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AStA der Uni Hamburg präsentiert sich in Imagefilm mit white supremacy

Neu vom 5.2.2011: Links zu Berichten und Videos von der Filmvorführung sind in den Kommentaren zu diesem Artikel zu finden.
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Quelle: Asta Hamburg

„Der Morgen dämmert über dem Hamburger Univiertel – seine Bewohner schlafen natürlich noch. Nur im prächtigen Kuppelsaal des historischen Hauptgebäudes regt sich was: farbenprächtig gewandete afrikanische Reinigungskräfte gehen gospelnd ihrer Arbeit nach – und wehren sich dabei routiniert gegen den Versuch einiger Kommilitonen, ihre Flyer auf der soeben gewischten Bestuhlung auszulegen.“

so der Einladungstext des AStA wörtlich, verbreitet per Flyer, Newsletter und auf der Homepage (Der Text auf der Homepage wurde inzwischen verändert).

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hwp-netz.de , Das Portal der Studierenden der (ex) HWP, schreibt:

Um sich hiervon zu distanzieren, erklärte der FSR Geographie im Namen der Studierenden: „Wir distanzieren uns vom Image-Film ‘Inside AStA’ und insbesondere der damit im Zusammenhang stehenden Mitteilung auf der Homepage des AStA. Wir können nicht nachvollziehen, wie die Darstellung von stereotypen und rassistischen Ansichten eine Image-Kampagne des noch amtierenden Asta sein kann. Außerdem fordern wir die die Offenlegung der Finanzierung.“
Statt auf die öffentliche Kritik des Fachschaftsrates Geographie einzugehen, beschimpfte der AStA-Kulturbeauftragte Timo Hempel (Juso-HSG) die Studierenden als „Linksextremisten“.

Laut Indymedia soll die Erstellung des Films angeblich etwa 10.000 € aus Studierendengebühren gekostet haben, dies konnte aber noch aus keiner anderen Quelle verifiziert werden. Dort wird auch über eine weitere überraschende Entscheidung des ASta der Uni Hamburg berichtet: gegen eine solidarisierung mit “Dresden nazifrei”.

Die AStA-Vorsitzende Aida Golghazi (Wiwi-Liste) ist in der Nacht zum 28. Januar überraschend zurück getreten.

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Eine weitere Studierendengruppe aus Hamburg ruft auf:

Am Donnerstag, den 3. Februar soll der Film im Abaton gezeigt werden. Kommt mit uns ins Abaton und unterstützt uns dabei, wenn wir darauf aufmerksam machen, was mit diesem Film nicht stimmt.

There are 31 comments. Add Yours.

"weitere Studierendengruppe aus Hamburg"

Wir haben gerade mit dem Programmdirekto des Abatons gesprochen er zeigt sich in keinster Weise einsichtig und entzieht sich jeglicher Verantwortung, die das Abaton ja auch trägt, in dem es den Film zeigt. Deswegen ist es umso notwendiger auf diese Form von Reproduktion von Rassimus und Sexismus aufmerksam zu machen und ins Abaton zu gehen am Donnerstag d 3.2. und unseren Unmut darüber kundzutun.

King —

Ganz übel!

Also das ist ja fast schon eine “Leistung” in einem solch kurzen Einladungstext so viele rassistische Klischees zu verpacken :-(

Für die Verantwortlichen für diesen rassistischen “Imagefilm” sollte es schnellstmöglich harte Konsequenzen geben, insbesondere auch im Hinblick dessen, dass ja angeblich 10.000 Euro für diesen so genannten “Imagefilm” ausgegeben worden sein sollen.

Das die AStA-Vorsitzende zurückgetreten ist, ist schonmal gut und ein Anfang aber alle anderen Verantwortlichen müssen folgen und der “Imagefilm” gehört schlichtweg auf den Müll.

Ich kann nur appellieren, dass so viele Studierende wie möglich sich dagegen engagieren, denn Rassismus hat nirgendwo Platz!

0xAFFE

Diese Reaktion des JUSO-Typen ist ja mal wieder super! Die Glocke klingelt und es schiest Linksextremist raus. Tolll gemacht liebe Jusos.

Chrizzo

Es wurde auch schon ein Flyer entworfen, der sich mit diesem Kurzfilm auseindersetzt.

“Rassismus im „Imagefilm“ des AStA der Uni Hamburg – oder alles bloß „Satire“? Wie versucht wird, die berechtigte Kritik am Abrufen rassistischer Stereotype zu diskreditieren”
Zu lesen auf: http://tinyurl.com/6gvtkhh

Es werden alle Studierenden aufgerufen, die diese rassistsiche Moppelkotze nicht mittragen wollen, am Donnerstag, den 3. Februar zur Premiere des Films um 19:00 Uhr ins Abaton-Kino am Allende-Platz zu kommen, um lautstark und vehement zu protestieren!
Wir treffen uns um 18:30 Uhr vor dem Abaton.

