Deutsche brauchen eine Sprachschule … sofern sie nicht weiß sind

… zumindest suggeriert das das die “Deutschlandstiftung Integration” auf http://www.ich-spreche-deutsch.de .

Und nebenbei noch ein paar fragwürdige Dinge mehr.

Warum ist Edmund Stoiber nicht auf dieser Homepage?

Ein weiteres Beispiel dafür, dass das Wort “Migrationshintergrund” -so wie es angewendet wird- Rassifizierung zur Folge hat und im Integrationsdiskurs auf vielen Ebenen mehr in hegemonialer Tradition vor sich hin assoziiert als logisch und demokratisch gedacht wird.

Deutsche PoC als Aufhänger für Sprachdefizite: voilá 2010.

Kontakt zu der durchführenden “Deutschlandstiftung Integration” (gerne info@derbraunemob.de in cc setzen):

info@deutschlandstiftung.net

(Es empfiehlt sich für solche Korrespondenz unbedingt der Zusatz:
“Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.”)

14 replies
  1. Kathrin
    Kathrin says:

    Ist das krass. Das sind ja (soweit ich das überblicke) zu einem großen Teil Leute, die deutsch-Muttersprachler sind… Dass sich die Leute für sowas hergeben.

  2. Ayla
    Ayla says:

    der integrationsdiskurs und die damit verbundende deutsche sprache ist ein abgekauter kaugummi in der so genannten integrationsdebatte:: alleine der name”deutschlandstiftung integration” gehört verboten::indem immer wieder “andere” produziert werden, ist das wort integration einzig und allein eine mauer, deren ziel exklusion ist:: ich kanns bei jedem kommentar nur wiederholen; ich bewundere den langen atem von frau noah sow:: mich kotzt diese rassistische scheisse in diesem land einfach nur an:: immer wieder stellung beziehen zu müssen, weil die hegemoniale weisse mehrheitsgesellschaft es sich zur aufgabe gemacht uns zu “integrieren”. ausserdem kommt kein migrant in die brd rein, ohne einen sprachkurs im herkunftsland absolviert zu haben:: und hier angekommen, ist erst mal ein integrationskurs mit sprachkurs fällig::also wofür so eine aktion; bei der menschen aus öffentlichkeit und medien pate stehen:: dass man ohne deutsch in diesem lland nicht weiter kommt, alleine schon um seine rechte zu vetreten; ist klar:: aber zu suggerieren, dass deutsch zu sprechen gleich erfolgreich sein bedeutet, ist doch ne lachnummer::wie der link verdeutlicht::

    http://www.oecd.org/document/63/0,3343,de_34968570_35008930_43880255_1_1_1_1,00.html

  3. Adora
    Adora says:

    @Ayla

    Das Problem ist doch, dass man es jahrzehntelang versäumt hat, überhaupt Sprachkurse einzufordern. Außerdem gilt die Pflicht, im Heimatland schon die Sprachkenntnisse zu erwerben nur für Leute aus Ländern, die in Deutschland visapflichtig sind. Und ja: Es ergibt nur Probleme, wenn man in einem Land lebt, dessen Sprache man nicht spricht.

  4. redaktion
    redaktion says:

    @Kommentierende:
    Es geht im Eintrag nicht um die Notwendigkeit von verordneten Sprachkursen, sondern darum, dass deutsche PoC als Symbol für “hat einen Sprachkurs nötig” benutzt werden.

  5. Beas
    Beas says:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    gut gemeint ist leider nicht immer gut gemacht.
    Mich stört an Ihrer Kampagne (Website “Ich-spreche-deutsch.de”) erheblich, dass nur PoC (People of Colour) auf Ihrer Website zu sehen sind, und nicht etwa auch WEISSE. Warum brauchen denn immer angeblich die “sichtbar anderen” einen Deutschkurs?
    Und warum müssen sich die “integrieren”, die meist sowieso von Geburt an Deutsche sind? – Ach ja, ich vergaß, die Hautfarbe ist eine andere als weiss, also kann dieser Mensch kein Deutscher sein und/oder muß zwangsläufig Probleme mit der deutschen Sprache haben!!!

    Eine solche Kampagne!
    Im Jahr 2010!
    Schade!
    Traurig!

