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Die Grünen: kein Ende der Ignoranz

Thomas Hornung, Mannheim, Pressereferent des finanzpolitischen Sprechers der Grünen im Bundestag Dr. Gerhard Schick, zu einer Schwarzen Studentin im Grünen Büro: “Äh, das Negerplakat”…”Na ja, man kann ja nicht immer political correct sein”

Thomas Hornung von den Grünen

Thomas Hornung von den Grünen

Der ganze unglaubliche Erfahrungsbericht:

“Man kann eben nicht immer political correct sein”

Am 16.09.2009 kamen eine Freundin und ich rein zufällig an einem Infostand der Grünen am Mannheimer Hauptbahnhof vorbei. Anlässlich des Besuchs von Jürgen Trittin in Mannheim stand dort allem Anschein nach eine Wahlkampfveranstaltung bevor, die in Kürze beginnen sollte. Schon seit Juli regte ich mich über das Wahlplakat der Grünen in NRW auf und wollte nun einfach mal jemanden darauf ansprechen. Für mich, als schwarze Deutsche, stand nun zur Debatte ob ich dieser Partei jemals wieder meine Stimme geben würde. Ich sprach einen Mann an, dieser bestätigte seine Mitgliedschaft bei den Grünen. Das Gespräch sollte sich ganz anders entwickeln als ich es erwartet hatte…

Hier das Wahlplakat: https://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2009/08/Gr%C3%BCne-Wahlplakat.jpg

Hier die Stellungnahme:
http://blacknrw.wordpress.com/2009/08/11/stellungnahme-der-kaarster-grunen-zum-plakat-%E2%80%9Ees-gibt-nur-einen-grund-schwarz-zu-wahlen%E2%80%9C/

Zunächst fragte ich den sehr freundlichen Mann, ob er denn über das Plakat informiert sei. Dieser zögerte, also beschrieb ich ihm das Plakat. Zunächst brach Thomas Hornung erstmal in Gelächter aus. Daraufhin erinnerte er sich an das Plakat, dass seiner Meinung nach schon “vor längerer Zeit” (August 2009!) zurückgezogen wurde. Völlig irritiert von der Tatsache, dass Thomas Hornung mein Anliegen anscheinend für amüsant hielt, bat ich ihn nun um eine eigene Stellungnahme:

“Ja, was soll ich denn da machen? Ich bin doch hier in Mannheim!” Soweit er wusste, waren es sowieso welche von den jungen Grünen gewesen (Wir erinnern uns an seinen Informationsstand!). Daraufhin sagte ich “Ja aber wir haben nun mal BUNDESTAGSWAHL und ich kann ihnen sagen, dass ich aus diesem Vorfall die Konsequenz ziehen werde und ihre Partei nicht mehr wiederwählen werde”. Ich erzählte ihm, dass sowohl meine Mutter als auch Freunde meiner Ansicht seien. Herr Hornung wirkte irgendwie verwirrt: ” Ja dann sagen sie ihrer Mutter sie solls lassen, sollse halt nicht zur Wahl gehen.” Er begann mir zu erklären, dass gerade ich “als Farbige” (hahaha), doch wissen sollte, dass es noch viel mehr Gründe gäbe die Grünen zu wählen und dass die anderen Parteien doch das größere Übel seien. Ich entgegnete, dass gerade die Tatsache, dass ich die Grünen zum großen Teil aufgrund ihrer toleranten Haltung unterstützte, für mich der entscheidende Punkt ist. “Na ja, man kann ja nicht immer political correct sein”, entgegnete er (nochmal:hahaha). Außerdem beschwerten sich seiner Meinung nach in anderen Fällen, Frauen darüber wenn sie ein Dekolleté sehen. Immer noch hatte ich das Gefühl, dass mich Herr Hornung überhaupt nicht ernst nahm. Trotzdem versuchte ich ihm zu erklären, dass diese rassistische Geste der Aussage “Gerade die Grünen stehen für eine Politik, die sich durch Toleranz, Weltoffenheit und Gleichberechtigung auszeichnet” (siehe Stellungnahme) entschieden widerspricht. “Ach, das hat doch nix mit Rassismus zu tun”.Ich warf ihm vor, er banalisiere die Fakten: “Doch”, entgegnete ich: “Wenn sich Schwarze, wie ich, davon degradiert fühlen, dann ist es einfach rassistisch”. Ein Kollege schien etwas von Herrn Hornung zu wollen und wie selbstverständlich, wandte er sich von mir ab. Da ich es nicht einsah darauf zu warten bis ich wieder an der Reihe war, ging ich.