StudentinHH —

Ich komme gerade von der Vorführung dieses Machwerks. Es übertraf leider alle Befürchtungen. Ich kann nicht sagen, was schlimmer war, der Film in all seiner Entsetzlichkeit (ich kann da momentan keine Details wiedergeben, ich bin noch zu geschockt – vielleicht will das jemand anderes übernehmen?) oder die absolute Ignoranz und Arroganz von seiten der Verantwortlichen, allen voran der “Kulturbeauftragte” des AStA. Seine Unbelehrbarkeit spricht Bände. Nachdem er mehrfach von “Farbigen” gesprochen hatte, wurde er von diversen Studierenden, allen voran vom Black Students Network der Uni Hamburg, dazu aufgefordert, dies nicht zu tun, sonder von Schwarzen Menschen zu sprechen. Dies ignorierte er in der Folge. Er benutzte sogar die Wendung:”Wie auch immer ihr genannt werden wollt”. Aber das war noch nicht alles. Gleichzeitig instrumentalisierte er eine der Schwarzen Darstellerinnen dahingehend, dass sie ihre persönliche Meinung kund tun sollte (nämlich, dass sie sich nicht diskriminiert gefühlt habe). Was soll das? Hätte er sie auch zu Wort kommen lassen, wenn alle Anwesenden seinen Film fraglos abgefeiert hätten? Ich glaube nein. Aber so hatte er ja eine vermeintlich authentische Sichtweise parat, um seine Ignoranz zu entschuldigen. A propos: Entschuldigt hat er sich natürlich nicht, obwohl dies (und sein Rücktritt) vorab vom Black Student Network in deren Infoflyer gefordert worden war.
Gleichzeitig wurde den protestierenden Studierenden vorgeworfen, Zensur zu betreiben, obwohl sie den Film noch nicht gesehen haben. Auf die Frage hin, warum denn dann dem Antrag auf eine Vorab-Sichtung im Studierendenparlament nicht nachgekommen wurde, sagte er, dass die Menschen in seinem Umfeld ihm bescheinigt hätten, dass die satirische Absicht des Films gut erkennbar gewesen sei. Ach so! Na, wenn das so ist!
Am schlimmsten, wenn das denn überhaupt möglich ist, war die Ankündigung, dass der Film in ALLEN Orientierungsverantstaltungen der Uni Hamburg den Erstsemestern gezeigt werden soll! Was sollen die den von diesem “Willkommensgruß” halten? Fühlt mensch sich dann in irgendeiner Weise erwünscht an dieser Uni? Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass diese Zumutung jemals wieder arglosen Menschen vor die Nase gesetzt wird. Allerhöchstens könnte der Film noch zur Aufklärung über weißes Herrschaftsdenken und Ignoranz dienen, aber dann bitte im entsprechenden Kontext.
Die Uni besteht eben nicht nur aus privilegierten weißen Juso-Wähler_innen! Welches Weltbild haben die Verantwortlichen eigentlich? Warum ist es für den Kulturbeauftragten so schwer, sich zu entschuldigen, selbst wenn er nicht versteht, was gemeint ist? Wenn gesagt wird, dieser Film hat mich und viele andere Studierende beleidigt und verletzt, wieso kann er dann nicht die Größe haben zu sagen, ok, es tut mir leid, da haben wir anscheinend Mist gebaut, lasst uns gemeinsam konstruktiv daran arbeiten, dass dies nicht mehr passieren kann. Statt dessen nur Ignoranz. Das ist ein menschliches und politisches Armutszeugnis.
Ich hoffe, dass all diejenigen, die jetzt genauso wütend wie ich nach Hause gegangen sind, ihre Wut in gezielte Aktionen gegen den Film und den AStA richten, anstatt vor lauter Fassungslosigkeit zu resignieren. So ein Vorgehen darf einfach nicht unwidersprochen bleiben!

Chrizzo

Es ist ein Zeichen unglaublicher Ignoranz, wenn bei der Premiere des Films u.a. Kommiliton_innen, des „Black Students Network“, sich öffentlich äußern, dass sie sich von der Darstellung des Films diskriminiert und herabgewürdigt fühlen, der für den Film verantwortliche ‚weiße‘ AStA-Referent dies zwar als „legitim“ bezeichnet, in seinen gesamten Ausführungen dazu jedoch nicht ein einziges Mal eingeht.

Diese Haltung – die sich durch das Leugnen und Minimieren von rassistischen Diskriminierungserfahrungen in Kombination mit einer Umkehrung der Verantwortung an die Opfer auszeichnet – nennt Claus Melter „sekundären Rassismus“. „Beim sekundären Rassismus werden – ebenso wie beim sekundären Antisemitismus – offene Abwertungen vermieden und es wird keine Verantwortung für strukturelle, institutionelle, durch Individuen oder Gruppen ausgeübte sowie diskursive Diskriminierung übernommen. Das Ausmaß von Alltagsrassismus und die Bedeutung von Rassismuserfahrungen werden geleugnet oder infrage gestellt. Die SprecherInnen fühlen sich durch das Thema Rassismus indirekt oder direkt belästigt, sie setzen sich nicht aktiv mit ihm auseinander oder fühlen sich selbst angegriffen“ (Melter, 2007). Es kommt zu einer Täter_innen- Opfer_innen-Umkehrung in dem nicht die betroffenen Personen, als Opfer gesehen werden, sondern die Mehrheitsangehörigen und Institutionen, denen vermeintlich übertriebene Rassismusvorwürfe gemacht werden.