    So weit ich weiß sprechen die Menschen, die Sie für Ihre Kampagne gewinnen konnten, alle akzentfrei deutsch (und in manchen Fällen weitere Sprachen ebenso akzentfrei) und so geht es allen deutschen PoC.
    Ich hoffe Ihnen ist klar, dass sie durch Ihre Kampagne nur jene in Ihrer Meinung bestätigen, die glauben, dass Pigmente das Sprachzentrum im Gehirn negativ beeinflussen und bei dem intelligenteren Klientel einen Brechreiz provozieren, die Ihre vielgepriesene (oder ist es eine in Wahrheit eine viel gefürchtete) “Integration” schon seit jeher und selbstverständlich leben.

    Abschliessend gebe ich Ihnen einen Ideenanstoß zur nächsten Kampagne – wenn Sie möchten, nehmen Sie ihn gerne an – :

    Deutsch kommt in allen Farben daher!
    Ist so!
    Kann man nix gegen machen…

    mit schalen Grüßen,
    Beas

  6. Mel
    Mel says:

    Das Ganze hat ja noch eine hintergründigere Dimension.

    Nicht nur, dass – wieder einmal – an sichtbaren körperlichen Merkmalen festgemacht wird, wer Deutsch sein kann und wer nicht (statt an der Staatsbürgerschaft, die man eben nicht an ethnischen Markern ausmachen kann).

    Nicht nur, dass – wieder einmal – ganz eindeutig suggeriert wird, dass PoC offenbar NICHT deutscher Herkunft und deutscher Kultur sein können.

    Nicht nur also, dass diese Kampagne rassistisch ist:

    Hier offenbart sich wieder einmal, dass das offizielle Deutschland unter Integration – immer noch – einen einseitigen Prozess versteht. Es sind immer DIE, die sich einzuordnen haben. Und wer schon nicht *weiß* werden kann, der soll gefälligst Deutsch lernen. (Umkehrschluss: wer nicht *weiß* ist, kann ja kein/e deutsche/r Muttersprachler/in sein.)

    Dass Integration immer auch heißt, dass die ANDERE Seite, die Mehrheitskultur, sich ändern, sich öffnen muss: das habe ich in noch keiner sogenannten Integrationskampagne gelesen.

    (Ich lebe übrigens in Berlin und damit in einer Stadt, in der die Menschen sich quer über die Straßen zuschreien: “Watt iss jetzte mit die Bilders?” Ich hoffe, die können wir auch noch integrieren und ihnen einen Sprachkurs verpassen!)

    Lasst uns also mal deutschen Klartext reden: diese Kampagne offenbart die sogenannte Integrationspolitik als rassistische Assimilationspolitik.

  7. Nebelleuchte
    Nebelleuchte says:

    also meines verständnisses nach soll es bei der ganzen aktion angeblich um INTEGRATION gehen. warum wird denn dann nicht mal damit angefangen alle menschen, die in deutschland geboren sind/werden als deutsche zu behandeln?!? ungeachtet der herkunft der eltern. (das heißt für mich praktisch umgesetzt: die papiere und damit einhergehenden RECHTE/pflichten, sowie das einstellen (abstellen) von dem imaginären “natürlichen anrecht” auf eine rechtfertigung des gegenübers bezüglich ihrer/seiner erscheinung, das mit dem einstigen, stereotypischen bild nicht übereinstimmt und somit die “pflicht” eines jeden mit diesen postkolonialen stereotypen aufzuräumen!

    DAMIT kämen wir, meiner meinung nach, der angeblich gewünschten integration doch gleich wesentlich näher, oder wie seht ihr das?

    ich kann mich mel nur anschließen: viele muttersprachler, sind sehr gut in die gesellschaft integriert sind, obwohl sie sich sprachlich so anhören, als wären sie erst vor kurzem zu uns gestoßen (darunter z. b. auch viele politiker)! es ist offensichtlich, dass diese leute – also keine PoC oder mit UNechtem migrationshintergrund – sich noch um einige level steigern könnten. andere warten/hoffen dafür jedoch, trotz ihrer fehlerfreien – sagen wir ‘mal “sprachkenntnisse”, vergeblich darauf, mit diesen tadellosen sprachkenntnissen in der gesellschaft akzeptiert und integriert zu werden!

