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Reaktion auf rassistische Berichterstattung:
Neuer online-Veranstaltungskalender für Bielefeld und Umgebung

via http://bielefeld.gucken.org//

*Was ist das für eine Seite?*

Auf der Seite findet ihr die Veranstaltungshinweise diverser Läden in Bielefeld.
[…], so dass Ihr schnell einen Überblick bekommt, was in Eurem Umfeld in den nächsten 14 Tagen so passiert. Falls Ihr von einer coolen Veranstaltung wisst, die auf der Seite noch nicht auftaucht, könnt Ihr sie dort einstellen!

*Warum gibt’s einen neuen Veranstaltungskalender? *

Da es u.a. verschiedene unschöne Vorfälle in Bezug auf das Stadtmagazin ,Ultimo’ gab [siehe dazu Artikel “mögen dich deutsche Schäferhunde vergewaltigen” hier] wurde dies u.a. als Anlass genommen, einen neuen Veranstaltungskalender ins Leben zu rufen und somit eine Alternative zur Programm-Übersicht der ,Ultimo’ zu schaffen.

Also guckt einfach auf die Seite — es lohnt sich!

Viele Grüße vom Bündnis für diskriminierungsfreie Medienkultur Bielefeld

*bitte gerne weitersagen!*

Weiterer Artikel zum Hintergrund des Bündnisses: hier.

“mögen dich deutsche schäferhunde vergewaltigen”:
Totalausfall von Redakteur und Geschäftsführung des bielefelder Stadtmagazins “Ultimo”

Überblick: (zu den Ankerpunkten geht es wenn man den ganzen Artikel aufruft)

– Kurzübersicht
Leserbrief an die Ultimo
Antworten aus der Redaktion
offener Brief des IBZ
Antwort vom Ultimo-Geschäftsführer
neuer Schmähartikel in “Ultimo”: “Liebe N…r”
Mob-Meinung, Ausblick, Handlungsvorschlag

Dieser Vorgang ist so extrem, dass wir zuerst skeptisch waren, ob er wahr ist. Die Quellen liegen uns inzwischen aber alle im Original vor.

Was ist passiert?

1) Ein Leser schreibt dem Stadtmagazin “Ultimo” dass er sich geärgert hat, weil diese in einer Ausgabe ständig vom N-Wort Gebrauch machen und seiner Meinung nach nicht diskriminierungsfrei und “auf rassistischem Sprachniveau” schreiben.
Auch das IBZ (Internationales Begegnungszentrum Friedenshaus) Bielefeld formuliert einen offenen Brief an die Redaktion des Stadtmagazins, in dem sie ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass diese zu einer Reflexion ihrer Wortwahl bereit sind.

2) Redakteure des Stadtmagazins antworten auf den Leserbrief mit Schmähungen, die ihresgleichen suchen. Der Chefredakteur und Geschäftsführer des Magazins antwortet dem IBZ mit einem außerordentlich beleidigenden Brief.

3) Das IBZ schreibt einen “offenen Brief” über die Sache

4) der Geschäftsführer bleibt bei seinem Tonfall, das Stadtmagazin veröffentlicht einen Artikel mit der Überschrift “Liebe N…r”

***
Der ganze Vorgang im Einzelnen:

Hallo liebes Team vom braunen mob,

(…)

Ich habe mich kürzlich sehr über das Bielefelder Stadtmagazin ultimo
geärgert.
In der Ausgabe 20/08 schafft es die Redaktion kaum, einen Artikel zu
schreiben, in dem Schwarze Menschen vor kommen, in dem nicht das N-Wort
auftaucht. Gleich drei mal in Artikeln von drei unterschiedlichen
Autoren tauchte der Bergiff auf.

Kurze Zitate:
(leider obder besser zum glück ist nur einer der Texte auch im
Internetarchiv)
– Bildunterschrift zu dem Film Tropic Thunder:
“Klischeesoldaten: Der Rambo, der Brillenträger, der N***r, der
Klugscheißer – und die arme Sau, die diesen Haufen führen muss”

-Text zu dem Film Dance for All
(http://www.ultimo-bielefeld.de/kr-film/f-dancef.htm)
“Da läge es nahe, ein simples Aufsteigermärchen zu erzählen: Wie
talentierte N***r von herzensguten Weißen lernen, dass man mit festem
Willen und viel Üben alles erreichen kann.”

Dazu noch eine für mich willkürliche Verknüpfung von Schwarzen
Tanzkünstler_innen zu “Stammesfesten” im selben Text:
“In cleveren Schnitten verschmelzen hoppelnde Küken, pirouettierende
Teenies und ausdrucksvoll sich windende junge Erwachsene zu einem
Ballett aus Stampfen und Schweben, Schwanensee und Stammesfest”

– “Glosse?” die da heißt “setzers abende” zum US-Wahlkampf:
“nie, nie, nie werden die Amis disen kommunistischen N***r zum
Präsidenten wählen”

Im Anhang gab es einen Text von der Webseite vom braunen mob über das N-Wort.