Aus den wenigen verfügbaren Stellungnahmen des AStA zu der Kritik am Image-Film wird jedenfalls deutlich, dass komplett verkannt wird, dass Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Ungleichheitsverhältnis ist, dessen Existenz 1. NICHT davon abhängt, dass es von ‚Weißen‘ bewusst vertreten und propagiert wird und 2. auch in seiner Unkenntnis aktiv reproduziert werden kann.

Monty —

Dokumentation der Premiere des AStA-Image-Films “Inside AStA” am 03.02.2011 im Abaton

teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=7IdDQy5LyvI
teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=VWiUdUz14Dk
teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=SJKYkWNsg7Y

Aktive Studierende der HWP

Studierende erschreckt von Rassismen und Sexismen im AStA-Film.

Am Donnerstag, den 03.02.2011 fand um 19 Uhr im Abaton Kino die Premiere des AStA-Imagefilms „Inside AStA“ statt. Bereits der Ankündigungstext zum Film stieß bei den Studierenden der Universität Hamburg auf heftige Kritik. Schwarze Studierende, Hochschulpolitische Gruppen und Fachschaftsräte veröffentlichten Kritiken an den rassistischen Klischees im Einladungstext sowie den vorveröffentlichen Bildern.

Die Befürchtungen werden durch den gezeigten Kurzfilm noch übertroffen. Die Mehrheit der Zuschauer_innen ist während und nach der Vorstellung sichtlich entsetzt und empört. (Weiterlesen: http://www.hwp-netz.de/studierende-erschreckt-von-rassismen-und-sexismen-im-asta-film )

Wir als Studierende sind nicht damit einverstanden, dass mit unseren Geldern solche diskriminierenden Inhalte finanziert und verbreitet werden. Die Studierenden des Abendplenums kündigen im Bewusstsein der besonderen Verantwortung aus der Universitätsgeschichte heraus an, gemeinsam mit den diskriminierten Kommilitonen_innen gegen diesen Rassismus und allen weiteren Diskriminierungen anzugehen. Wir streiten für eine emanzipatorische Entwicklung für alle Menschen.

Abendplenum vom 03.02.2011 um ca. 22:30 Uhr an der Universität Hamburg.

Aktive Studierende der HWP

Der AStA und die Ignoranz gegenüber eigenen Rassismen in einem misslungenen „Image-Film“

Dass es heute nicht mehr en vogue ist, politisch korrekt zu sein – bedauerlich genug – ist eine Sache. Dass es aber möglich ist, aus einem Unigremium heraus die plattesten rassistischen, (hetero-)sexistischen und klassistischen Stereotype in einem Image-Film zu verbraten, ist schlichtweg ein ungeheuerlicher Skandal.

Der Film “Inside AStA” und die Positionen, die AStA Vertreter_innen dazu einnehmen, treibt die traurige Realität des gesellschaftlichen Alltagsrassismus auf die Spitze.

Der Inhalt dieses Films ist nichts als Diffamierung. Weiterlesen und Quelle: http://agqueerstudies.de/der-asta-und-die-ignoranz-gegenuber-eigenen-rassismen-in-einem-misslungenen-%E2%80%9Eimage-film%E2%80%9C/

Dan —

Da der AStA anscheinend die YouTube links zensieren lassen hat (während ich grade dabei war den zweiten Teil zugucken) wollte ich mal schauen ob jemand die nochmal woanders hochladen könnte… Wäre echt super da ich mir gerne ein eigenes Bild der Sache bilden würde…

Norbert Finzsch —

Dumm, dreist, unbelehrbar und aufklärungsresistent. Aber was will man erwarten an einer Uni, deren historische Seminarbibliothek noch in den neunziger Jahren die Kategorisierung “Frauen, Neger und andere Minderheiten” bei der Vergabe von Signaturen verwendete?

Leserin von wochenendseminar.blogsport.de/

Protest im Abaton Kino

Wir sind froh, dass etwa 150 Studierende und Demonstranten ins Abaton Kino gekommen sind, um sich gegen den rassistischen Imagefilm des Asta auszusprechen. (…)

Nachdem uns der Programmdirektor des Abatons Matthias Elwardt verboten hat, im Kinosaal vor Filmbeginn den Film zu kommentieren, mussten wir uns dieses Recht nehmen, da bereits die Pressemitteilung des Asta zu dem Film und die Fotos dazu eindeutig rassistisch sind.

Fazit des Abends: Der Asta und sein „Kulturbeauftragter“ Timo Hempel zeigen sich uneinsichtig, weisen Vorwürfe des Rassismus zurück. (…)

Ganzer Eintrag:
http://wochenendseminar.blogsport.de/2011/02/04/protest-im-abaton-kino-2/

Leserin von http://agqueerstudies.de/uber-die-ag-queer-studies/

Die AG Queer Studies (Uni Hamburg) lässt nicht locker! nächstes Treffen dazu am 14.02. um 18 Uhr!

