Rassistische Diskriminierung in Köln: Behörden “weit vorne”

Der prozentual größte Anteil der im Erfassungszeitraum bearbeiteten Diskriminierungsbeschwerden ereignete sich mit insgesamt 33% auf Ämtern und/oder Behörden.

In der Bundesrepublik Deutschland existiert bislang keine flächendeckende Beratungsinfrastruktur für von Diskriminierung Betroffene, auch fehlt es an einer strukturellen öffentlichen Unterstützung der zivilgesellschaftlichen Antidiskriminierungsberatung.
[…]
Bislang haben weder die Bundesregierung noch die ADS von Diskriminierung gefährdete und/oder betroffene Personen bzw. Personengruppen ausreichend über die verbesserten rechtlichen Möglichkeiten des Diskriminierungsschutzes informiert.

Zu diesem Schluss kommt das AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln / “Öffentlichkeit gegen Gewalt” in ihrem neuen Exposé “Diskriminierungsfälle 2009. Rassistische Diskriminierung in Deutschland. Daten und Fakten aus der Beratungspraxis […]”

Darin werden verschiedene Diskriminierungsbereiche betrachtet und differenziert, “in denen diskriminierende Vorfälle gehäuft und wiederkehrend auftreten.“:

  • Öffentliche Institutionen und Behörden wie Ausländerbehörde, Agentur für Arbeit, Wohnungs- und Ordnungsamt sowie diplomatische Vertretungen — zusammengefasst unter der Kategorie „ Ä m t e r / B e h ö  r d e n “ ;
  • A r b e i t “ klassifiziert alle Diskriminierungsvorkommnisse im Bereich der Beschäftigung, wie Stellenausschreibungen, Bewerbungsverfahren, Auswahlgespräche/-kriterien, Einstellungs-, Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen, Entlohnung, beruflicher Aufstieg, Mobbing und Bossing;
  • Die im „Bildungsbereich“ erfassten Beschwerden reichen von Ungleichbehandlungen im Primärbereich, Sekundärbereich I und II über das Hochschulwesen bis hin zu diskriminierenden Praktiken privater und öffentlicher Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung;
  • Diskriminierungen, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Zugang zum Gesundheitswesen, in der Gesundheitsversorgung selbst, im Unterhaltungs- und Freizeitgewerbe, in Gaststätten so- wie während der Inanspruchnahme von sonstigen kommerziellen und sozialen Diensten ereigneten, sind der Kategorie „Dienstleistungsbereich“ zugeordnet;
  • Der „öffentliche/nicht-öffentliche Wohnbereich“ umfasst (ethnisierte) Nachbarschaftskonflikte, Mietstreitigkeiten und Diskriminierungsvorkommnisse bei der Wohnungssuche und -anmietung sowie zwischen Mietparteien und Hausverwaltungen;
  • Vorwürfe willkürlicher Personal-, Verkehrs- und Handtaschenkontrollen durch Polizeibeamtinnen und -beamten sind unter der Kategorie            „P o l i z e i “ zusammengefasst;
  • Mit der Kategorie „ S o n s t i g e “ sind alle Vorfälle rassistischer und rechtsextremistischer Beschimpfungen/Beleidigungen im öffentlichen Raum (wie z.B. Straße, Haltestelle, Public Viewing) bezeichnet. Hierunter fallen auch Beschwerden über ethnisierte sowie islamophobe Berichterstattung in Medien.

    Das ganze Papier zum Download als pdf HIER

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