Unzumutbare Zustände: OFFENER BRIEF der Flüchtlinge aus Remscheid gegen Sammelunterkünfte

Gesamter Brief als pdf (mit Unterschriftenliste!) HIER.

Auszüge:

Die Sozialarbeiter der BAF sind an ein oder zwei Tagen in der Woche in den Heimen. Wir wissen nicht genau, was ihre Aufgabe ist.
[..] einer der Sozialarbeiter des BAFs, behauptete im Februar letzten Jahres, dass jeder von den Sozialarbeitern der BAF 100 Klienten habe. Sie fühlen sich von gesundheitlichen Problemen über Schulden bis hin zur Antragsstellung, für sämtliche Sorgen der Asylbewerber zuständig [ebd.]. Als er dies sagte, bekamen wir keine Krankenscheine. Oft mussten wir Schmerzen erleiden und waren auf Hilfe angewiesen, aber von den Sozialarbeitern hörten wir immer wieder dasselbe: „Wartet!“ Ein Freund starb sogar. Er erhielt keine Hilfe.

Wir wissen, dass andere Städte – Leverkusen [7], Köln [8], Suhl [9], Münster [10]und viele andere –Sammelunterkünfte für Flüchtlinge längst geschlossen haben und die Flüchtlinge dort in normalen Wohnungen leben dürfen.

Für unsere Kinder ist die Situation besonders schlimm, weil sie sich ausgegrenzt und diskriminiert fühlen. Sie trauen sich nicht einmal, ihre
Freunde von der Schule mit nach Hause zu bringen, weil sie sich schämen, in einem Heim zu leben. Sie haben keinen Raum für sich, was auch bedeutet, dass sie wenig Möglichkeit haben, für die Schule zu lernen. Das heißt, die Wohnbedingungen im Heim machen die Zukunft unserer Kinder kaputt. Sie werden schneller erwachsen als andere Kinder, da sie auf engstem Raum mit Erwachsenen, ihre Eltern zusammenwohnen müssen, und in den Heimen zusätzlich die Gewalt durch die Abschiebung ihrer Nachbarn direkt erleben. Die Abschiebung droht permanent und hat immensen Einfluss auf die Psyche unserer Kinder. Durch die Kontrollen der Hausmeister und ihre Anwesenheit fühlen sie sich in jungen Altern bereits wie im Gefängnis.

Die Gebühr pro Quadratmeter beträgt in den Unterkünften 17,43 €. … Zum Beispiel wird im Flüchtlingsheim für eine Familie mit zwei Kindern für zwei kleine Zimmer 1.200,-€ Miete bezahlt. Dieselbe Wohnung würde normalerweise höchstens 300,-€ kosten.
Eine Unterbringung in normalen Wohnungen wäre gar kein Problem, weil in Remscheid tausende Wohnungen leerstehen [1].

Bei defekten Elektrogeräten in der Küche, bei defektem Licht oder gebrochenen Türen, so z.B. nach dem rechtswidrigen Polizeiüberfall in Oktober 2007 [2], lassen die Hausmeister, Angestellte des BAFs [zuständiger städtischer Verein, der die Sozialarbeit übernehmen soll, Anm der Red.], jegliche Aktivität vermissen.

Wir sind kein Bittsteller, sondern einfach Menschen mit vielen verschiedenen Fähigkeiten, Erfahrungen und Wissen.

Wenn man uns ließe, hätten wir der Stadt Remscheid viel zu geben.

Gesamter Brief als pdf (mit Unterschriftenliste!) HIER.

via thecaravan.org

letter and entry in English HERE

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