” Es gibt Neuigkeiten: YouTube hat aus „Urheberrechtlichen Gründen“ das Video von der Filmpremiere herausgenommen. Man kann sich die Videos (zur Zeit) nicht mehr angucken!!
Hahahah da versucht wohl der Asta durch Zensur bzw. durch formal-rechtliche Schritte die eigene rassistische Moppelkotze zu vertuschen….! Echt Peinlich!!!! (Bitte verbreitet diese „frohe Botschaft“)
Es wird bestimmt Leute geben die die Videos bald wieder online stellen werden…..!

ANTIRASSISMUS LÄSST SICH NICHT ZENSIERN!!!

Außerdem scheint der AStA zu denken, dass sich der Protest schon wieder gelegt hat. Dem ist aber nicht so!
Wir hatten heute ein sehr produktives Treffen und halten euch über baldige Aktionen auf dem Laufenden. Wer noch dazu kommen möchte, kann gerne nächsten Montag (14.02.) wieder um 18 Uhr im Subkultur Paranoia (VMP8, K57) dabei sein. ” (…)

Ganzer Eintrag:
http://agqueerstudies.de/der-asta-und-die-ignoranz-gegenuber-eigenen-rassismen-in-einem-misslungenen-„image-film“/

Stupanews

Stupanews nennt weitere Online-Ressourcen über die die Dokumentation der Premiere des AStA-Image-Films verfügbar ist:

Youtube:
* Dokumentation der Diskussion VOR Beginn des AStA-Image-Films „Inside AStA“: http://www.youtube.com/watch?v=Zyj1bAsGkqI
* Dokumentation der Diskussion NACH dem AStA-Image-Film (TEIL 1): http://www.youtube.com/watch?v=tGqd5NrQsK8
* Dokumentation der Diskussion NACH dem AStA-Image-Film (TEIL 2): http://www.youtube.com/watch?v=v87ywKMf4QQ

Veoh:
* Mitschnitt des Image-Films anlässlich der Premiere am 03.02.2011 im Abaton: http://www.veoh.com/browse/videos/category/activism_non_profit/watch/v20777592NcBPx927

Vimeo:
* Mitschnitt des Image-Films bei der Premiere am 03.02.2011 im Abaton: http://vimeo.com/19707944

Rapidshare:
* zip-Archiv mit allen drei Teilen des Mitschnitts, die ursprünglich bei Youtube online waren: http://rapidshare.com/files/446869961/asta_image-film__3_teile_.zip (450 MB).
* nur der Image-Film: http://rapidshare.com/files/446871659/02_image-film.avi (100 MB).

So, wie sich dieser AStA momentan verhält, schadet es sicher nicht, den Film herunterzuladen und an weiteren Stellen zu deponieren…

http://stupanews.wordpress.com/2011/02/08/asta-versucht-sich-als-zensor-dokumentation-der-image-film-premiere-wieder-online/

Eleonora Roldán Medivil

Der totale Hammer – wir von Reclaim Society der Uni Potsdam streben eine Stellungsnahme unseres AStAs hierzu an. Wir verlangen, dass dies deutschlandweit publik gemacht wird und der AStA als auch die Präsident_in der Uni Hamburg in Verantwortung gezogen werden.

Gegen ihre Repression hilft nur unsere Solidarität!

Mit kämpferischer Faust aus Berlin!

martina kamp —

An den
Allgemeinen Studierendenausschuss
der Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
20146 Hamburg

Hamburg, 16.02.2011

Inside AStA? – Outside Academia!

Dieser offene Brief richtet sich vor allem an Timo Hempel, den »Sonderbeauftragten für (Leit-)Kultur« des AStA, sowie an alle – nunmehr nur noch kommissarisch agierenden –Vertreter_innen des AStA UHH, die sich nicht von den Inhalten und den impliziten Intentionen des AStA-Werbefilms „Inside AStA“ distanzieren mögen
Der so genannte Imagefilm „Inside AStA“ hat für »Aufsehen« gesorgt. Ist „Inside AStA“ wirklich nur ein »lustiger«, aber missverstandener Film oder doch vielmehr eine gezielte Provokation, die es Euch ermöglichen soll, Euch als Widerstandskämpfer_innen gegen eine vermeintlich überzogene »political correctness« zu gerieren? Ist die Diskussion um den Film mit Eurem Einwand, zu einer wichtigen Diskussion um Rassismus beigetragen zu haben, nunmehr beendet?

Der bereits vielfach geäußerten Rassismus- und Sexismuskritik an der Darstellung der »afrikanisierten« Reinigungskräfte möchte ich mich zunächst in vollem Umfange anschließen (1). Die unreflektierte und verallgemeinernde Repräsentation von Schwarzen als kulturell determinierte Afrikaner_innen ist in jedem Zusammenhang zu hinterfragen, insbesondere ist sie aber vor dem Hintergrund der Gründungsgeschichte der Hamburger Universität als Kolonialinstitut von besonderer Brisanz. Der von Euch skizzierte Konflikt zwischen körperlich arbeitenden Schwarzen und intellektuell tätigen Weißen verlängert den Kolonialdiskurs in den gegenwärtig geführten Diskurs über »kulturgenetische« Überlegenheit à la Sarrazin. Auf diesen Punkt ist Eure Entgegnung bisher nicht eingegangen. Die Verantwortung zur Überwindung von Rassismus obliegt der Gesellschaft, also uns allen. Das Bewusstsein darum, welche Bilder Stereotype produzieren und Machtverhältnisse zementieren kann nicht darauf beschränkt sein, dass sich diejenigen, die von diesen Stereotypen betroffen sind, erst zur Wehr setzen müssen.