Ein sehr enttäuschendes Gespräch. Ich hätte mir wenigstens ein bisschen Respekt erhofft, besonders angesichts der Tatsache, dass es sich um einen äußerst sensibles Thema handelt. Dies bedeutet für mich nicht, dass sich die Grünen nicht für eine tolerante Ausländerpolitik einsetzen, sondern eben nur nicht für Schwarze. Ich weiß nicht, inwieweit es dieser Partei überhaupt ein Anliegen ist Wähler zu gewinnen, da man auf einer solchen Veranstaltung daraufhin gewiesen wird dass es einem nun mal “egal” ist.

Mir ist es jetzt auch egal.

Da ich den Namen des Herrn nicht wusste, ging ich trotzdem am darauf folgenden Tag in das Büro der Grünen in der Mannheimer Neckarstadt. Dort traf ich Herrn Hornung wieder an. Er erzählte mir im Endeffekt wieder das Gleiche. Ich erzählte ihm, dass mich die unverschämte Art und Weise des Gespräches gestört hat. Als er sodann seinen Kollegen fragte ob dieser sich noch an das “Negerplakat” erinnere konnte ich nicht mehr tun als das Büro wütend zu verlassen, wieder ohne seinen Namen erfahren zu haben. Ich denke dies muss nicht weiter kommentiert werden.

Aisha Camara

*

KONTAKT:

Thomas Hornung

hornung@mannheim-begruenen.de (mit uns im cc)

Der Mann, für den Hornung arbeitet:

http://www.gerhardschick.net/index.php?option=com_content&task=view&id=12&Itemid=72

Geschäftsstelle: Bündnis 90/Die Grünen Mannheim
Waldhofstr. 4
68169 Mannheim

Tel.: 0621 ” 22 92 0
Fax: 0621 ” 33 67 652

E-Mail: info@gruene-mannheim.de (mit uns im cc)

Presse

dirk.grunert@gruene-mannheim.de (mit uns im cc)dirk.grunert@gruene-mannheim.de oder per Telefon unter 0173/6245695 erreichen.

Quellen:

Foto: Das Grüne Büro in der Mannheimer Neckarstadt. Quelle: Bündnis 90/Die Grünen Mannheim. Pressefoto
Foto: Thomas Hornung. Bündnis 90/Die Grünen Mannheim. Pressefoto
Bericht: (c) Aisha Camara via der braune mob.

danke auch an BlackNRW; Artikel dazu HIER

update: Resolution gegen rassistische Getränkebezeichnungen soll vor bayerisches Innenministerium

update vom 27.7. 2009:

Martin Zeil, der bayerische Minister für u.a. Wirtschaft und Infrastruktur, weiß in einem Schreiben vom 20.7. spontan, dass die Verwendung des N-Wortes “sicher nicht in rassistischer oder diffamierender Absicht” geschieht, – Zitat – “denn dies wäre mit der Gastfreundlichkeit und Weltoffenheit der bayerischen Gastronomie … auch gar nicht zu vereinbaren”.
Soweit die übliche Abwehr in üblicher Logik.

Gleichzeitig gibt Minister Zeil den BeschwerdeführerInnen aber recht, dass der Begriff “belastet ist” und “besser nicht verwendet werden sollte”. Und er agierte! Justizministerin Dr. Merk (Justiz & Verbraucherschutz), der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (vertreten durch Präsident Gallus), sowie der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (vertreten durch Prof. Erich Greipl) sendete Minister Zeil diese Woche Schreiben, in denen sie gebeten werden, ihre jeweiligen Mitglieder für die “Problematik” zu “sensibilisieren”, bzw eine “generelle Verbannung des Begriffes aus dem öffentlichen Raum einer Prüfung (zu) unterziehen”.