  8. Nebelleuchte
    Nebelleuchte says:

    Frage(n) @ Adora..

    Kritisierst du das nicht? Ich verstehe, dass du es zwar befürwortest, dich dem aber dennoch nicht explizit anschließt?

    Was willst du mit dem folgenden Satz aussagen?
    Außerdem gilt die Pflicht, im Heimatland schon die Sprachkenntnisse zu erwerben nur für Leute aus Ländern, die in Deutschland (/Europa) visapflichtig sind.

    Für mich hört sich das recht “willkürlich” an und so als würde das wieder für eine “abbildung mit nicht weißen europäern” sprechen, nach dem motto: die und wir – alle weiße sprechen eine sprache, verstehen sich, haben ein niveau,..

    :S

  9. cinnamel
    cinnamel says:

    Mir ist die Kampagne auch schon unangenehm aufgefallen und ich hatte dass auch an die Organisation gemailt, um meine Bedenken und Perspektive weiterzugeben:

    Warum sind nirgends Weiße in dieser Strecke integriert? Die können natürlich automatisch Deutsch. Also wirklich, als ob es nicht genügend Immigranten aus den osteuropäischen Staaten oder Russland gäbe.

    Eine Reaktion habe ich natürlich bis heute nicht erhalten – vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit!

  10. Beas
    Beas says:

    @cinnamel:
    Die Deutschlandstiftung Integration ist laut eigener Aussage “im Aufbau befindlich und hat nur wenige Ressourcen, um alle Anfragen zeitnah zu beantworten.”

    Folgende Antwort hat mich zu meinem Kommentar (Beas, 13.05) heute erreicht:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich danke Ihnen für das Feedback zu unserer Kampagne „Raus mit der Sprache. Rein ins Leben“.
    […]
    Für die Kampagne haben wir 16 Motive mit den unterschiedlichsten Models erstellt. Sie können alle Motive unter http://www.deutschlandstiftung.net ansehen und herunterladen. Unsere Absicht ist es ganz und gar nicht, Menschen mit Migrationshintergrund zu stigmatisieren oder in irgendeiner Art und Weise zu unterstellen sie beherrschten die deutsche Sprache nicht. Ganz im Gegenteil: Alle Models, die sich an der Kampagne beteiligten, sprechen hervorragend Deutsch. Die Models stehen dafür, dass man in Deutschland gut Deutsch sprechen muss, um die bestehenden Bildungsmöglichkeiten wahrnehmen und erfolgreich am Arbeitsmarkt teilhaben zu können. Die Models sollen auch als Vorbilder dienen, mit denen sich vor allem Jugendliche identifizieren können. Die Kampagne richtet sich sowohl an Menschen mit Migrationshintergrund als auch an „Ur-Deutsche“. Denn wir möchten auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass wer ausländisch aussieht, kein Deutsch spricht und hier nur Gast auf Zeit ist. Deutschland ist ein Einwanderungsland. 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind keine Randgruppe sondern gehören zur Mitte der Gesellschaft. Leider gibt es oft noch Vorurteile in der Aufnahmegesellschaft, die hinderlich für erfolgreiche Integration sind.

    Integration und das friedliche und prosperierende Miteinander in einer Gesellschaft hängt von vielen Faktoren ab. Wir als Stiftung der Medien, können nur einen begrenzten Beitrag dazu leisten. Die Sprache ist die Kernkompetenz der Zeitschriften und Zeitungen. Hier können wir einen Beitrag leisten.

    Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und verbleibe mit freundlichen Grüßen

    Ferry Pausch
    Geschäftsführer

    Deutschlandstiftung Integration
    Haus der Presse
    Markgrafenstraße 15
    10969 Berlin

  11. Sandra
    Sandra says:

    @Beas : mal wieder typisch grundsätzlich abgewimmelt und sich darauf berufen dass man es “gut meint”, statt sich mit der Wirkung der Kampagne auseinandergesetzt und mit der Kritik. Man sollte denen mal auf ihre Antwort antworten :)

  12. Sandra
    Sandra says:

    das erinnert mich übrigens an die Antworten der Grünen NRW nach ihrer rassistischen Kampagne. “weil wir das gut gemeint haben brauchen wir uns mit deiner Kritik gar nicht auseinanderzusetzen” , total arrogant und frech.

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