Zunächst einmal: Habt Ihr vom AStA eigentlich jemals versucht, Kontakt zum Reinigungspersonal der Universität aufzunehmen oder Euch in die Lage dieser Menschen zu versetzen? Ihr erkennt sie übrigens an ihrer trostlosen Arbeitskleidung, die sie als Angehörige einer unteren Statusgruppe stigmatisiert. In der Zeit, in der ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität tätig war, habe ich mehrmals vergeblich versucht, ihnen gegenüber meine Wertschätzung für ihre Arbeit auszudrücken. Sie scheuten allerdings den Kontakt, versuchten ohnehin möglichst unsichtbar zu bleiben und keinen Anlass für befürchtete Beschwerden zu geben. Wer sich mit struktureller Gewalt auseinandergesetzt hat, versteht, warum sie Euch wohl niemals (obschon verdientermaßen) den Wischmob um die Ohren hauen würden. Sie auf diese Weise zu porträtieren – sie darüber hinaus zu Euren Gegenspielerinnen zu stilisieren – ist nicht mehr als ein widerlicher Tritt nach unten. Es wird in unserer Gesellschaft heutzutage viel über »Leistung« schwadroniert und ich bin überzeugt, Ihr haltet Euch schon jetzt für die »Leistungsträger_innen« dieser Gesellschaft. Aber seid sicher, ohne die Leistungen subordinierter Menschen könntet Ihr Eure weißen, privilegierten Hintern ganz sicher nicht auf die Universitätsbank drücken.

Doch darf die Kritik an dem Film nicht allein auf einen Rassismusvorwurf beschränkt bleiben, denn das Werk zeichnet sich schließlich durch eine Aneinanderreihung von Stereotypen aus. Erst die Auseinandersetzung mit dem gesamten Film sowie der um ihn geführten Diskussion offenbart den normativen Charakter und Euer neoliberales Weltbild. Mit dem »Imagefilm« versucht Ihr nicht zuletzt, die Beschneidung von universitären Freiräumen und die angestrebte Transformation der UHH in eine Elite-Universität zu rechtfertigen.

Nach der missglückten Afro-Bollywoodeinlage des Reinigungspersonals zu Beginn des Films wird das Publikum von dem Schauspieler Karl-Heinz von Hassel, der laut AStA-Ankündigungstext „dem alten Tatort-Ermittler Brinkmann zum Verwechseln ähnlich“ sieht „also spontan unser Vertrauen [erweckt]“,(2) zu einem Rundgang eingeladen. Dass wir die »Polizei« auf dem Campus wohl nötig haben, zeigt sich alsbald. Zwar vermag die AStA-Beraterin den artikulationsunfähigen »linken Spinner«, der im Info-Café Plakate aufhängen will, mit Herrenmenschenattitüde in seine Schranken zu verweisen. Doch dann kann der Tatort-Kommissar, wenn auch unbeabsichtigt, einen weiteren »Extremisten« aus dem Kopierraum vertreiben. Mit dem Ausruf „Mist, n’ Bulle!“ verlässt dieser fluchtartig die Szene. Seine Flugblätter mit der sinnentleerten Parole „Amis raus aus Brokdorf“ verweisen deutlich auf eine fehlende Berechtigung seiner politischen Arbeit. Die dabei angeschnittenen Themen, Anti-AKW-Protest und Friedensbewegung im Zuge des NATO-Doppelbeschlusses, erscheinen als Relikt vergangener Zeiten und ohne Zweifel nicht mehr opportun.

Aber auch die in der Beratungssituation befindlichen Studierenden scheinen keine ernstzunehmenden Anliegen zu verfolgen. Eine Studentin kritisiert den verpflichtenden Erwerb eines HVV-Semestertickets mit dem von vorne herein vergeblichen Verweis darauf, dass sie nur wenige Minuten von der Universität entfernt wohne und die Fahrkarte deshalb gar nicht benötige. Ein Pärchen trägt seine Beziehungsstreitigkeiten in die Beratung, kann sich weder für den Kulturkurs »Fahrradselbsthilfe« noch »Akt & Porträt« entscheiden. Ein weiteres Pärchen vergnügt sich im AStA-Materialraum. Im Kinderhort sitzen zwei verantwortungslos rauchende Betreuerinnen, das einzige Kind wurde unbeaufsichtigt zum Holen von Memorykarten geschickt. Niemand scheint hier ernsthaft studieren zu wollen und die Universität ist zu einem Hort der Nebensächlichkeiten verkommen. Am Ende des Filmes trifft der versinnbildlichte »Ordnungshüter« schließlich auf zwei junge Studienanfängerinnen aus der »Provinz«, die des Hochdeutschen offensichtlich nicht mächtig sind – als ob in Hamburch akzentfrei Hochdeutsch gesprochen werden würde – und die er dann untergehakt, einem symbolträchtigen Kaffeetrinken zuführt. Noch bevor sie ihr Studium begonnen haben, erreichen sie ihr offensichtliches Ziel: Sich einen distinguierten Herrn zu angeln! Die traditionelle Arbeit des AStA erscheint in dem Film als überflüssig – lediglich der ebenfalls gezeigte Obdachlose kann von ihrem Müll anscheinend noch »profitieren«. Ganz klar, vor diesem Hintergrund kann die eigentliche Arbeit des AStA getrost vernachlässigt werden! Denn wen sollten hier schon Studiengebühren, die Beschneidung von Frei- und Denkräumen, die Untiefen der Studienreform oder gar die ewige Unterfinanzierung der Universität Hamburg interessieren? Deshalb kann eine sinnvolle Arbeit des AStA wohl nur in einer radikalen Abkehr vom politischen Handeln liegen.