*

21.7.2009:

wir berichteten hier.

Der AK Panafrikanismus und die 163 Organisationen und Vereine, die die Resolution unterstützen, wünschen sich, dass auch in Bayern, wie in anderen Bundesländern, statt rassistischer Vokabeln ein neutraler Begriff wie z.B. Diesel oder Cola-Weizen verwendet wird.
Die InitiatorInnen des AK Panafrikanismus München, vertreten durch Hamado Dipama, möchten diese Resolution nun an Staatsminister Herrmann übergeben, da er ein Verbot des Begriffs “Neger” durchsetzen kann.

Der Weg durch die Ämter gestaltet sich derzeit unübersichtlich. Wir werden hier über den Verlauf informieren.

Resolution gegen rassistische Getränkebezeichnungen in Bayern

eis_n eisn_nachher-kopie
na also, es geht doch! Eisbezeichnung vorher – nachher.

Organisationen und Vereine der afrikanischen Gemeinschaft und Diaspora sowie weitere Sozialengagierte veröffentlichen eine Resolution zum mit-Unterzeichnen und Weitergeben. Auch der braune mob e.V. ist eine der Erst-Unterzeichnerinnen.

download der Resolution mit Faxvorlage zum mit-Unterzeichnen hier.

Kontakt/Rückfragen:

sekretariat[ at ]panafrikanismusforum.net

Hamado Dipama
AK Panafrikanimus – München
Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrat

www.fluechtlingsrat-bayern.de

Zum gleichen Thema und Problem gibt es auch auf unserer Homepage und im Blog eine dezentrale Kampagne, HIER und auch HIER

Weitere grundsätzliche Informationen: HIER.

Landgericht Neuruppin: »N-Wort« ist eindeutig Beleidigung

http://opferperspektive.org/Home/Fallberichte/857.html

Am Mittwoch, den 1. April, sprach das Landgericht Neuruppin den 30- jährigen Daniel B. schuldig, am 31. März 2007 einen kamerunischen Asylbewerber in Prenzlau beleidigt und angegriffen zu haben. Das Gericht hob den Freispruch des Amtsgerichts Prenzlau auf, das nach eigenem Bekunden nicht erkennen konnte, ob die Aussage des Angeklagten oder die des Opfers glaubwürdiger sei.

Im Gegensatz zur Entscheidung des Amtsgerichts, das sich ein Jahr zuvor mit dem Angriff befasst hatte, hielt das Landgericht die Aussage des Opfers für absolut glaubwürdig. Der Kameruner schilderte, wie er von Daniel B. mehrfach als »Neger« beleidigt, geschlagen und getreten worden war. Die Einlassung des Angeklagten dagegen hielt der Richter für eine »reine Märchenstunde «. Dieser hatte behauptet, der Asylbewerber habe ihn als »Nazi« beschimpft und sei auf ihn losgegangen.

Daniel B. wurde für die Körperverletzung mit sechs Monaten Freiheitsstrafe und für die Beleidigungen mit 40 Tagessätzen bestraft.

Beachtenswert ist die Entscheidung des Gerichts, die Beleidigungen »N….« als […] herabwürdigend einzustufen. Obwohl immer wieder auf den beleidigenden Charakter und die koloniale Herkunft des Begriffs verwiesen wird, waren Ermittlungsbehörden und Gerichte nicht immer bereit, diese Beschimpfung als rassistisch zu bewerten und als Beleidigung zu verfolgen.

Der Geschädigte zeigte sich erleichtert über die Korrektur des Urteils.

