“Buschne..r” im ZDF-Talk: Revision nicht notwendig

ZDF-Redaktion teilt Persilschein für ideologische Unvoreingenommenheit rassistischer Talkgäste im ZDF-Nachtstudio aus.

Moderator reagiert, Redaktion stellt auf Durchzug.

Zusendung Zuschauerfeedback von A. [Name anonymisiert] am 20.10.09 an Zuschauerredaktion@zdf.de:

Hallo.
In der Sendung Nachtstudio im ZDF vom 18.10.2009 (im Archiv ab Minute 16:20) war Volker Panzer, der einzige, der sich über das N-Wort von der unsäglichen Frau Ingrid Loschek, ihres Zeichens Hochschullehererin für Modegeschichte und Modetheorie, aufregte und sie in ihre Schranken wies.
Wo hingegen der Rest des munteren Trupps amüsiert oder peinlich berührt auf diesen geistigen Tiefflug “reagierte”.
Mit freundlichen Grüßen,
A.

Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.

Antwort des ZDF am 21.10.09:

Sehr geehrte Frau A. [Name anonymisiert]

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

Die Gespräche des “nachtstudios” im ZDF haben den Anspruch, aktuelle Themen der Zeit im Sinne der Zuschauer zu erörtern und auf diese Weise zum öffentlichen Diskurs hierzulande beizutragen. Ideologische Voreingenommenheit wird man Volker Panzer und seinen Gästen jedenfalls nicht vorwerfen können. Gerade das inspirierte und assoziative Reden über Themen kennzeichnet nämlich das “nachtstudio” und nicht das starre und engstirnige Wiederholen allseits bekannter Thesen und Behauptungen.
Ihre Kritik an der Einladung Ingrid Loscheks haben wir gerne der verantwortlichen Redaktion mitgeteilt. Ihre Stellungnahme werden wir außerdem als Teil der Zuschauerresonanz auf das Programm, Themen und Ereignisse festhalten.

Wir freuen uns, wenn Sie auch weiterhin zu unseren interessierten Zuschauern gehören.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Metternich
ZDF, Zuschauerredaktion

neuer Brief (vom 25.10.09, bisher unbeantwortet)

Sehr geehrter Herr Metternich.

Vielen Dank für Ihre Antwort. Schade nur, daß Sie meine Kritik anscheinend nicht richtig verstanden haben. Ich werfe Volker Panzer gerade keine ideologische Voreingenommenheit vor, da er der Einzige war, der gegen die rassistischen Worte von Frau Ingrid Loschek, schwarze Menschen als “N…r bzw. Buschn…r”zu bezeichnen, vorging. Ich freue mich über eine hoffentlich konstruktive Anwort der zuständigen Redaktion auf meine Kritik.

Mit freundlichen Grüßen, A. [Name anonymisiert]

*

Leider ist auf diesen Brief keine Reaktion mehr erfolgt. Zuschriften und Meinungsäußerungen an das ZDF (mit uns im cc) an: Zuschauerredaktion@zdf.de

5 replies
  1. AS
    AS says:

    Folgende Mail hat die Zuschauerredaktion gestern von mir erhalten:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    dass man von einer Sendung mit dem Titel “Kleider machen Leute – die Macht der Mode” hauptsächlich Klischees sowohl über Männer und Frauen als auch über “Südländer”zu erwarten hat, verwundert, so schade es ist, nicht.

    Eine entschiedene Zurückweisung verdient jedoch die Verwendung des N-Wortes durch den Gast Ingrid Loschek und die darauf folgende Reaktion des Moderators. Es sollte eigentlich mittlerweile selbst in das Nachtprogramm des ZDF vorgedrungen sein, dass dieses Wort rassistisch und damit einfach komplett inakzeptabel ist. Wenn also ein Gast der Sendung dieses Wort in den Mund nimmt, muss dies dann auch in klarer Sprache und unmissverständlich gerügt werden und entsprechend sanktioniert werden (es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Gast einer Sendung verwiesen wird und mir scheint dies die einzig angemessene Reaktion).