Das, wie zur Entschuldigung angeführt wurde, im Film alle Charaktere gleichsam karikiert werden, greift zu kurz. Eine umfassende Kritik an Eurem Film sollte sich dementsprechend nicht nur auf das beschränken, was Ihr vorgeblich »liebevoll« nachzeichnet, sondern auch die offensichtlichen Leerstellen einbeziehen. Euer »Mikrokosmos Universität« besteht ja nicht zufällig nur aus scheinbaren Außenseiter_innen und »Störenfrieden«. Wo bleiben die Karikaturen etwa von rechten Macho-Burschenschaftlern, den neoliberalen Elitekrieger_innen und Karrierist_innen, aber auch des Präsidiums, von Professor_innen und anderem wissenschaftlichem Personal, Dozent_innen oder dem TVP? Warum bleiben privilegierte Personenkreise von Eurer »Liebe« verschont? Gezeigt werden eben lediglich Menschen, von denen sich »ordentliche« Studierende vermeintlich nur belästigt fühlen können und die – so die implizite Botschaft – an der Universität nichts zu suchen hätten oder, wie im Falle der unentbehrlichen Reinigungskräfte, wohl besser unsichtbar blieben.

Mittlerweile lässt sich der Film ohnehin nicht mehr isoliert betrachten. Ist es doch darüber hinaus Euer Umgang mit den kritischen Reaktionen, der Anlass zu weiterer Kritik gibt. Timo Hempels Auftritt bei der Premiere im Abaton-Kino war an Selbstgefälligkeit kaum zu überbieten. Von einem Reflexionsvermögen war bei diesem Medien- und Kommunikationswissenschaftler nichts zu erkennen (Lernziel verfehlt!). Fragen hat er ignorant übergangen, stattdessen feige eine der schwarzen Darstellerinnen vorgeschoben, als könne diese qua Hautfarbe einen Rassismusvorwurf entkräften. Selbst wenn, bliebe doch eine Klassenarroganz sowie die Verachtung einer gebildeten schwarzen Schauspielerin gegenüber einer vermeintlichen »kulturellen Andersartigkeit« in Betracht zu ziehen.
Die im Abaton von Timo Hempel geäußerte Rechtfertigung, dass es sich bei den Darstellungen des Films um insider-jokes handele, soll wohl bedeuten, dass eine Kritik lediglich von außerhalb der Universität kommen könne – vom »Ausland gesteuert« sozusagen.
Das Ihr anscheinend – inside AStA – hinter verschlossenen Türen über Euch missliebige Personen herzieht, ist schon bezeichnend. Aber Euer Vorhaben, den Film in den Orientierungseinheiten zu zeigen, also einem Publikum präsentiert, welches eben nicht aus Insidern besteht, offenbart vielmehr Eure indoktrinäre Intention.
Dass die bei you tube veröffentlichte Filmaufnahme der Premiere im Abaton von Euch aus »urheberrechtlichen Gründen« zensiert wurde, ist mehr als peinlich – zumal davon nicht nur der Film selbst (Teil 2), sondern auch die Kritiken und die Diskussionen (Teil 1 und 3) davon betroffen waren. Die Begründung, dass die Aufnahmen illegal entstanden sind, erscheint mir fadenscheinig – hättet Ihr sie doch einfach autorisiert, sofern Ihr die darin geäußerten Kritiken nicht fürchtet.

Die auf Eurer Website veröffentlichte Reaktion zu den Vorwürfen zeigt zudem, dass Ihr letztlich wenig von der Kritik verstanden habt, was eben auch mit mangelnder Medienkompetenz zu erklären ist (auch hier Lernziel verfehlt). Ihr mahnt darin einen „zensurfreien Diskurs“ und einen „offenen Dialog ohne vorverurteilende Anschuldigungen“ an und zielt dabei allein auf die Eurer Meinung nach ungerechtfertigte Kritik an dem Film, nicht aber etwa auf Eure Weigerung ihn vor der Premiere dem StuPa zur Verfügung zu stellen, noch auf Eure Zensur der Aufzeichnung im Abaton. Dienen diese Maßnahmen nicht einzig dazu, Kritik zu einer »Vorverurteilung« abstempeln zu können? Das durch die Überspitzung von Vorurteilen der „Film die Absurdität des Gezeigten [kommuniziere] und damit sein differenziertes Gegenteil [beschreibe]“ und Ihr dies durch „filmtheoretische Betrachtung gestützt“ seht, lässt Euch zu dem Schluss kommen, der Film „wurde somit als nicht-rassistisch eingeordnet“ (Seid Ihr die Instanz, die dies abschließend zu beurteilen vermag?). Weiterhin zusammenhangslos und sprachlich unbeholfen reproduziert Ihr dann den Einwurf eines Kommilitonen bei der Premiere indem Ihr schreibt, dass nur die „vorherige Erkenntnis“ Kabarett möglich mache – ich hingegen kann bei Euch noch nicht einmal eine späte Einsicht erkennen. Rassismus einige Zeilen weiter zu einem letztlich subjektiven Phänomen zu erklären und den Betroffenen damit implizit eine »Überempfindlichkeit« zu unterstellen, mag Euch vielleicht trickreich erscheinen, lässt aber die ebenfalls geäußerte Entschuldigung zur Farce verkommen. Dass die Seite mit Eurer Erklärung zwar über einen »Gefällt mir«-Button verfügt, nicht jedoch Gelegenheit bietet, mögliches Missfallen auszudrücken, zeugt überhaupt von einem fragwürdigen Demokratieverständnis.