*

Anm. der Red.:

An vielen Stellen, die über den Fall berichten, ist von “Fremdenfeindlichkeit” die Rede. Wir weisen darauf hin, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus keinesfalls gleichzusetzen, und auch keine Synonyme sind. Unterstellt man beispielsweise Angriffen gegen Schwarze Menschen pauschal eine “ausländerfeindliche” oder “fremdenfeindliche” Motivation, so kommuniziert man damit die Ansicht, dass Schwarze Menschen automatisch keine Deutschen sein können oder dass sie ungeachtet ihrer tatsächlichen Herkunft per se “fremd” seien (befindet sich damit exakt im Gedankengut der NPD), und leugnet zudem, dass Rassismus die Grundlage in dem spezifischen Fall ist. Dies fällt vor allem auf in Berichterstattung über Schwarze, die in Deutschland leben, also keine “Fremden” sind.

“Fremdenfeindlich” wird noch oft als vermeintliches Synonym für die Vokabel “rassistisch” verwendet. Dies geschieht teilweise, weil die Vokabel “rassistisch” als zu stark empfunden wird. Rassistische Gewalttaten sollten jedoch dringend beim Namen genannt werden, damit rassistische Impulse wirksam bekämpft werden können.

Mehr dazu: Informationen für JournalistInnen zum korrekten sprachlichen Umgang mit rechtsextremistischen oder rassistisch motivierten Straftaten zum Download

ebay und Amazon: weiterhin Plattform für öffentliche Rassismen

Eine Frage, die LeserInnen und wir selbst uns kürzlich gestellt haben:

Macht es Sinn, sich mit Protest an E-bay und Amazon zu wenden? Werden kolonialrassistisch betitelte Artikel dann aus dem Sortiment genommen?

Unsere Antwort:

In der Tat ist es fraglich, ob Proteste bei Ebay oder Amazon zu etwas führen; jedoch ist eines sicher: nicht zu protestieren trägt auf alle Fälle zum Erhalt des Status Quo bei.

Ohne Zuschriften der “VerbraucherInnen” bzw Zielgruppe gibt es für die betreffenden Unternehmen keinen Grund zur Auseinandersetzung mit dem Grad der Demokratie oder des Diskriminierungsgehaltes ihrer Inhalte. (Die Verbindung Ihres Protestes mit dem Hinweis auf einen persönlichen Boykott der Seiten könnte dem politischen Denkanstoß auch einen kaufmännischen hinzufügen…)

Hier sind Schreiben von uns, die wir an Amazon und eBay gerichtet haben, und die als Anregungen oder Argumentationsgrundlage dienen können.

Wenn man dazu schweigt, wird sich nichts ändern. Wir hoffen auf zahlreiche Kundenproteste. Vielleicht können andere antirassistische Institution sich ebenfalls zu diesem Thema positionieren?

Falls Sie Ihr kritisches feedback an die Unternehmen richten, würden wir uns über eine Kopie Ihres Anschreibens und des Vorgangs freuen. Es empfiehlt sich für solche Korrespondenz unbedingt der Zusatz:

“Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.”

*

– Verstöße gegen die eBay-Grundsätze kann man hier melden:

http://pages.ebay.de/help/buy/report-trading.html

Die einzige e-Mail Adresse, die öffentlich auffindbar war, ist vielleicht nicht zu 100% der richtige Ansprechpartner, aber dennoch durchaus dem Unternehmen zugehörig:
presse@ebay.de

*

Bei Amazon kann man über dieses Formular Feedback abgeben.

*

Wir wünschen viel Energie und Erfolg.

Dezentrale Kampagne gegen öffentliche Rassismen – jede(r) kann mitmachen!

Uns hatten viele Menschen geschrieben, die öffentliche Rassismen -wie z.B. Eis- /Getränkenamen, Spottfiguren oder Kolonialverherrlichung- nicht hinnehmen wollen. Aus diesem Grund haben wir diese de-zentrale Kampagne ins Leben gerufen.

Für alle, die ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen.

Immer noch aktuell, immer noch praktisch; laut diesem neuen Erfahrungsbericht aus Bonn.
Hier findet Ihr die Karten und Sticker.

Viel Spaß und Erfolg beim Mitmachen!

