SWR benötigt dringend Nachhilfe – Stichwort: “Vermeidung von Rassismen in der Entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit”…

Der SWR hat diese Info-Broschüre offensichtlich dringend nötig.

Auf der Onlinepräsenz des öffentlich-rechtlichen Senders (!) heißt es unter dem Stichwort “Hunger” in guter pauschalisierender und paternalistischer Manier unter Anderem:

“Welche Mahlzeiten stehen einem Afrikaner zur Verfügung, der von Nahrungsmittelhilfe abhängig ist und standardisierte Tagesrationen erhält?”

Quelle: SWR Online

Die Seite steht in vielen Punkten in starkem Kontrast zu den oben erwähnten Checklisten, wie Rassismen in derartiger “Berichterstattung” (hier eher: random Rechenaufgabe) vermieden werden können. Wie man es richtig macht; auszugsweise:

Sind Namen, Orte und Personenangaben wahrheitsgetreu? Wurde nichts erfunden (etwa Namen oder Geschichten)?

• Werden, anstatt Lebensrealitäten als defizitär darzustellen, spezifische Potenziale und Ressourcen reflektiert und beschrieben?
• Ist gekennzeichnet, aus welcher Perspektive geschrieben wird und wird eine vermeintlich neutrale Schreibweise vermieden?
• Liegt eine genaue Beschreibung der Situation vor, anstatt Homogenisierungen und Verallgemeinerungen (z. B. „in Afrika herrscht viel Armut“) zu verbreiten?
• Sind Menschen als reale Menschen komplex dargestellt bzw. beschrieben und werden nicht auf einzelne Aspekte wie Armut oder ethnische Zugehörigkeit reduziert? Vermeidet der Text Klischees?
• Treten Menschen im Text als Akteure und Subjekte statt als Objekte und HilfsempfängerInnen auf?
• Sind bei Problemdarstellungen Ursachen und Entstehungszusammenhänge benannt; werden gegebenenfalls die globalen Abhängigkeiten sowie die Akteure dargestellt (z. B. Armut aufgrund von Agrardumping der EU) und ein politischer Bezugsrahmen hergestellt? Wird eine Fokussierung auf „Mitleid“ vermieden?

Man beachte auch die Bilder am Rand der SWR-Seite. Das genaue Gegenteil dessen, was Dominanztraditionen/-präsentationen aufzulösen vermag.

Die Checklisten geben Auskunft, wie man derart kolonial angehauchte Bilder vermeiden kann:

Was wird wie fotografiert?
• Ist die Menschenwürde der Fotografierten geschützt? Wurde(n) z. B.
• die Bildperspektive beachtet und vermieden, von oben nach unten zu fotografieren?
•  Menschen als handelnde Subjekte, nicht als passive Opfer gezeigt?
•  bewusst mit Kleidung bzw. Nacktheit umgegangen?
•  Stereotype und koloniale Bildtraditionen vermieden (z. B. Weiße stehen, Schwarze sitzen, oder auch umgekehrt: Schwarze stehen hinter sitzenden Weißen, statt Darstellung auf Augenhöhe)?

Kontakt zur Redaktion hier und im Kommentarfeld der SWR-Seite

2 replies
  1. Sandra
    Sandra says:

    an den SWR: Welche Mahlzeiten stehen denn einem Mitteleuropäer zur Verfügung, der von Nahrungsmittelhilfe abhängig ist und standardisierte Tagesrationen erhält?

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] der braune mob e.V. präsentiert auf seinem Blog eine ziemlich tolle “Checklisten zur Vermeidung von Rassismen in der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit“. In dieser wird konkret auf Begriffsverwendungen eingegangen, auf Inhalte, Fotos und allgemein die Gestaltung von Broschüren etc. Auch sehr lesenswert, wenn man nicht direkt mit Entwicklungspolitik zu tun hat. Jemanden, der Nachhilfe ganz nötig braucht, hat der braune mob auch sofort gefunden: SWR. […]

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