Die stereotype Behauptung, der Film sei ja bloß eine Satire, vermag einer Kritik nicht ernsthaft entgegen zu treten. Geschenkt: Er sei Satire. Aber jeder Satire, Parodie, Karikatur – wie überhaupt jedweder künstlerischen Äußerung – liegt eine Position, eine Perspektive und ein Interesse zugrunde. Allein die Kritik an Eurem Film undifferenziert als »linksextremistisch« zu diffamieren sagt diesbezüglich schon viel über Eure Positionen und Ziele im AStA der UHH aus. Vor dem Hintergrund der Abschaffung des teilautonomen Frauenreferats wie auch Eurer Solidaritätsverweigerung mit der Initiative Dresden Nazifrei verliert der Film ohnehin eine postulierte »Unschuldigkeit«.

Die von Euch hoch gelobte professionelle Produktion eines Monty Arnold hat Euch nicht mehr und nicht weniger als eine universitäre Neuauflage von »Ups – Die Pannenshow« beschert. Glaubt Ihr wirklich, dass Studierende, die sich von einem Film mit dem Desinformationspotential einer vom beworbenen Produkt entfremdeten Fernsehwerbung angesprochen fühlen, für eine ernsthafte universitätspolitische Arbeit geeignet sind? Solltet Ihr wider Erwarten tatsächlich eine maßgebliche Zahl von Studierenden repräsentieren, so brauchen sich diejenigen, die freie und kritische Wissenschaft aus den Universitäten zugunsten von stromlinienförmigen Scheuklappen-Studierenden zu verbannen suchen, keine Sorgen zu machen. Die Universität Hamburg zersetzt sich dann von alleine – und zwar von unten. Es geht also nicht allein um das Problem des Rassismus in einem unterbelichteten Film, sondern vielmehr um die Frage, wes Geistes Kind die Universität Hamburg zukünftig sein soll.

Es geht mir auf auch keinen Fall darum, den Film „Inside AStA“ einer Zensur zu unterwerfen oder ihn gar in der Versenkung verschwinden zu lassen – im Gegenteil: Auch wenn ich ihn für die Aufführung in Orientierungseinheiten der Erstsemester für ungeeignet halte, möge er doch zukünftigen Generationen von Studierenden in Politik -, Rassismus-, Gender- oder Film- und Kommunikationswissenschaftsseminaren zur kritischen Auseinandersetzung zur Verfügung stehen – selbstverständlich in der ungekürzten Fassung der Premiere im Abaton-Kino!

(1) Eine umfangreiche Dokumentation der Kritiken findet sich auf der Website »StuPa-News« (http://stupanews.wordpress.com/tag/inside-asta/).
(2) http://www.asta-uhh.de/home/home-detail/article/asta-kurzfilm-inside-asta-am-0302-um-1900-uhr-im-abaton-kino.html

Armin Hinz (Mesoamerikanist, M.A., Promotionsstudent an der Universität Hamburg)

Mit solidarischer Unterstützung:
Eva Fuchs (Ethnologin, M.A., Promotionsstudentin an der Universität Hamburg)
Martina Kamp (Historikerin, M.A., ehemalige Studentin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg)
Barbara Kauffmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg)
Melani Klaric (Sozialwissenschaftlerin, Promotionsstudentin an der Universität Hamburg)
Ulrike Lingen-Ali (Dipl.-Erziehungswissenschaftlerin, Promotionsstudentin an der CvO Universität Oldenburg)
Ponnammal Moses (Erziehungswissenschaftlerin, M.A., Universität Hamburg)
Markus Poócza (Ethnologe, M.A., ehemaliger Student an der Universität Hamburg)
Negar Taymoorzadeh (Erziehungswissenschaftlerin, Studentin an der Universität Hamburg)

Sven —

Dank an Armin Hinz. Großartiger Beitrag!
Solidarische Grüße aus Berlin,
Sven.