“mögen dich deutsche schäferhunde vergewaltigen”:
Totalausfall von Redakteur und Geschäftsführung des bielefelder Stadtmagazins “Ultimo”

Überblick: (zu den Ankerpunkten geht es wenn man den ganzen Artikel aufruft)

– Kurzübersicht
Leserbrief an die Ultimo
Antworten aus der Redaktion
offener Brief des IBZ
Antwort vom Ultimo-Geschäftsführer
neuer Schmähartikel in “Ultimo”: “Liebe N…r”
Mob-Meinung, Ausblick, Handlungsvorschlag

Dieser Vorgang ist so extrem, dass wir zuerst skeptisch waren, ob er wahr ist. Die Quellen liegen uns inzwischen aber alle im Original vor.

Was ist passiert?

1) Ein Leser schreibt dem Stadtmagazin “Ultimo” dass er sich geärgert hat, weil diese in einer Ausgabe ständig vom N-Wort Gebrauch machen und seiner Meinung nach nicht diskriminierungsfrei und “auf rassistischem Sprachniveau” schreiben.
Auch das IBZ (Internationales Begegnungszentrum Friedenshaus) Bielefeld formuliert einen offenen Brief an die Redaktion des Stadtmagazins, in dem sie ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass diese zu einer Reflexion ihrer Wortwahl bereit sind.

2) Redakteure des Stadtmagazins antworten auf den Leserbrief mit Schmähungen, die ihresgleichen suchen. Der Chefredakteur und Geschäftsführer des Magazins antwortet dem IBZ mit einem außerordentlich beleidigenden Brief.

3) Das IBZ schreibt einen “offenen Brief” über die Sache

4) der Geschäftsführer bleibt bei seinem Tonfall, das Stadtmagazin veröffentlicht einen Artikel mit der Überschrift “Liebe N…r”

***
Der ganze Vorgang im Einzelnen:

Hallo liebes Team vom braunen mob,

(…)

Ich habe mich kürzlich sehr über das Bielefelder Stadtmagazin ultimo
geärgert.
In der Ausgabe 20/08 schafft es die Redaktion kaum, einen Artikel zu
schreiben, in dem Schwarze Menschen vor kommen, in dem nicht das N-Wort
auftaucht. Gleich drei mal in Artikeln von drei unterschiedlichen
Autoren tauchte der Bergiff auf.

Kurze Zitate:
(leider obder besser zum glück ist nur einer der Texte auch im
Internetarchiv)
– Bildunterschrift zu dem Film Tropic Thunder:
“Klischeesoldaten: Der Rambo, der Brillenträger, der N***r, der
Klugscheißer – und die arme Sau, die diesen Haufen führen muss”

-Text zu dem Film Dance for All
(http://www.ultimo-bielefeld.de/kr-film/f-dancef.htm)
“Da läge es nahe, ein simples Aufsteigermärchen zu erzählen: Wie
talentierte N***r von herzensguten Weißen lernen, dass man mit festem
Willen und viel Üben alles erreichen kann.”

Dazu noch eine für mich willkürliche Verknüpfung von Schwarzen
Tanzkünstler_innen zu “Stammesfesten” im selben Text:
“In cleveren Schnitten verschmelzen hoppelnde Küken, pirouettierende
Teenies und ausdrucksvoll sich windende junge Erwachsene zu einem
Ballett aus Stampfen und Schweben, Schwanensee und Stammesfest”

– “Glosse?” die da heißt “setzers abende” zum US-Wahlkampf:
“nie, nie, nie werden die Amis disen kommunistischen N***r zum
Präsidenten wählen”

Im Anhang gab es einen Text von der Webseite vom braunen mob über das N-Wort.

Die Reaktion war erschütternd: Beschimpfungen unter der Gürtellinie.

Der Leserbrief:

Hallo,

dass der ultimo redaktion political correctness scheiß egal ist, ist ja
schon hinreichend bekannt. davon mag man halten, was man will.
dass sie es jetzt aber auch noch cool oder witzig finden besonders
political incorrect zu sein und auf niedrigstem rassistischen
sprachniveau zu schreiben ist unglaublich.

wenn es wie in der neusten ausgabe nicht möglich ist, über schwarze
menschen zu schreiben ohne das N-Wort zu gebrauchen (rumble in the
jungle, dance for all und setzers abende) und schwarze tanzende
selbstverständlich mit stammesfest in verbindung gebracht werden, dann
bleibt nur noch abkotzen über.