    Die vom Moderator halblachend vorgebrachte Ermahnung (“das haben wir jetzt überhört”) reicht nicht aus, vor allem da damit deutlich gemacht wird, dass auf keinen Fall weitere Konsequenzen zu erwarten sind. Was der Moderator überhaupt nicht angesprochen hat, ist, dass es Frau Loschek es im selben Atemzug schafft, alle afrikanischen Männer in eine Reihe mit Tieren (in diesem Fall Vögel) zu stellen und sich auch weiterer rassistischer Stereotype bedient. Dass die unsäglichen Aussagen der Frau Loschek also überhaupt eine Reaktion seitens des Moderators hervorgerufen haben, ist zwar gut, aber auf keinen Fall gut genug.

    Bitte leiten Sie meine Kritik an die verantwortliche Redaktion weiter. Ich würde mich über eine Reaktion sehr freuen.

    Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.

    Mit freundlichen Grüßen
    gez.

  2. Pitt
    Pitt says:

    @ Frau A.

    vielen Dank, dass Sie auf diese “Sternstunde” des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hinweisen.

    Dass Redakteur Metternich Ihre Beschwerde nicht verstanden hat, kann man in diesem Fall ausnahmsweise aber nicht nur dem Redakteur vorwerfen.
    Die ursprüngliche Beschwerde an das ZDF war auch für mich nicht eindeutig zu verstehen.

    Sie weisen darauf hin, dass Moderator Volker Panzer immerhin reagiert hat. Das heisst, ihm war zumindest bewusst, dass die Begriffe N…er und Buschn…er unangebracht waren. Das ist also kein Grund für eine Beschwerde.
    Grund für eine Beschwerde könnte vielmehr sein, dass seine Reaktion unangemessen schwach war. (siehe AS)

    Für Ihren Vorwurf, dass die anderen Gäste sich nicht empörten und nur sichtbar peinlich berührt waren, ist das ZDF evtl der falsche Adressat .

    Ich habe inzwischen an ganz anderer Stelle nachgehakt, nämlich an besagter Hochschule in Pforzheim, an der Frau Loschek auf junge Studenten los gelassen wird. Hier dürfte der Protest evtl sinnvoller angebracht sein.
    ->

    http://www.hs-pforzheim.de/DE-DE/HOCHSCHULE/Seiten/Bereich.aspx

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Martin Erhardt,

    wie ich erst heute erfahren habe, hat eine Professorin Ihrer Hochschule, nämlich Frau Ingrid Loschek in einer ZDF-Sendung am 19.10.2009 (Nachtstudio) ungeniert die für sie anscheinend völlig normalen Begriffe “N..er” und “Buschn..er” benutzt.

    Mich interessieren 2 Dinge:
    1. Ihr Kommentar dazu.
    2. Ihre Reaktion gegenüber Frau Loschek.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.

  3. AS
    AS says:

    Nachtrag
    Diese Antwort habe ich heute aus der Zuschauerredaktion erhalten. Die für das Nachstudio zuständige Redaktion scheint sich zu dem Vorfall nicht äußern zu wollen.


    Sehr geehrte Frau S…,

    vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

    Ihre Kritik haben wir der zuständigen Redaktion unseres Hauses zur Kenntnis gebracht. Ihre Ausführungen fließen darüber hinaus in unsere hausinterne Auswertung ein und bilden somit einen wichtigen Hinweis darauf, welche Resonanz unsere Programmarbeit beim Zuschauer findet. In diesem Sinne danken wir Ihnen für Ihre E-Mail.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefanie Göckel
    ZDF, Zuschauerredaktion

  4. Moritz Karls
    Moritz Karls says:

    MEINE E-MAIL AN DEN VORGESETZTEN REKTOR:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Martin Erhardt,

    mir graut vor dem Gedanken dass an Ihrer Universität eine Professorin tätig ist, die es sich trotz Ihres akademischen Bildungsniveaus und trotz mehrfachen Aufenthaltes in anderen teilen der Welt (unter anderem auf dem afrikanischen Kontinent in Ägypten) nicht nehmen lässt, eine Ignoranz an den Tag zu legen, welche ich persönlich eher von frustrierten Neofaschisten in strukturschwachen Regionen erwartet hätte. Ich spreche von Prof. Dr. Ingrid Loschek!

