf Kosten anderer profilieren. Eure Kritik an diesem sozialpsychiatrischen Dienst ist sicherlich angebracht – das steht für mich völlig außer Frage. Aber wenn in einem Atemzug mit dieser Kritik all jene Menschen, die auf diese Form der Unterstützung angewiesen sind, verunglimpft werden, indem Ihr sie als (vermeintlich politisch korrekte – da im Regelfall unwidersprochene) Beleidigung für Menschen missbraucht, die unreflektiert und unbewusst Rassismen produzieren, dann stimmt mich das schon traurig. Denn es geht mit der sich ausbreitenden Tendenz zur Ridikülisierung von Opfern, Hilflosen und “Schwächeren” einher. Es ist genau die unterschwellige Angst, irgendwann selbst von einer derartigen Hilfllosigkeit betroffen zu sein, die Menschen zu solchen herabwürdigenden Äußerungen verleitet.

    (Was das positive Bild, das ich von Eurer Organisation und Eurem Anliegen insgesamt habe, aber keineswegs schmälert).

  6. Jen
    Jen says:

    @Psycho: wer rassistisch ist, IST sozial UND psychisch gestört, so eine nicht ganz unpopuläre These, der ich mich anschließe. Stichwort: eingeschränkte Wahrnehmung, extreme Projektion, mit den vielen Begleiterscheinungen … Also wäre das hier keine Diskriminierung sondern eine Ferndiagnose. Falls es so gemeint war.

  7. Psycho
    Psycho says:

    Es gibt aber viele sehr verschiedene Arten von psychischen Störungen. Was bzw. wer als “psychisch krank” oder “psychisch gesund” gilt, ist letztlich ohnehin eine Definitionsfrage. In Europa bezieht man sich z.B. auf den ICD-10, um diese Frage zu klären. Das heißt nicht, dass der psychische Krankheitsbegriff vollkommen sinnlos wäre – denn die Definitionskriterien sind ja auch nicht ganz willkürlich zusammengestellt – aber es heißt eben, dass die Abgrenzung zwischen psychisch kranken und gesunden Menschen letztlich immer eine Definitionsfrage ist – es heißt, dass es eine artifizielle Kategorisierung ist, und es heißt vor allem auch, dass die Unterschiede zwischen “Gesunden” und “Kranken” eher quantitativer als qualitativer Natur sind. Außerdem gibt es tausende verschiedene Arten von psychischen Störungen (bzw. qualitativen Merkmalen), die in unterschiedlicher Ausprägung vorliegen können. Die Bezeichnungen “psychisch krank” und “psychisch gesund” sind letztlich genauso vielsagend wie die Bezeichnungen “körperlich krank” und “körperlich gesund”.

    Es gibt also verschiedenste Arten von psychischen Erkrankungen – nur leider wird das in der breiten Bevölkerung selten so wahrgenommen. Von daher müssen wir als Betroffene damit leben, dass wir permanent mit Soziopathen, Pädokriminellen und sonstigen gemeingefährlichen Menschen in einen Topf geschmissen werden bzw. in einem Atemzug genannt werden – als gäbe es da keinerlei bedeutenden Unterschied. Ständig hört man nur in den Medien, dass irgendein Gewalttäter psychisch krank war (- klar, wer gesund ist, rastet selten aus -), dass irgendein “Irrer” aus irgendeiner Anstalt ausgebrochen ist (wobei es meist noch nicht einmal relevant zu sein scheint, ob es sich um eine normale geschlossene oder eine forensische Abteilung gehandelt hat), etc. Dass auf geschlossenen Stationen auch Depressive, Menschen mit Angststörungen und selbstmordgefährdete Menschen liegen, die sicher nicht allesamt gemeingefährlich sind, wissen viele noch nicht einmal. Wenn mal wieder ein Amoklauf passiert ist, tauchen im Internet die gängigen Fragen auf, warum der Täter denn nicht schon vorher “weggesperrt” worden sei, wenn man doch schon gewusst habe, dass er “psychisch krank” war (wohlgemerkt: bekannt waren in vielen Fällen nur seine Depressionen oder Vergleichbares!!!)