(…)

Die Antworten der Redaktion

es kamen kurz hintereinander drei mails zurück:

“du bist doof geboren und wirst dämlich sterben.
wenn du mein “n”-wort tatsächlich als ausdruck von rassismus deuten
möchtest – ach gottchen: mögen dich deutsche schäferhunde vergewaltigen.
dreimal täglich auf den ajz-klos.0D
0Adu depp.”

“… und, du dummes stück selbstgerechtigkeit, auch in der filmkritik,
wie ich gerade nachlese, ist das wort als zitat benutzt.
du bist wirklich zu blöd um ein loch in den schnee zu pissen.”

“… und für die bildunterzeile für “rumble in the jungle” gilt das
natürlkich auch.
was macht ihr den ganzen tag im ajz: bild lesen und gegenseitig die eier
lecken?”

Brief des IBZ an die Redaktion:

Internationales Begegnungszentrum
Friedenshaus
Teutoburger Str. 106
33607 Bielefeld

An die
Redaktion der Ultimo
Bünder Str. 1-3
33613 Bielefeld

Offener Brief an die Redaktion

Bielefeld, den 23.09.2008

An die Redaktion der Ultimo,

wohl jede/r der, die die Ultimo liest, weiß, wie gerne Ihr provoziert, wie
zynisch und sarkastisch Ihr sein könnt ” doch alles hat seine Grenzen.
In der aktuellen Ultimo Ausgabe (Nr. 20/08) habt ihr mit der dreimaligen
N ” Wort Benutzung total über den Strang geschlagen und damit eine
absolute Ignoranz gegenüber den Kämpfen gegen Rassismus und die
weitere Verwendung und Veröffentlichung rassistischer Begriffe
demonstriert.
Der Begriff “Neger” ist ein eindeutig rassistisches Schimpfwort, an dessen
Verwendung es nichts zu drehen und zu wenden gibt ” er ist und bleibt
beleidigend und diffamierend.
Es ist traurig mit anzusehen, wie sich Weiße Menschen immer wieder über
die Selbstbenennung und Selbstbestimmung Schwarzer Menschen
hinwegsetzen und die Benennungsmacht für sich proklamieren. Diesen
Ausdruck von Dominanz gerade in einem eigentlich doch alternativen
Magazin wieder zu finden ” verwundert in Eurem Fall zwar nicht ”
enttäuscht aber um so mehr.
Es erstaunt im Übrigen, dass Einzelne heute noch versuchen, die
Verwendung von Bezeichnungen zu legitimieren, die die benannte Gruppe
bekanntermaßen geschlossen als Beleidigung auffasst. Diese Information
allein sollte eigentlich schon Anlass genug sein, eine Bezeichnung zu
wählen, die nicht diskriminiert und keine Rassismen enthält.
Dass vereinzelte AutorInnen einem gewissen reaktionären Drang
nachgeben und dennoch darauf bestehen, ihr vermeintliches Recht zu
verteidigen, beleidigende Bezeichnungen von Menschen anderer
Hautfarben oder Ethnien zu publizieren, ist einfach nur bedauerlich.
Aufgrund rassistischer Vorurteile wurden und werden noch heute jährlich
zahlreiche Schwarze Menschen in Deutschland Opfer von
Gewaltverbrechen und täglich real erlebten Rassismen, Diskriminierungen
und Anfeindungen. Dagegen zu steuern heißt auch und vor allem: die
Wurzeln des Rassismus mit ihrer kolonialen Stereotypisierung
auszumerzen zu versuchen, und sich einer fairen Darstellung aller
Mitglieder der ethnischen Realität Deutschlands zu verschreiben.

