ARD: düsseldorfer Bobfahrer spricht tatsächlich deutsch, erinnert ansonsten an Jamaikaner

Zusendung von J.:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als begeisterter Sportfan bin ich demletzt auf einen Artikel der ARD über einen deutschen Bobfahrer gestoßen, dessen Vater aus Ghana und dessen Mutter aus Deutschland stammt.
Ich habe mit erstaunen festgestellt, dass die ARD ihn mit dem Film “Cool Runnings” verglich, einem Film über jamaikanische Bobfahrer die lernen Bob zu fahren (der Film ist sehr “lustig”,da die Jamaikaner anfangs natürlich völlig unbedarft im Umgang mit Kälte, Schnee und Eis sind..nun ja, es scheint Humor ist typsache).

Nun ja, ich habe dann ob des Vergleichs als erstes gedacht, Richard Adjei sei wohl in Ghana aufgewachsen und erst kürzlich in Deutschland zum Bobsport gekommen…weit gefehlt!! Er ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen!
Woher also der Vergleich???

Ich vermute die ARD hat folgende Gleichung gemacht: Schwarzer Mann = Afrika= heiß und sonnig= Jamaika= KEIN EIS?!= lustig!

Ich finde jedenfalls die ARD sollte sich mit solch stupiden Vergleichen zurück halten, oder nicht??

Manchmal weiß ich nicht, ob man in Deutschland nicht so langsam aufhören sollte sich gegen die Erfindung des Gehirns zu wehren..

Bevor ich mich weiter aufrege ist hier der Link zum Artikel [“nofollow Link”, Anm. der Red.]

MfG, J. [Name der Red. bekannt]

Und hier die Kontaktinfo der lustigen Redaktion, für ZuschauerInnen-/LeserInnen-Feedback:

“Haben Sie Fragen oder Anregungen zu unserem Angebot unter olympia.ARD.de?
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Für alle, die uns lieber per Post kontaktieren:
Mitteldeutscher Rundfunk (MDR)
Zuschauerredaktion
D-04360 Leipzig”

4 replies
  1. Ayrie
    Ayrie says:

    dann wird auch noch darauf hingewiesen, dass er “perfekt deutsch und niederländisch spricht”.

  2. Andreas
    Andreas says:

    ..da das Stichwort ‘Gehirn’ genannt wurde, scheint mir hier ein Hinweis auf ein Phaenomen angebracht, der in vielerlei Hinsicht relativ ueberfaellig zu sein scheint, es handelt sich um das Phaenomen des ‘unbewussten Schlusses’, dem angeblich ausgerechnet ein deutscher Physiker und ‘Naturphilosoph’, naemlich Helmholtz auf den Grund gegangen war, ich zitiere aus

    http://de.wikipedia.org/wiki/Unbewusster_Schluss

    Die dort zu lesende Erklaerung ist ziemlich nahe an den Erklaerungsmustern, die man in Deutschland fuer die Ablehnung von political correctness heranzieht und verneint ungefaehr, das man sein Hirn eben zuweilen BEWUSST anschalten muss, wenn man nicht als Barbar agieren will:

    “Der unbewusste Schluss ist ein prä-rationaler Mechanismus der visuellen Eindruckbildung, der unbeirrbar und unbelehrbar seinen eigenen Gesetzen folgt und auf diese Weise eine herrische Macht über den menschlichen Verstand ausübt. (..) Auch auf die gegenseitige Wahrnehmung der Menschen übt der unbewusste Schluss tiefgreifende Wirkung aus. Allein der Anblick unseres Gegenübers erzeugt eine gefühlsmäßige Haltung, die nicht rational begründbar ist und sich als sehr widerstandsfähig gegen jede verstandesmäßige Kritik erweist. Offenbar wird eine spontane Eigenschaftszuschreibung in Gang gebracht, der wir uns kaum entziehen können, denn das menschliche Auge kann nicht zweifeln. Es kann sich also des durch den unbewussten Schluss erzeugten Eindrucks nicht erwehren[angeblich!].(..)Wir nehmen mit dem Auge die Dinge, als seien sie wahr, denn das Ergebnis der unbewussten Schlüsse sind Deutungen, die sich unserem Bewusstsein aufdrängen, gleichsam wie eine äußere Macht, über die unser Wille [angeblich] keine Gewalt hat.”

  3. jwbe
    jwbe says:

    Und im Prinzip war es die sogenannte menschliche Intelligenz, das Gehirn, das Rassismus erfand um die einen zu privilegieren im Zugang zu Resourcen und die vermeintlich anderen auszugrenzen.
    Und solange ‘Weiße’ für ihr eigenes Ich-Gefühl das angebliche Gegenüber benötigen um sich selbst zu definieren, werden sie auch nicht in der Lage sein, den ‘anderen’ anzunehmen und als ‘Wir’ zu erleben.

  4. Esther
    Esther says:

    Habe am 1.März folgende Email an die ARD geschickt (und natürlich keine Antwort bekommen):

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihr Artikel über Herrn Adjei ist einigermaßen befremdlich.

    Angefangen beim ersten Satz: Cool Runnings in Vancouver. Herr Adjei ist Deutscher, die Verbindung zu diesem Film ist also völlig unlogisch, wenn man Hautfarbe nicht als einziges Merkmal von Menschen erachtet.
    Unnötig ist ebenfalls die Erklärung dass Herr Adjei “farbig” ist- was spielt das für eine Rolle in Hinsicht auf seine sportliche Leistung? Wenn der Hinweis, dass er nicht weiß ist, denn unbedingt erfolgen soll, dann doch bitte mit dem korrekten Wort: Schwarzer Deutscher.
    Warum besonders darauf hingewiesen muss, dass er Deutsch spricht, bleibt mir auch rätselhaft- ist das nicht üblich, dass Deutsche Deutsch sprechen? Oder bringt Schwarz zu sein nach Ihrer Ansicht irgendeine Form von Störung mit sich, die die ganz normale Sprachentwicklung behindert ?

    Dieser Briefwechsel wird von mir öffentlich geführt. Mein Schreiben sowie Ihre Antwort werde ich zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.

    Mit der Bitte um Antwort ,
    Esther Große

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