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01. bis 26. Februar 2012: Black History Month Berlin @ Werkstatt der Kulturen

Dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Brasilien.

Jedes Jahr im Februar wird in zahlreichen Ländern der Black History Month (BHM) mit Veranstaltungen zu Schwarzer Kultur und Geschichte zelebriert. Diese Tradition geht auf das Jahr 1926 zurück […]
Der erste deutsche Black History Month fand im Jahre 1990 statt und wurde von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisiert.
[…]
Mehr Infos zum Programm des Black History Month 2012 und allen anderen Veranstaltungen der Werkstatt der Kulturen auf www.werkstatt-der-kulturen.de. Besonderer Dank dem Forum Brasil!

Musik-, Wort-, Party-, Info-, Tanz- und Film- Veranstaltungen; Gesamtes Programmheft zum Download: HIER

Ausstellung “die Dritte Welt im zweiten Weltkrieg” – aktuelle Kommentare Dritter

online seit 2.10.: Tagesspiegel-Artikel “Werkstatt der Erinnerungskulturen” – Der Streit um die Ausstellung “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” wurde zum Lehrstück für die Einwanderungsgesellschaft.

“So verdienstvoll die Motivation des Kurators ist, so sehr zeigt sich in der Ausstellung nach wie vor eine eurozentristische Sichtweise”, sagte auch der Politologe Joshua Kwesi Aikins, der die “Initiative Schwarze Menschen in Deutschland” vertritt.

neu vom 16.10.09: “Kleine Anleitung zur kolonialen Inszenierung” – Unterhaltsame und sehr lesenswerte Analyse und Aufklärung auf http://die-dritte-welt-im-zweiten-weltkrieg.blogspot.com/

Die Ausstellungsmacher (…) attestieren sich selbstbewusst eine Wanderausstellung jenseits eurozentrischer Rezeptionen entwickelt zu haben. Doch eine koloniale Inszenierung folgt klaren, überprüfbaren Regeln.

1. Ein (in der Regel) weißer Mann wird als Aufklärer und Entdecker “unbekannter” Völker und Welten inszeniert. So zum Helden und Abenteurer geadelt, markiert er das “neue Territorium” somit als “fremd” und tauft sie auf einen Namen, der in der Welt der weißen Rezeption klare Assoziationen von Exotik, Naivität, kultureller und politischer Rückständigkeit, Armut, oder Unmündigkeit hervorruft. In dieser unerschlossenen Umgebung bekämpft er das Böse…

weiterlesen hier.

neu vom 9.10.09: “Thema verfehlt” von Else Nganana , gesamter Essay als pdf HIER

Auszüge:

So ist beispielsweise das ikonographische Photo, das in der Ausstellung mit “Kind im zersto”rten Nanking” betitelt wird, tatsa”chlich wenige Monate vor der Zersto”rung Nanjings (auch in Deutschland hat sich zwischenzeitlich die Eigenbezeichnung durchgesetzt), zu Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs in Shanghai aufgenommen worden
” nicht wie die Ausstellungsmacher behaupten in Nanjing.

Ebenso a”rgerlich ist der Umstand, dass Aung San, der Vater der weltweit bekannten burmesischen Oppositionsfu”hrerin und Friedensnobelpreistra”gerin Aung San Suu Kyi, nicht nur eine falsche Schreibweise seines Namens erfa”hrt (na”mlich Aung Sang), sondern dass er daru”ber hinaus mit Kollaborateuren wie Chinas Wang Jingwei in eine Reihe gestellt wird.

Irritierend ist auch der Subtitel “…ein vergessenes Kapitel der Geschichte.”
Mit dem Begriff “vergessen” setzt sich der Ausstellungsmacher als derjenige in Szene, der unwissenden Mitbu”rgern “unbekannte” Ereignisse Nahe bringt. Auch damit knu”pft er an koloniale Inszenierungen an. Denn “vergessen” ist der Pazifikkrieg, der von 1937 bis 1945 wa”hrte und rund 30 Mio. Tote forderte, weder bei den 1,3 Milliarden Chinesen, noch sonst irgendwo im Pazifikraum ” oder gar in der englischsprachigen Welt. Vielmehr gibt es in Wissenschaft, Filmindustrie und Literatur eine Fu”lle von Werken, die auf ihn Bezug nehmen. Hiervon findet sich in der Ausstellung jedoch leider wenig.

Ereignisse werden in U”bereinstimmung mit politischen und ideologischen Vorstellungen der Projektverantwortlichen konstruiert, vergessen, ignoriert oder besonders hervorgehoben und produzieren ein ungenaues und verzerrtes Gesamtbild.

1) … vom britischen telegraph über den Historiker Götz Aly, der bei einer Pressekonferenz unter anderem das Schwarzsein von Soldaten und Vergewaltigung kausal in Zusammenhang brachte

*

2) aus deutscher Wissenschaft von Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers:

“Ein resümierender Kurzkommentar zum Abschluss der Ausstellung Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

Bloße Verewigungsarbeit? (oder) Was ist die koloniale Matrix der Geschichte?