Die Reaktion war erschütternd: Beschimpfungen unter der Gürtellinie.

Der Leserbrief:

Hallo,

dass der ultimo redaktion political correctness scheiß egal ist, ist ja
schon hinreichend bekannt. davon mag man halten, was man will.
dass sie es jetzt aber auch noch cool oder witzig finden besonders
political incorrect zu sein und auf niedrigstem rassistischen
sprachniveau zu schreiben ist unglaublich.

wenn es wie in der neusten ausgabe nicht möglich ist, über schwarze
menschen zu schreiben ohne das N-Wort zu gebrauchen (rumble in the
jungle, dance for all und setzers abende) und schwarze tanzende
selbstverständlich mit stammesfest in verbindung gebracht werden, dann
bleibt nur noch abkotzen über.

(…)

Die Antworten der Redaktion

es kamen kurz hintereinander drei mails zurück:

“du bist doof geboren und wirst dämlich sterben.
wenn du mein “n”-wort tatsächlich als ausdruck von rassismus deuten
möchtest – ach gottchen: mögen dich deutsche schäferhunde vergewaltigen.
dreimal täglich auf den ajz-klos.0D
0Adu depp.”

“… und, du dummes stück selbstgerechtigkeit, auch in der filmkritik,
wie ich gerade nachlese, ist das wort als zitat benutzt.
du bist wirklich zu blöd um ein loch in den schnee zu pissen.”

“… und für die bildunterzeile für “rumble in the jungle” gilt das
natürlkich auch.
was macht ihr den ganzen tag im ajz: bild lesen und gegenseitig die eier
lecken?”

Brief des IBZ an die Redaktion:

Internationales Begegnungszentrum
Friedenshaus
Teutoburger Str. 106
33607 Bielefeld

An die
Redaktion der Ultimo
Bünder Str. 1-3
33613 Bielefeld

Offener Brief an die Redaktion

Bielefeld, den 23.09.2008

An die Redaktion der Ultimo,

wohl jede/r der, die die Ultimo liest, weiß, wie gerne Ihr provoziert, wie
zynisch und sarkastisch Ihr sein könnt ” doch alles hat seine Grenzen.
In der aktuellen Ultimo Ausgabe (Nr. 20/08) habt ihr mit der dreimaligen
N ” Wort Benutzung total über den Strang geschlagen und damit eine
absolute Ignoranz gegenüber den Kämpfen gegen Rassismus und die
weitere Verwendung und Veröffentlichung rassistischer Begriffe
demonstriert.
Der Begriff “Neger” ist ein eindeutig rassistisches Schimpfwort, an dessen
Verwendung es nichts zu drehen und zu wenden gibt ” er ist und bleibt
beleidigend und diffamierend.
Es ist traurig mit anzusehen, wie sich Weiße Menschen immer wieder über
die Selbstbenennung und Selbstbestimmung Schwarzer Menschen
hinwegsetzen und die Benennungsmacht für sich proklamieren. Diesen
Ausdruck von Dominanz gerade in einem eigentlich doch alternativen
Magazin wieder zu finden ” verwundert in Eurem Fall zwar nicht ”
enttäuscht aber um so mehr.
Es erstaunt im Übrigen, dass Einzelne heute noch versuchen, die
Verwendung von Bezeichnungen zu legitimieren, die die benannte Gruppe
bekanntermaßen geschlossen als Beleidigung auffasst. Diese Information
allein sollte eigentlich schon Anlass genug sein, eine Bezeichnung zu
wählen, die nicht diskriminiert und keine Rassismen enthält.
Dass vereinzelte AutorInnen einem gewissen reaktionären Drang
nachgeben und dennoch darauf bestehen, ihr vermeintliches Recht zu
verteidigen, beleidigende Bezeichnungen von Menschen anderer
Hautfarben oder Ethnien zu publizieren, ist einfach nur bedauerlich.
Aufgrund rassistischer Vorurteile wurden und werden noch heute jährlich
zahlreiche Schwarze Menschen in Deutschland Opfer von
Gewaltverbrechen und täglich real erlebten Rassismen, Diskriminierungen
und Anfeindungen. Dagegen zu steuern heißt auch und vor allem: die
Wurzeln des Rassismus mit ihrer kolonialen Stereotypisierung
auszumerzen zu versuchen, und sich einer fairen Darstellung aller
Mitglieder der ethnischen Realität Deutschlands zu verschreiben.