    Der These, dass Rassisten psychisch gestört seien, möchte ich mich hier im Grunde vorbehaltlos anschließen – genauso, wie Eltern, die ihre Kinder misshandeln und missbrauchen, psychisch gestört sind – weil gesunde Menschen solche Dinge einfach nicht tun würden – gar keine Frage. Zwar stellt Rassismus an sich keine spezifisch definierte psychiatrische “Störungskategorie” dar (obwohl das durchaus Sinn machen würde) – der Verdacht liegt aber nahe, dass zumindest eingefleischte Rassisten sicherlich in vielerlei Hinsicht an diversen psychischen Störungen leiden. Entsprechend einem dimensionalen (quantitaiven) Ansatz, psychische Störung zu begreifen, stellt sicherlich auch jede Form von Rassismus (also auch der Alltagsrassismus Weißer) irgendeine Art von psychischer Störung dar, auch wenn nicht in jedem Falle gleich das diagnostische Kriterium für eine manifeste psychische Erkrankung (so, wie es nun mal aktuell definiert ist) erfüllt sein muss. So weit bin ich völlig d’accord.

    Was mich jedoch stört, ist, dass hier unter einem Sammelbegriff jene Menschen, die sich in sozialpsychiatrischer Betreuung befinden, mit Rassisten zusammen in einen Topf geworfen werden – nur weil sie allesamt in irgendeiner (völlig verschiedenen) Weise eine psychische Störung aufweisen. Das Entscheidende ist, dass Rassismus Gewalt darstellt. Die Menschen, die sich in sozialpsychiatrischer Betreuung befinden, sind in erster Linie (zumindest in den meisten Fällen) OPFER von physischer, sexueller oder emotionaler Gewalt. Die Menschen, die diesen Leuten (also denjenigen, die sozialpsychiatrische Betreuung in Anspruch nehmen müssen) das angeten haben, was ihre Störung verursacht hat, sind in den allermeisten Fällen auch psychisch gestört – jedoch primär in ganz anderer Art und Weise. Oftmals sind es Perverse, Sadisten, vollkommen empathielose Narzissten, usw. Das ist eine ganz andere Art von psychischem Gestörtsein – nämlich eine Art und Weise, für die man sich tatsächlich schämen kann, weil man anderen Menschen absichtlich Leiden zufügt. Genau wie ein Rassist.

    Ich kann letztlich nicht wissen, wie die oben stehende Bemerkung gemeint war, da ich sie selbst nicht gemacht habe. Ich kann nur sagen: Wenn es darum geht, Rassisten durch die Konfrontation mit ihrer sozialen und psychischen Störung darauf aufmerksam zu machen, dass das Problem bei ihnen (und nicht etwa in der Überempfindlichkeit anderer) liegt, und dass sie es bearbeiten müssen – dann ist der Hinweis auf eine psychische Problematik bis hin zur manifesten psychischen Störung sicherlich angebracht. Wenn es aber darum geht, durch den bloßen Hinweis auf psychische Gestörtheit (ohne jede weitere Differenzierung) einen Rassisten demonstrativ abzuwerten – wobei der Begriff “gestört” oder “behandlungsbedürftig” eindeutig eben diese (an und für sich ja durchaus berechtigte) Herabsetzung bewirken soll – dann handelt es sich sehr wohl um einen diskriminierenden Gebrauch dieser Bezeichnungen. Nicht etwa, weil eine verbale Abwertung des Rassisten nicht gerechtfertigt wäre (eigentlich wertet er sich ja schon selbst durch sein Handeln ab, und die Beleidigung ist nur die logische und gerechte Konsequenz dessen) – sondern weil “psychisch gestört” kein Attribut ist, das sich in dieser wenig differenzierten Form als Beleidigung eignen würde (- Sadist oder Narzisst eignen sich da schon eher).