Auszüge:

“Der Titel der Ausstellung >>Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg<< legt nahe ” gewissermaßen im Subtext, dass es um Schwarze Menschen und People of Color geht, die sich an unserem (weißen europäischen) Krieg beteiligten. (…)
Das Material der Ausstellung offenbart allerdings, dass es das (weiße europäische) wir war, welches in bestehende Gesellschaften eingedrungen ist. Über sie hergefallen ist” (…)
“Die Aufmachung der Ausstellung in der bestehenden Form reduziert allerdings People of Color erneut zu Native Informants.
Sie verschleiert die Matrix der kolonialen und militarisierten Ausbeutungsverhältnisse und degradiert somit People of Color zu Objekten der so genannten Weltgeschichte.”

ganzer Kommentar hier als pdf.

Hintergrund-Infos: Die Ausstellung war von der Leitung der “Werkstatt dert Kulturen” aufgrund konzeptioneller Mängel abgesagt worden, was auf großes öffentliches Interesse und geteilte Meinungen stieß.

Diskussion um Ausstellung in “Werkstatt der Kulturen”: öffentliches Statement von der braune mob e.V.

(für Kommentierende: FYI und immer zu beachten: die Blog-Regeln, s.o.)

Neu vom 4.9.:

Tagesspiegel-Artikel, geht auf Hintergründe ein und zitiert mob und ISD.

Neu vom 1.9.:

Presseinformation des Migrationsrates Berlin & Brandenburg zu der Ausstellung “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg”

Am Mittwoch, den 2.9.2009 findet in der Amadeu-Antonio-Stiftung eine Pressekonferenz zu vorgenanntem Thema statt.
Linienstr. 139, 10115 Berlin, Tel.: ++49 (0)30. 240 886 10

Auf dem Podium u.a. Anetta Kahane.

Neu vom 31.8.:
– ADEFRA – Schwarze Frauen in Deutschland unterstützt die Entscheidung der Geschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen, Philippa Ebéné, die Ausstellung “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” abzusagen.
Presseerklärung von ISD
Presseerklärung von der braune mob e.V.

*

Philippa Ebéné, seit 2008 Leiterin der Neuköllner Werkstatt der Kulturen, hatte kurz vor der Eröffnung die Ausstellung “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” abgesagt. In dieser Ausstellung sollten die Beiträge von Schwarzen Menschen und People of Color im Widerstandskampf gegen den Nationalsozialismus portraitiert werden.
Die Ausstellung wird nun an einem anderen Ort in Berlin gezeigt.

Einer der Gründe für Ebénés Absage war, dass diese Ausstellung entgegen ihrer ursprünglichen Konzeption nun auch Kollaborateure mit den Nazis portraitieren wolle.

“Es ist Zeit, dass eine (oder mehrere) Organisation(en) von People of Color eine Gedenkveranstaltung für ihre Opfer, sowie für Soldaten und HeldInnen des 2. Weltkrieges konzipiert.”, so Ebèné. Der durchführende Verein, AfricAvenir, “war darüber informiert, dass wir an einer Gedenkveranstaltung interessiert sind, eine klassische ‘gute-Eingeborene-schlechte-Eingeborene-Ausstellung’ (mit sämtlichen damit einhergehenden eurozentrischen und paternalistischen Konnotationen) jedoch ablehnen – das war Bedingung der Zusammenarbeit”.

“Zensur” nennt der Texter der Ausstellung, der Kölner Journalist Karl Rössel, nun Ebénés Entscheidung. In Medien wird nun vielfältig suggeriert, dass ihr an einer Verdeckung der Kollaborateure der Nazis liege, so beispielsweise im mit der Artikel-Überschrift “Kritik an Arabern unerwünscht”. Öffentliche Kommentare unterstellen ihr gar Antisemitismus als Motiv. Philippa Ebéné ist Empfängerin der “Toussaint Louverture Medaille” 2008, die ihr von der UNESCO für “besondere Beiträge im Kampf gegen Hegemonie, Rassismus und Intoleranz” verliehen wurde.

Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening verfügte nach einem Meeting mit den KonzeptionistInnen der Ausstellung in Ebénés Abwesenheit, dass im September eine Kopie der umstrittenen Ausstellung in der Werkstatt der Kulturen gezeigt werden solle.

Trägerin der Werkstatt der Kulturen ist der gemeinnützige Verein »Brauerei Wissmannstraße e.V.«. Gefördert wird sie durch den Migrationsbeauftragten des Senats von Berlin.

Hier die Pressemitteilung unserer Organisation, in der wir unsere Zustimmung zu Frau Ebénés Entscheidung deutlich machen und entschieden gegen das Vorgehen des Senats in dieser Sache Stellung nehmen.