    Die in der vom ZDF übertragenen Sendung “Nachtstudio” gefallenen, scheinbar zum normalen Sprachgebrauch der Frau Professorin gehörenden verbalen Entgleisungen sind einer der Bildung verpflichteten Person nicht würdig. Ich frage mich auch, ob Personen welche nach den rassistischen Denkmustern denen die Frau Professorin offenbar folgt als N***R zu bezeichnen wären, sich bedenkenlos in den von der besagten Person geleiteten Studiengängen einschreiben können oder ob sich Studierende die nicht arisch-nordischen Typs sind hier mit der Gefahr studieren müssen Opfer der verbalen Unvermögenheit der Dame zu werden.

    Meine Frage lautet daher:
    Können an Ihrer Universität auch Menschen die nicht schwach-pigmentiert sind ohne Bedenken und ohne Diskriminierung zu erleiden studieren?

    mit freundlichem Gruß
    Moritz Karls

  5. Professor Dr. Martin Erhardt
    Professor Dr. Martin Erhardt says:

    Sehr geehrte Frau Schmid, sehr geehrter Herr Karls und sehr geehrter Herr Dohlen,

    ich bedaure außerordentlich die Äußerungen mit denen Professor Ingrid Loschek im ZDF-Nachtstudio zur Geschichte der Mode am 19. Oktober 2009 Stellung genommen hat. Außer Frage steht für mich ” sowie für die Leitung der Hochschule Pforzheim ” dass solche Beiträge nicht akzeptabel sind. Wir entschuldigen uns ausdrücklich für die dort verwendete diskriminierende Wortwahl.

    Zu Ihrer Frage in wie weit die Hochschule Pforzheim für Studierende aus anderen Nationen offen ist, kann ich Ihnen gerne ein paar Stichpunkte nennen. Die Hochschule ist in einem weltweiten Netzwerk von über 100 Partneruniversitäten aktiv, hat einen überdurchschnittlichen Anteil ausländisch Studierender, initiiert ein International Study Programm, veranstaltet eine anerkannte Summer School, hat sich bundesweit als eine der ersten Hochschulen den Principles for Responsible Management Education (PRME) der Vereinten Nationen verpflichtet, unterstützt eine studentische Initiative von UNICEF “. Für uns ist Internationalität nicht nur ein schmückendes Beiwerk, sondern wird von der Hochschulleitung, über die Professoren, die Mitarbeiter bis zu den Studierenden gelebt und geschätzt. Gerade deshalb distanzieren wir uns deutlich von rassistischen Äußerungen Frau Loscheks.

    Als Rektor der Hochschule Pforzheim kann ich ihnen versichern, dass wir mit Frau Loschek über ihren Beitrag im Nachtstudio intensiv gesprochen haben. Professor Loschek ist seit Monaten sehr schwer erkrankt und kann nur auf Grund der Einnahme starker Medikamente den Alltag meistern. Dieser Fakt soll nicht als Entschuldigung gelten, er kann aber vielleicht den Hintergrund für diese Äußerungen einer anerkannten Kapazität in der Modegeschichte etwas erhellen. Die Hochschulleitung wird weitere Gespräche mit Frau Loschek zu diesem Sachverhalt führen.

    Mit den besten Grüßen

    Professor Dr. Martin Erhardt
    Rektor der Hochschule Pforzheim

    Der E-Mail ist ein Statement von Professor Ingrid Loschek beigefügt:

    Ich bedaure meine Wortwahl sehr und gebe Ihnen Recht, dass dieser Begriff absolut unpassend ist.

    Ich kann Ihnen versichern, dass meine Äußerungen weder rassistisch noch diskriminierend gemeint waren. Eine solche Ausrichtung ist mir von Grund auf zuwider. Meine persönlichen und beruflichen Kontakte in Amerika, Asien und Afrika werden Ihnen das gerne bestätigen. Durch meine Forschungen zu Ethologie, Kleidung und Schmuck sowie zu den soziologischen und ethnologischen Komponenten in der Mode bin ich weltweit vernetzt.

    Ingrid Loschek

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