Stimme nutzen führt zum Erfolg II – Spiegel Online & Mr. T.

Hiermit wird “Stimme nutzen führt zum Erfolg” zur Serie.

Auf eine Leserzuschrift hin hat die Redaktion von Spiegel Online am 11. August die koloniale (und in dem Kontext überflüssige) Bezeichnung “Farbiger” (für Mr. T. ; )  in einem Artikel durch eine diskriminierungsfreie Bezeichnung ersetzt.

Anscheinend wurde der Artikel in “Etappen” geändert. Zuerst verschwand nach Auskunft des intervenierenden Lesers innerhalb von einer Stunde der “Farbige” und Mr. T wurde zum “Schwarzen” (ergo weiterhin ohne Sachbezug als einziger Schauspieler im Artikel rassifiziert).

Dies wurde später wiederum erneut geändert (Anlass unbekannt; Reflexion wird vermutet) und in der momentanen Form des Artikels ist Mr. T. erfreulicherweise einfach “ein Kerl”.

Feedback abgeben und Mails oder Briefe schreiben ist also nachweislich nicht “umsonst” (allerdings gratis machbar : ) – von seriösen Redaktionen wird Feedback auch besprochen und berücksichtigt.

Archiv: “Stimme nutzen führt zum Erfolg I” – Tagesschau.de

Und hier die erfolgreiche Leserzuschrift im ‘Fall’ Spiegel Online & Mr. T.:

Zusendung von T.: [Name der Red. bekannt]

Sehr geehrter Herr Ditz,
sehr geehrte Frau Lutteroth,
sehr geehrte Damen und Herren,

als ich in Ihrer Spiegel Online-Rubrik “einestages” die Überschrift zu Ihrem Artikel “Serienstars der Achtziger” las war ich zunächst begeistert, weil ich viele Erinnerungen damit verbinde. Allerdings wurde meine Begeisterung über das Titelthema gleich im ersten Abschnitt gedämpft. Ihr Autor Herr Kringiel leitet das Thema mit einem sehr bildhaften Beschreibung einer Filmszene ein, in der ein “muskelbepackter Farbiger” mit einem Auto eine Absperrung durchbricht.

Für mich stellt sich hier einmal wieder die Frage welche Relevanz die Hautfarbe des Fahrers beim Durchbrechen dieser Absperrung hat, sodass diese extra hervorgehoben werden muss? Offenbar ist es hierzulande immer noch etwas Besonderes wenn ein “Farbiger” eine Absperrung durchbricht, denn bei allen anderen vermeintlich “weißen” Protagonisten verzichten Sie ja schließlich darauf deren Hautfarbe zu benennen.

Die Sonderbehandlung von Schwarzen und die Benennung der Hautfarbe, ohne dass diese dem Leser einen inhaltlicher Mehrwert bietet ist in Deutschland eine leider weit verbreitete journalistische Praxis, die mir insbesondere auf Spiegel Online immer wieder negativ auffällt.

Weiterhin muss ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei der Begrifflichkeit “Farbige(r)” klar um einen diskriminierenden Ausdruck handelt. Schwarze Menschen möchten auch als solche, nämlich als Schwarze bezeichnet werden und nicht mit für das deutsche Ohr vermeintlich wohlklingenden Euphemismen.

Ich muss Sie daher an Ihre journalistische Verantwortung erinnern und Sie zu einer diskriminierungsfreien Berichterstattung in Ihrem Magazin auffordern.

In dem Sie auf die Verwendung von diskriminierenden Begriffen wie “Farbige(r)” verzichten, können Sie sogar aktiv zur Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus beitragen. Ergreifen Sie diese Chance und bieten Sie Alltagsrassismus keine Plattform.

Im Anhang dieser E-Mail finden Sie dazu ein Infoblatt des “der braune Mob e.V.”  zum Thema: Diskriminierungsfreie Sprache und warum es keine “Farbigen” gibt.
Ich bitte Sie die darin enthaltenen Informationen für Journalisten
zu verinnerlichen und bei der Veröffentlichung zukünftiger Artikel zu berücksichtigen, damit auch Schwarze Menschen Ihre Artikel lesen können ohne dabei über diskriminierende Inhalte stolpern zu müssen.

Bitte beachten Sie, dass dieser Schriftwechsel von mir öffentlich geführt wird und ich mein Schreiben sowie Ihre Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.

In Hoffnung auf zukünftige Verbesserungen

T.B.

2 replies
  1. Omar
    Omar says:

    Wetten, dass es einen Spiegel-Redakteur gibt, der sich früher oder später öffentlich über die “Sprachpolizei” Luft verschaffen wird? Wenn so einer wie Broder den Fall mitverfolgt hat, dann wird das eher früher sein…

  2. Tine
    Tine says:

    na und? das machen die doch schon die ganze zeit, welchen <erkenntnisgewinn sollen wir daraus jetzt haben? ist doch super dass es auch leute gibt, die nicht reaktionär sind und wirklich gleichbehandlung wollen.

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