Radio-Interview mit Philippa Ebéné: http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/interview/200908/130605.html

Ebénés Kommentar zum Interview:

Leider sind Gebrauch und Verständnis von Ironie keine deutsche Sekundartugenden. Aber wie soll man der allgegenwärtigen Konstruktion der “Bedrohung des christlichen Abendlandes durch diverse Araber” -im Kleinen wie im Großen- denn sonst begegnen als mit Ironie? Für alle, die es nicht verstanden haben: natürlich brauchen auch weiße Menschen sich nicht von Arabern bedroht zu fühlen. Das scheint vielen nur entfallen zu sein, zumal in Zeiten des Kampfes gegen “islamistischen Terror”.

Taz Artikel “Streit um Ausstellung eskaliert”: http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/streit-um-ausstellung-eskaliert/

Kontakt: Günter Piening, “Integrationsbeauftragter”
Mail: (cc Werkstatt der Kulturen and der braune mob): integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de

the case in English: https://blog.derbraunemob.info/2009/08/30/exhibition-at-werkstatt-der-kulturen-statement-call-for-support/

Exhibition at Werkstatt der Kulturen – statement & call for support

Support needed for Werkstatt der Kulturen…

There is currently a media witch hunt against the director, Philippa Ebéné, because of her decision to cancel the exhibition “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” (The Third World in the Second World War). Accusations against her have been defamatory and shocking.

The exhibition was intended to be an hommage to Black people and People of Color worldwide, who contributed to resistance against the Nazis. Not much is known about the contribution of Black people and People of Color in the war effort. This exhibition was to address that balance and to pay our respects to those people.

Philippa Ebéné has come under extreme criticism however because she decided to cancel the exhibition when it became obvious that it also contained information about Nazi collaborators.
But this was not the point of the exhibition in the first place. In the end all the good deads would have been put on par with, or perhaps even outweighed by the heinious crimes of a few individuals.

This was not an issue about denial or censorship, as has been claimed.

It was an issue of respect for the context.

We do not know of any other memorial event which says “yes they were good & should be remembered, but there were these other guys… learn more about them now…”

The aim of the month long programme of events was to say “thank you”. Unequivocally.

This is what Ms Ebéné struggled to achieve. When it was clear that this would not happen, she cancelled. The exhibition had to move to a different place.

A brave, important action, for which she is now being unjustly hounded in the press, comments call her even antisemite, fascist etc.
Philippa Ebéné was awarded UNESCO’s Toussaint Louverture Medal for her “contribution to the struggle against domination, racism and intolerance” in 2008. She’s a Black woman.

The senate’s “commissioner for integration”, Günter Piening, determined in a meeting held past week in her absence that a copy of the exhibition that displays australian, US- and UK- soldiers as part of “Third World” and puts Nazi collaborateurs together with fighters for resistance only because they’re all not white, be shown in the “Werkstatt der Kulturen” starting September 1st.

It is even likely that Phillippa Ebéné will lose her job as director of the Berlin-based Werkstatt der Kulturen.

This is unheard of. Please raise your voices & pens wherever you can!

“Its nonsense to accuse Frau Ebéné of antisemitism”, says Anette Kahane (…), head of the Amadeu-Antonio-Foundation und herself Jewish. The core of the conflict lies in the fact that there is “no sensible debate here in Germany about racism and the meaning of Whiteness and Non-whiteness”, criticises Kahane. “Here the dominant view remains, that we should be discerning about the individuality and uniqueness of Europeans, but we can afford to make broad sweeping generalisations about all others”. The other people involved in the conflict obviously do not understand Frau Ebéné’s perspective of this issue: “One should simply listen to her, instead of silencing a much needed discussion with an accusation of antisemitism”, says Kahane.

http://criticalwitness.blogspot.com/2009/08/support-needed-for-werkstatt-der.html

contact: Günter Piening, “commissioner for integration”
Mail: (cc Werkstatt der Kulturen and der braune mob): integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de

read more in German: https://blog.derbraunemob.info/2009/08/30/diskussion-um-ausstellung-in-werkstatt-der-kulturen-oeffentliches-statement-von-der-braune-mob-e-v/

UNESCO verleiht Toussaint Louverture-Medaille an
“Werkstatt der Kulturen” Berlin und “AfricAvenir”

Vorgenannte Einrichtungen stehen damit in der Nachfolge von Aimé Césaire (Martinique) und Abdias do Nascimento.

via BlackNRW:

Die Berliner Werkstatt der Kulturen, gemanagt von Philippa Ebéné, erhält die UNESCO Toussaint Louverture Medaille. Während der Eröffnungszeremonie des Festivals “200 Jahre später”” verlieh der Präsident des UNESCO Exekutivrats, Botschafter Joseph Olabiyi Babalola Yai den Veranstaltern AfricAvenir und Werkstatt der Kulturen die “Toussaint Louverture Medaille”, die von der UNESCO für “besondere Beiträge im Kampf gegen Hegemonie, Rassismus und Intoleranz” vergeben wird.

weiterlesen: hier.