Arundhati —

An StudentinHH:
“Gleichzeitig instrumentalisierte er eine der Schwarzen Darstellerinnen dahingehend, dass sie ihre persönliche Meinung kund tun sollte (nämlich, dass sie sich nicht diskriminiert gefühlt habe). Was soll das? Hätte er sie auch zu Wort kommen lassen, wenn alle Anwesenden seinen Film fraglos abgefeiert hätten? Ich glaube nein. Aber so hatte er ja eine vermeintlich authentische Sichtweise parat, um seine Ignoranz zu entschuldigen. ”

Ne so einfach ist es nicht. Er instrumentalisiert sie, da stimme ich Dir zu. Und alles was an weißer Hegemonie, Kolonialverherrlichung, korruptem Asta etc beschissen ist, wird hier zelebriert.
Aber sie, diese Schauspielerin, ist nicht das Opfer. Ich nehme diese Frau mit ihrer Meinung ernst anstatt sie als Opfer zu bemitleiden. Ich sehe eine selbstbewußte Frau mit einer Meinung: Das ist kein Rassismus. An dem Film habe ich gern und aktiv mitgemacht, und ich bin total erstaunt…

Ich bin selbst WOC und weiß daß es verdammt weh tut, wenn “eine von uns” das macht. Du sitzst da und schämst Dich zu Tode für diese drei Frauen, die vielleicht für Geld und die Hoffnung, mit so einem Auftritt den großen Sprung ins Filmgeschäft zu machen, sich dermaßen erniedrigen. Sie wurden aber nicht dazu gezwungen. Sie sind aktiv, sie sind Subjekte die diese Erniedrigung wählen, weil sie davon eine Menge Vorteile erwarten oder auch einstreichen. Sie sind keine passiven Opfer, sondern Subjekte, die eine selbstbestimmte Entscheidung getroffen haben.
Sie beleidigen damit die community und besonders noch schwarze Frauen. Sie kollaborieren. Das ist für mich schmerzhaft. Es macht mich auch furchtbar wütend. Sie tun ihren Teil, um Klischees über nicht-weiße Frauen am Leben zu erhalten, mit denen ich mich im Alltag rumschlagen muß.

Darum nützt es nichts, gar nichts, das zu verschweigen, zu entschuldigen, die Schuld an Rassismus allein der weißen Mehrheitsgesellschaft zu geben, und uns in dem sicheren Gefühl zu wiegen, daß alles was wir tun, immer korrekt, erklärbar und nie ignorant, blöd oder grundsätzlich falsch sein kann.
Ich halte von falscher Solidarität gar nichts. Das “Wir-Gefühl” das wir hochhalten, indem wir ihre Verantwortung- die sie nicht wahrnimmt- verleugnen, ist immer als brüchig und temporär zu denken.

StudentinHH —

An Arundhati:

Du hast völlig recht, ich kann deinen Ausführungen nichts hinzufügen. Erklären kann ich dir meine Einschätzung schon. Rückblickend denke ich, dass ich emotional noch ziemlich mitgenommen und einfach nur tierisch sauer auf diesen “Kulturbeauftragten” war. Natürlich hab ich auch gehört, was die Darstellerin gesagt hat und das wurde ihr ja nun nicht von irgendjemand anderem in den Mund gelegt. Jede_r trägt eine Verantwortung dafür, dass rassistische Stereotype nicht weiter verbreitet werden, als dies in unserer rassistisch strukturierten Gesellschaft eh schon der Fall ist. Allerdings ist mir auch bewusst, dass wenige Menschen ihre eigenen (und auch die in der Sozialisierung internalisierten Rassismen) selten hinterfragen, auch und weil die Auseinandersetzung damit oft schmerzhaft ist und ans “Eingemachte” geht, was trotzdem keine Entschuldigung ist.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass es mir in diesem Augenblick einfach leichter gefallen ist, die für den Film verantwortlichen anzugreifen als die bezahlten Darsteller_innen. Ich wollte nicht weitere Rassismen einbauen in meine Einschätzung und es war auch nicht meine Absicht, die Darstellerin zum Opfer zu stilisieren. Wenn das aber so rüberkam, möchte ich mich entschuldigen. Ich werde auch weiterhin versuchen, mich mit meinen eigenen Rassismen auseinanderzusetzen. Und um das mal offen zu legen, aus welcher Sprecherinnenposition ich hier schreibe, ich bin weiß mit “Migrationshintergrund”. Wie mensch sieht, schützt dieser Umstand nicht automatisch vor rassistischen Ausfällen.

Arundhati —

Danke für Deine ehrliche Antwort; wir verstehen uns! Ich meinte allerdings gar nicht, daß Deine Äußerung unbedingt rassistisch sei. Muß ich nochmal drüber nachdenken! Mir stieß die hohle unity-um-jeden-Preis auf, nach der “wir” einfach nicht mitverantwortlich sein können, sondern reflexartig immer die Guten sind. Wenn jede/r POC oder Kanake/in die Auseinandersetzung mit sich selbst so führen würde wie Du anscheinend, wären wir schon viel weiter!

Sammler —

Chronologie mit Links zu Radio Interview von Black Students Network, AG Queer Studies (“Das kleine Einmaleins gängiger Abwehrmechanismen: Lippenbekenntnisse, Definitionsmacht und die überempfindlichen Anderen”) uva.:

http://www.hwp-netz.de/die-entfremdung-des-asta-von-den-studierenden

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