    Ich möchte zur Veranschaulichung mal ein – offen gesagt – natürlich überzogenes Beispiel nennen (das es aber, gerade weil es überzogen ist, sehr anschaulich macht): Ein engagierter Antifaschist (der sich zumindest so sieht) aus meinem Bekanntenkreis hat kürzlich in geselliger Runde geäußert, man solle die ganzen “rechtsradikalen Schwuchteln” in die Tonne treten und entsorgen lassen. Meine Entrüstung bzw. meine sarkastische Gegenfrage, warum er sie denn nicht gleich als “rechtsradikale N.” bezeichnen würde, wenn er sie denn mal so “richtig derbe” beleidigen wollte, hat er nicht verstanden – bzw. er hat im Gegenzug mir vorgeworfen, er habe die Bezeichnung “Schwuchtel” ja nicht beleidigend gemeint (- alles klar, deshalb benutzt er sie ja auch als Beleldigung -), und ich würde Rassismus in unerträglicher Weise verharmlosen, wenn ich diese beiden “Begriffe” miteinander auf eine Stufe stellen würde. Aus seiner Sicht ist die Bekämpfung der Homophobie zwar wichtig – aber wer Schwule und Schwarze in puncto Diskriminierung auf eine Stufe stellt, outet sich als Rassist (- das funktioniert natürlich nur in seiner Welt, in der Schwulsein offenbar an sich schon eine ganz üble Beleidigung darstellt).

    Es ist noch gar nicht so lange her (vielleicht zehn bis zwanzig Jahre), da wurde man von vielen vermeintlichen Antirassisten vehement angegangen, wenn man Homophobie und Rassismus auch nur in einem Atemzug miteinander genannt hat. Was ich damit sagen will, ist: Welche Vergleiche von Minderheitendiskriminierung als sachlich zutreffend, und welche als unmöglicher und geschmackloser Tabubruch gelten, ist immer auch davon abhängig, welchen Status sich die jeweiligen Minderheiten in einer Gesellschaft schon erkämpft haben, und welches Bewusstsein für die Problematik ihrer Diskriminierung sie in den Köpfen der Öffentlichkeit schon geschaffen haben. In einer extrem homophoben, aber rassismusbewussten Gesellschaft (womit ich jetzt nicht unsere heutige Gesellschaft meine) würde es z.B. als Verharmlosung des Rassismus angesehen, wenn man die Diskriminierung von Schwulen mit der Diskriminierung von Schwarzen vergleicht – weil die Diskriminierung von Schwulen ja – vermeintlicherweise – ohnehin nicht so schlimm wäre, weil Schwulsein “eklig” wäre, und weil es als beleidigend gälte, die gesellschaftliche Position von Schwarzen mit der von Schwulen zu vergleichen. In einer Gesellschaft, in der nun aber Stereotype über psychisch kranke Menschen (bzw. als krank diagnostizierte – denn die Mehrheit der psychisch Kranken wissen ja gar nichts von ihrem Glück) täglich über die Medien ins Wohnzimmer verbreitet werden, und in der ein Bild von psychischer Krankheit existiert, das auf Triebtäter und sonstige gemeingefährliche Menschen (keinesfalls aber auf deren Opfer) reduziert ist, mutet es vielleicht absurd an, diese Thematik ausgerechnet in einem Antirassismusforum loszutreten (das aber nun mal den Auslöser dafür geliefert hat).