In der Hoffnung, dass Ihr für eine Reflexion Eurer Wortwahl bereit seid
und wir so etwas nicht wieder in der Ultimo lesen zu müssen,

das IBZ – Team

Antwort des “Ultimo”-Chefredakteurs & Geschäftsführers

Betreff: AW: Brief an Euch
Von: “Thomas Friedrich Ultimo Bielefeld” <thf@ultimo-bielefeld.de>
Datum: Wed, 24 Sep 2008 14:25:06 +0200
An: “ibz” <ibz@ibz-bielefeld.de>

liebes mutiges anonymes ibz-team,
nachdem der kleine feigling, den ihr vorgeschickt habt, schon nicht
verstanden hat, was ironie ist, bekommen wir es nun mit eurer gesammelten
ignoranz zu tun.
fein.
zu anonymen anschuldigungen, so dumm sie auch sein mögen, nehmen wir
grundsätzlich keine stellung. wir betrachten eine unterschrift wie “das
ibz-team” als anonym.
wir wollen euch aber insoweit entgegenkommen, als dass wir nie wieder auch
nur 1 wort über euren laden schreiben. auch die von euch bereits
eingereichte kleinanzeige wird extra aus dem heft wieder rausgenommen.
nichts zu danken.
da braucht ihr euch nicht mehr zu schämen, dass eure sachen in einem heft
stehen, in dem das wort neger vorkommt (wie ist es: schreibt ihr jetzt auch
an den duden?)
es gibt einen grad von verstockter dummheit, der nicht mal mit gutem willen
zu entschuldigen ist.
ausnahmsweise ganz offiziell:
thomas friedrich / chefredakteur & geschäftsführer
================================================

Ultimo Verlag
Herforder Straße 237
33609 Bielefeld
Thomas Friedrich
Tel.: 0521 – 44 18 64 email: thf@ultimo-bielefeld.de
=================================================
Ultimo – Bielefelds Stadtillustrierte erscheint 14täglich in der Ultimo
Verlag GmbH / mail: info@ultimo-bielefeld.de
<mailto:info@ultimo-bielefeld.de> / www.ultimo-bielefeld.de
<http://www.ultimo-bielefeld.de> / Geschäftsführer: Thomas Friedrich &
Rainer Liedmeyer / HRG Münster B 4167 // Bankverbindung: Kt. 780521100
Commerzbank Bielefeld (BLZ 480 400 35)

***

***

– Daraufhin “antwortete” die Redaktion mit einem “Liebe N….r” – übertitelten Artikel in der nachfolgenden Ultimo hier zur Ansicht

***

***

Der ganze Vorgang ist auch hier abrufbar: http://www.ibz-bielefeld.de/pages/aktuelles.html

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***

Unsere Meinung:

Journalisten sind Meinungsbildner und haben eine verantwortungsvolle gesellschaftliche Funktion inne. Der gesellschaftliche Schaden, der entsteht, wenn Menschen mit vorliegender Disposition und Mentalität die öffentliche Meinung mit bilden dürfen, ist enorm.
Die beleidigenden Briefe zeigen auf, dass man sich in der “Ultimo”-Redaktion einer Diskussion über rassismusfreie Berichterstattung im Ansatz verschließt. Und sie lassen tief blicken.

Prophylaktisch: Es ist nicht Gegenstand der Diskussion, ob Redakteure das Recht haben, auf Kritik schwer beleidigend zu reagieren. Noch, ob sie besonders schlau sind, wenn sie dies tun.

Es ist aber bemerkenswert, dass “Ultimo” ausgerechnet bei diesem Thema den beschwerdeführenden Personen mit derartigen Schmähungen begegnet.

Eine Redaktion, die Leserbriefe und Aufforderungen zu rassismusfreier Berichterstattung mit (sicher für besonders “satirisch” gehaltenen) Vergewaltigungswünschen und anderen schwersten persönlichen Beleidigungen beantwortet, ist nicht tragbar.