In der Hoffnung, dass Ihr für eine Reflexion Eurer Wortwahl bereit seid
und wir so etwas nicht wieder in der Ultimo lesen zu müssen,

das IBZ – Team

Antwort des “Ultimo”-Chefredakteurs & Geschäftsführers

Betreff: AW: Brief an Euch
Von: “Thomas Friedrich Ultimo Bielefeld” <thf@ultimo-bielefeld.de>
Datum: Wed, 24 Sep 2008 14:25:06 +0200
An: “ibz” <ibz@ibz-bielefeld.de>

liebes mutiges anonymes ibz-team,
nachdem der kleine feigling, den ihr vorgeschickt habt, schon nicht
verstanden hat, was ironie ist, bekommen wir es nun mit eurer gesammelten
ignoranz zu tun.
fein.
zu anonymen anschuldigungen, so dumm sie auch sein mögen, nehmen wir
grundsätzlich keine stellung. wir betrachten eine unterschrift wie “das
ibz-team” als anonym.
wir wollen euch aber insoweit entgegenkommen, als dass wir nie wieder auch
nur 1 wort über euren laden schreiben. auch die von euch bereits
eingereichte kleinanzeige wird extra aus dem heft wieder rausgenommen.
nichts zu danken.
da braucht ihr euch nicht mehr zu schämen, dass eure sachen in einem heft
stehen, in dem das wort neger vorkommt (wie ist es: schreibt ihr jetzt auch
an den duden?)
es gibt einen grad von verstockter dummheit, der nicht mal mit gutem willen
zu entschuldigen ist.
ausnahmsweise ganz offiziell:
thomas friedrich / chefredakteur & geschäftsführer
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Ultimo Verlag
Herforder Straße 237
33609 Bielefeld
Thomas Friedrich
Tel.: 0521 – 44 18 64 email: thf@ultimo-bielefeld.de
=================================================
Ultimo – Bielefelds Stadtillustrierte erscheint 14täglich in der Ultimo
Verlag GmbH / mail: info@ultimo-bielefeld.de
<mailto:info@ultimo-bielefeld.de> / www.ultimo-bielefeld.de
<http://www.ultimo-bielefeld.de> / Geschäftsführer: Thomas Friedrich &
Rainer Liedmeyer / HRG Münster B 4167 // Bankverbindung: Kt. 780521100
Commerzbank Bielefeld (BLZ 480 400 35)

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– Daraufhin “antwortete” die Redaktion mit einem “Liebe N….r” – übertitelten Artikel in der nachfolgenden Ultimo hier zur Ansicht

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Der ganze Vorgang ist auch hier abrufbar: http://www.ibz-bielefeld.de/pages/aktuelles.html

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Unsere Meinung:

Journalisten sind Meinungsbildner und haben eine verantwortungsvolle gesellschaftliche Funktion inne. Der gesellschaftliche Schaden, der entsteht, wenn Menschen mit vorliegender Disposition und Mentalität die öffentliche Meinung mit bilden dürfen, ist enorm.
Die beleidigenden Briefe zeigen auf, dass man sich in der “Ultimo”-Redaktion einer Diskussion über rassismusfreie Berichterstattung im Ansatz verschließt. Und sie lassen tief blicken.

Prophylaktisch: Es ist nicht Gegenstand der Diskussion, ob Redakteure das Recht haben, auf Kritik schwer beleidigend zu reagieren. Noch, ob sie besonders schlau sind, wenn sie dies tun.

Es ist aber bemerkenswert, dass “Ultimo” ausgerechnet bei diesem Thema den beschwerdeführenden Personen mit derartigen Schmähungen begegnet.

Eine Redaktion, die Leserbriefe und Aufforderungen zu rassismusfreier Berichterstattung mit (sicher für besonders “satirisch” gehaltenen) Vergewaltigungswünschen und anderen schwersten persönlichen Beleidigungen beantwortet, ist nicht tragbar.

Dass persönliches Eingeschnapptsein zu einem rassistisch übertitelten Schmähartikel in der Zeitung führt (und zur willkürlichen und einseitigen Kündigung des Kleinanzeigenvertrages), hat mit “Journalismus” nichts mehr zu tun, ist vielmehr Missbrauch des eigenen medialen Aktionsspektrums und damit nicht nur kindisch sondern durchaus geeignet, eine Gefahr für die Sicherheit der Gesellschaft darzustellen. Dies gilt insbesondere wenn die Zeitschrift -wie hier- eine Monopolstellung in Bielefeld innehat.

Handlungsvorschlag:

Hier ist die Bielefelder Zivilgesellschaft gefragt und damit alle, die diese Art der Kommunikation und Medien (und damit öffentlichkeitsprägende Stimme) nicht weiter tolerieren möchten.

Am 12.1. findet in Bielefeld ein offener Workshop statt, bei dem sich Medienschaffende und interessierte BürgerInnen (möglichst zahlreich) treffen, um Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Es sind alle eingeladen, die diese Form der “Berichterstattung” und Schmähungen nicht tolerieren wollen.

Die Ultimo-Redaktion antwortet auch recht gern auf Leserbriefe.

(Es empfiehlt sich wie immer der Zusatz “Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird, und ich dieses Anschreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen werde.”)

Kontakt: info@ultimo-bielefeld.de oder thf@ultimo-bielefeld.de

Ultimo Verlag GmbH (HRG Münster, B 4167) Geschäftsführer: Thomas Friedrich, Rainer Liedmeyer; Netzbold: Wolfgang Ueding
Tel.: 0521 – 44 18 64