    Natürlich kann man das Attribut “psychisch krank” rein deskriptiv oder (ab-)wertend gebrauchen – aber da ich selbst betroffen bin, muss ich mir auch nicht erzählen lassen, wann und in welchem Kontext geäußert es eindeutig einen klaren abwertenden Beiklang haben soll, und wann nicht. Wenn immer und immer wieder (im Grunde ja korrekterweise) Rassisten vorgeworfen wird, dass sie psychisch gestört sind – aber meistens ohne nähere Bezugnahme auf die konkrete Art ihrer Störung (- was ja Lösungsansätze liefern könnte -), dann drängt sich doch der Eindruck auf, dass die Diagnose einer generalisierten bzw. nicht spezifischer bezeichneten psychischen Störung als Abwertung für das Gegenüber gebraucht werden soll, um sich für die eigene massive Kränkung zu revengieren. “Der bzw. die ist ja völlig krank / gestört / irre / unzurechnungsfähig, etc.”, sind nun mal leider geflügelte Worte, die primär dazu benutzt werden, Menschen zu beleidigen. Ich will nicht sagen, dass ich es als jemand, der in dieser Gesellschaft aufgwechsen ist, nicht extrem nachvollziehbar fände, dass man in einer solchen Situation so reagiert, wenn man zuvor massiv beleidigt und in seiner Würde verletzt worden ist. Ich bin sogar so ehrlich zuzugeben, dass ich selbst vermutlich nicht anders sprechen und denken würde, wenn ich die Erfahrungen, die ich gemacht habe, nicht gemacht hätte.

    Jedenfalls ist sozialpsychiatrische Betreuung sicherlich nichts, was geeignet wäre, um einen Rassisten von seinem Rassismus zu befreien – da sind eher Antirassismusseminare angebracht, und ggfs. ambulante Psychotherapie (oder eben in Extremfällen die Unterbringung in einer forensischen Abteilung). Die Leute, die vom Margaretenhort in Hamburg betreut werden, sind sicherlich nicht dort, weil sie Rassisten sind, oder weil sie andere moralisch negative Eigenschaften haben, sondern weil sie derzeit mit der Bewältigung ihres Alltags überfordert sind und Hilfe benötigen. Gerade das hängt oft mit Gewalterfahrungen zusammen – es könnte also durchaus sein, dass dort auch Menschen dabei sind, die gerade WEGEN rassistischer Gewalt nicht mehr mit ihrem Leben klarkommen. (In meinem Fall war schwulenfeindliche Gewalt der Auslöser). Ganz sicher ist es nicht beabsichtigt gewesen, diese Genzen zu verwischen – aber als jemand mit Psychiatrieerfahrung empfinde ich es als sehr verletzend, wenn die völlig undifferenzierte Feststellung, dass jemand (in welcher Hinsicht auch immer – das scheint ja egal zu sein) “psychisch gestört” sei, immer wieder gebraucht wird, um Menschen vor Augen zu führen, wie Scheiße sie sind, was sie für unbelehrbare, ignorante Idioten, oder (im Extremfall) für perverse Arschlöcher sind. Klar sind praktisch alle perversen Arschlöcher, die andere in unbelehrbarer Weise demütigen, herabsetzen und quälen, psychisch krank – aber deshalb sind diese Begriffe keinesfalls synonym zu gebrauchen. Wer das tut, verwischt die Grenze zwischen diesen Tätern und ihren Opfern.

    Es geht mir jetzt auch nicht darum, das zu dramatisieren oder Euch irgendwelche abwegigen und überzogenen Dinge zu unterstellen – Ihr habt Euch ja nun (leider) wirklich nur gängigen Vokabulars bedient – auch wenn es für mich und viele andere verletzend war. Wenn ich hier in irgendeinem Proletenforum wäre, hätte ich es auch gar nicht erst angesprochen – man gewöhnt sich ja notgedrungen an Vieles. Aber ich denke eben, dass man gerade dann, wenn man sich gegen eine bestimmte Form der Diskriminierung einsetzt, auch andere Formen der Diskriminierung nicht außer Acht lassen sollte – und zwar auch dann, wenn es einem auf den ersten spontanen Blick lächerlich erscheinen mag. Die Leute, die davon betroffen sind, finden es vielleicht gar nicht so lächerlich – und die Tatsache, dass ihre Belange und Probleme noch nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen sind, macht die Sache sicherlich nicht irrelevanter.