Dass persönliches Eingeschnapptsein zu einem rassistisch übertitelten Schmähartikel in der Zeitung führt (und zur willkürlichen und einseitigen Kündigung des Kleinanzeigenvertrages), hat mit “Journalismus” nichts mehr zu tun, ist vielmehr Missbrauch des eigenen medialen Aktionsspektrums und damit nicht nur kindisch sondern durchaus geeignet, eine Gefahr für die Sicherheit der Gesellschaft darzustellen. Dies gilt insbesondere wenn die Zeitschrift -wie hier- eine Monopolstellung in Bielefeld innehat.

Handlungsvorschlag:

Hier ist die Bielefelder Zivilgesellschaft gefragt und damit alle, die diese Art der Kommunikation und Medien (und damit öffentlichkeitsprägende Stimme) nicht weiter tolerieren möchten.

Am 12.1. findet in Bielefeld ein offener Workshop statt, bei dem sich Medienschaffende und interessierte BürgerInnen (möglichst zahlreich) treffen, um Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Es sind alle eingeladen, die diese Form der “Berichterstattung” und Schmähungen nicht tolerieren wollen.

Die Ultimo-Redaktion antwortet auch recht gern auf Leserbriefe.

(Es empfiehlt sich wie immer der Zusatz “Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.”)

Kontakt: info@ultimo-bielefeld.de oder thf@ultimo-bielefeld.de

Ultimo Verlag GmbH (HRG Münster, B 4167) Geschäftsführer: Thomas Friedrich, Rainer Liedmeyer; Netzbold: Wolfgang Ueding
Tel.: 0521 – 44 18 64

bayerisches Kultusministerium: Kolonialrassismus unbedenklich

Mit einer hohen Auflage, zahlreichen Auszeichnungen, emanzipatorischen Botschaften und dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit begründet das bayerische Kultusministerium seinen Entschluss, “Pippi Langstrumpf” weiterhin als Lektüre für dritte Klassen zuzulassen. Eine Literaturwissenschaftlerin (und Mutter) hatte in einem offenen Brief dezidiert auf das in Astrid Lindgrens Büchern vorhandene koloniallrassistische Gedankengut und Vokabular hingewiesen und ein Antwortschreiben erhalten, das voller Widersprüche steckt.

Die empfohlenen Bücher mit Texten wie “Und übrigens (…) will ich euch sagen, dass …es in Kenia keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt.” oder “Malin war so dreckig, dass es eine richtige Freude war, sagte Großmutter.. Lange Zeit hat Großmutter geglaubt, dass sie eine Negerin wäre, weil sie so eine dunkle Haut hatte, aber das war wahrhaftig nur der allerwaschechteste Dreck.(…)” sind nach Ansicht des bayerischen Kultusministeriums durchaus dazu geeignet, “zu einem respektvollen Miteinander anzuleiten”.

In der ausführlichen und vielfältigen Abwehr der Vorwürfe, dass die Lektüre Rassismus transportiere, “entlastet” die Behörde die Autorin Lindgren unter anderem mit der (nachweislich unsinnigen) ‘Begründung’, dass es in den 1940er Jahren “keinen Schwarzen in Skandinavien” gegeben hätte.

Beschwerdeschreiben der Literaturwissenschaftlerin

Textauszüge aus den kritisierten Werken

Antwortschreiben des bayerischen Kultusministeriums

(mehr Links zum Thema unten)

Analyse der Red. (weiterlesen):

Read more

Pippi Langstrumpf – Emanzipation nur für weiße Kinder?

Update Dezember 2008:

Schreiben der Literaturwissenschaftlerin Dupe Laja an das bayerische Kultusministerium:

“Pippi Langstrumpf” als Lehr-/Lernmittel im Deutschunterricht in der 3. Klasse!
Kolonial-rassistische Stereotypen in Astrid Lindgrens Werk (pdf download hier)

********

Oktober 2008:

Ein wichtiger kurzer Artikel von Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers zum download:

Pippi Langstrumpf – Emanzipation nur für weiße Kinder?
Rassismus und an (weiße) Kinder adressierte Hierarchiebotschaften

Mehr dazu in unserer “Liste von Kinder- und Jugendbüchern/-Medien mit diskriminierenden Inhalten oder Ausdrücken”