    Ihr wünscht Euch von Anderen ja auch Offenheit, Reflektion und Auseinandersetzung, und nicht bloße Problemverleugnung. Im Übrigen stehen abwertende Haltungen gegenüber psychisch Kranken sehr häufig auch mit Projektionen eigener kranker Anteile (die übrigens jeder von uns hat) im Zusammenhang – bzw. mit der “Nachaußenverlagerung” der gespürten drohenden Selbstabwertung. (Und nein, mit dieser Feststellung beleidigt man niemanden – wer das als Beleidigung ansieht, kann sich ja auch mal fragen, warum). Daher werden eigene kranke Anteile fast immer verleugnet, während Menschen, die das Etikett “psychisch krank” mal abbekommen haben, zu Witzfiguren und Beleidigungen degradiert werden, wenn sie einem in der Außenwelt begegnen und einen mit den eigenen Anteilen konfrontieren, die man ja niemals sehen möchte. Und damit meine ich jetzt keinesfalls irgendjemanden im Speziellen – sondern ich meine alle Menschen, weil es eben auch alle betrifft – vor allem aber all jene, die sich immer und mit aller Selbstverständlichkeit für zweifelsfrei psychisch gesund halten.

    Und indem ich mich nun als “krank” geoutet habe, läuft es natürlich darauf hinaus, dass man dazu neigen wird, meine Empfindungen bloß darauf zurückzuführen, dass ich vermutlich “tierisch einen an der Klatsche” habe – und nicht etwa darauf, dass das, was man selbst geschrieben hat, womöglich wirklich unfair und diskriminierend war. Vermutlich reagiere ich nur übersensibel oder bin in meiner sozialen Wahrnehmung gestört – von daher liegt es ja nahe, meine Kritik einfach als den irrationalen Eindruck irgendeines Irren abzutun. Genau das ist es nämlich, was in dieser Gesellschaft ständig passiert – und genau das ist mit ein entscheidender Grund dafür, warum sich niemand für die Diskriminierung von Menschen mit Psychiatrieerfahrung interessiert – weil man sie ja eh nicht ernst nehmen kann, und weil sie sich das alles immer nur einbilden.

    Ich will jetzt mit der Diskussion aufhören, da es auf Eurer Seite ja primär um Antirassismus geht, und nicht um andere Formen der Diskriminierung. Wenn ich Euch zugetextet habe, tut es mir Leid, aber ich habe hier leider keinen anderen Weg gesehen, um die Wichtigkeit meines Anliegens adäquat zu vermitteln. Wenn es um etwas geht, was im öffentlichen Bewusstsein noch fast gar keine Rolle spielt, muss man halt immer recht viel erklären.

    Ich finde Eure Seite übrigens toll und unterstütze Eure Arbeit. Wenn ich in dieser Hinsicht Kritik äußere (obwohl ich das in vielen anderen Foren schon aufgegegen habe), heißt das übrigens, dass ich Euch genügend Tiefsinn und Reflektionsbereitschaft zutraue, um Euch wirklich ernsthaft und guten Willens mit meinen Einwänden auseinanderzusetzen – was Euch von anderen Seiten unterscheidet, wo ich schon von vornherein weiß, dass man mich eh nicht ernstnehmen würde.

  8. Redaktion
    Redaktion says:

    Kommentare über krank vs gesund, sowie “psychisch gestört” werden hier nun nicht mehr freigeschaltet, siehe “Blog Regeln” (Stichworte: Paralleldebatte, Raumnahme, StellvertreterInnen-sein).
    Wir finden das Thema jedoch sehr interessant und würden uns wünschen, dass wenn es andernorts fortgeführt würde. Einen Link dorthin posten wir gerne.

  9. MR
    MR says:

    lol, die spinnen die römer! wär was für den spiegel auf der letzten seite, wo immer die auszüge der besten versprecher/verschreiber aus den zeitungen gezeigt werden.

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